Zwischen Zicken und Machos - Websites zum Thema “Gender”

von Dietmar Peter

 

Es ist nicht leicht, Jugendlicher zu sein, denn damit ist die Aufgabe verbunden, die eigene Geschlechterrolle zu finden und zu leben. Das gelingt nicht immer, denn die sich zum Teil widersprechenden Rollenvorgaben der Medien, der Peer-Group und der Erwachsenen wirken sich nicht begünstigend auf diesen Prozess aus. Die daraus resultierende Rollenunsicherheit erschwert die Selbstfindung. In dieser Phase benötigen Jugendliche Orientierungshilfen und Bestätigung.

Das gilt insbesondere im Blick auf die Geschlechterrolle. Mit ihr sind grundlegende Verhaltensweisen, Einstellungen und Lebensplanungen verbunden. Aus diesem Grund ist es sicher kein Zufall, dass das Geschlecht des Menschen bereits auf den ersten Seiten der Bibel als Idee Gottes beschrieben wird: “Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau” (Gen 1, 27). Allerdings wird das, was Mann und Frau ausmacht, nicht als Beschreibung mitgeliefert. Insgesamt sind die Bilder, die die Bibel von Männern und Frauen zeichnet, ausgesprochen unterschiedlich.

So bleibt die Zuschreibung dessen, was die Rollen eines Mannes und einer Frau ausmachen, häufig den heimlichen Sozialisationsagenten vorbehalten. Nicht allein aus diesem Grund hat die Schule die Auseinandersetzung damit, was Weiblichkeit und Männlichkeit ausmacht, zu initiieren. Mädchen können dabei lernen, ihre Bedürfnisse und Wünsche wahrzunehmen und entsprechend ihre Lebensplanung zu gestalten. Jungen eröffnet ein entsprechender Unterricht die Chance, ihre Geschlechtsrolle offener und individueller zu gestalten und so an Freiheit zu gewinnen.

Schaut man auf den Religionsunterrichts, so wird das Thema in den Kerncurricula nicht explizit benannt. Jedoch lassen sich aus den inhaltsbezogenen Kompetenzen Themen wie z.B. “Was ist der Mensch?”, “Liebe und Partnerschaft”, “Miteinander leben” usw. ableiten.

Im folgenden sollen Internetseiten vorgestellt werden, die geeignet sind, in das Thema einzuführen bzw. das Thema für den Unterricht aufzubereiten oder bereits publizierte Unterrichtsideen weiterzuführen.

 

Genderaspekte im Unterricht

Wie kann Unterricht gendergerecht gestaltet werden kann? Dazu gehört die Motivation der Schülerinnen und Schüler zur Reflexion ihres Verhaltens als Jungen und Mädchen. Das Portal “lehrer-online” hat eine Seite zum Thema “Gender” eingerichtet (www.lehrer-online.de/gender.php), die allgemeine und fachspezifische Materialien sowie Unterrichtseinheiten und eine Linksammlung für weiterführende Recherchen zum Abruf bereithält.


Gender und Bildung

Auf der Seite “Gender+Bildung” finden Lehrkräfte, aber auch Schülerinnen und Schüler Informationen zum Thema “geschlechtssensible Bildung”. Die Seite verweist u.a. auf Materialien zu den Themen “Gesundheit”, “Gewaltprävention und Rollenklischees”, “Migration”, “Sexualität und Partnerschaft”, “Sport und Freizeit” und “Sprache”. Gleichzeitig werden Nutzerinnen und Nutzer auf der Suche nach weiterführenden Seiten zum Thema “Geschlechtssensible Beruforientierung” fündig. Hier verweisen die meisten Links allerdings auf österreichische Angebote. Insgesamt ist die Website www.gender.schule.at allen zu empfehlen, die sich einen grundlegenden Überblick zum Thema “Gender, Schule und Bildung” verschaffen wollen.


Gender und Schule

“Schule, das sind Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler – oder Frauen und Männer, Mädchen und Jungen.” Unter dieser Überschrift steht das Portal “Gender und Schule”, das von der Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung in Hannover gestaltet wurde. Ziel der Seite ist es, den Blick für Geschlechtergerechtigkeit in der Schule zu schärfen und Wahrnehmungsmuster neu zu gestalten. Die Website richtet sich an Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und interessierte Eltern und führt grundlegend in das Thema “Gender” ein. Gleichzeitig informiert die Website über das Thema “Gender im Unterricht” in Theorie und Praxis, macht Vorschläge zur Elternarbeit, gibt Film- und Lesetipps und informiert ausführlich zum Zukunftstag für Jungen und Mädchen. Die Adresse der Seite lautet www. genderundschule.de.


Nice Guys Engine– Eine Lernplattform für Jungen und Mädchen

Sexuelle Gewalt ist ein Thema für Mädchen und Jungen. Auf der Seite www.niceguysengine.de lernen Jugendliche ab zwölf Jahren, sexualisierte Gewalt in ihrem Umfeld und im eigenen Verhalten zu erkennen und zu vermeiden. Die Seite eröffnet spielerisch einen Zugang zu Themen wie Zivilcourage, Regeln, die sich eine Gruppe geben kann und zeigt auf, wie Demütigungen und Gewalt im eigenen Umfeld eingegrenzt werden können.

 

Landesarbeitsgemeinschaft Jungenarbeit Niedersachsen (LAG JuNi)

Die LAG JuNi versteht sich als Kontaktstelle für den Fachdialog unter allen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe und Schule sowie mit Fachkräften aus Praxis und Wissenschaft in Niedersachsen. Wichtigste Aufgabe der LAG ist die Verankerung der geschlechtsbezogenen Arbeit mit Jungen in Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe. Hierfür versucht die Landesarbeitsgemeinschaft Männer zu gewinnen und zu qualifizieren und Lobbyarbeit für jungenspezifische Angebote zu leisten. Eine weitere Aufgabe der LAG ist die Vernetzung zwischen den einzelnen Anbietern von Jungenarbeit. Auf der Internetseite www.lagjungenarbeit.de können Interessierte – neben allgemeinen Informationen zur Landesarbeitsstelle – Adressen von regionalen Arbeitsstellen, spezialisierten Einrichtungen für Jungen, Trägern von Jungenarbeit und engagierten Einzelpersonen in Niedersachsen abrufen. Veranstaltungshinweise und Links ermöglichen eine darüber hinausgehende Auseinandersetzung mit dem Thema.

 

“So geht Jungenarbeit”

Den wohl umfassendsten im Netz verfügbaren Überblick über den aktuellen Stand der Jungenpädagogik gibt die von der Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin herausgegebene Projektstudie “So geht Jungenarbeit - Geschlechtsbezogene Entwicklung von Jugendhilfe”. Die Publikation will zur konzeptionellen und implementierungsbezogenen Absicherung von Jungenarbeit beitragen und interessierten Frauen und Männern Anregungen zur Umsetzung jungenspezifischer Angebote geben. Neben einer Standortbestimmung beschreibt das Buch den Sinn von Jungenarbeit, differenziert zwischen Jungenarbeit in der Stadt und auf dem Land, beschreibt verschiedene jungenpädagogische Projekte und die Paradigmen des Erfolgs von Jungenarbeit. Im abschließenden Kapitel werden die Ergebnisse und Folgerungen unter der Überschrift “Geht so Jungenarbeit?” zusammengefasst. Die 160-seitige Publikation kann unter der Adresse www.stiftung-spi.de/download/stiftung/gender/ jungenarbeit.pdf als PDF-Datei geladen werden.


Paritätisches Bildungswerk e.V. – Fachstelle Jungenarbeit (PBW)

Das Angebot der Fachstelle Jungenarbeit des Paritätischen Bildungswerkes richtet sich an sozialpädagogische Fachkräfte und gibt Hinweise zur Planung und Durchführung ge­schlechtsbewusster Arbeit mit Jungen und männlichen Jugendlichen. Die Fachstelle will dazu anregen,

  • geschlechtsbewusste Ansätze in der Arbeit mit Jungen und jungen Männern in den Einrichtungen der Jugendhilfe und in den Schulen zu thematisieren,
  • Konzepte zur geschlechtsbewussten Jungen- und Männerarbeit zu entwickeln und zu erproben und in der Alltagspraxis zu etablieren und
  • den Diskurs über die Notwendigkeit von Jungenarbeit in den relevanten Fachgremien der Jugendhilfe zu führen.

Unter der Internetadresse www.jungenarbeit-online.de können Aufsätze und Fachbeiträge, zur weiteren Auseinandersetzung mit den Themen Jungenarbeit, Männlichkeit und Beziehung zwischen den Geschlechtern abgerufen werden. Kommentierte Literaturhinweise und Links ermöglichen eine gute Orientierung im Themenfeld.


Jungensozialisation im Vorschulalter

“Was bedeutet Sozialisation im Hinblick auf die Ge­schlechtszugehörigkeit? Welche Rolle spielt dabei das Selbstkonzept und welche Bedeutung ergibt sich daraus für die Entwicklung der Geschlechtsidentität im Vorschulalter?” Mit diesen Fragen beginnt Margarethe Blanck-Mathieu ihre Dissertation zum Thema “Sozialisation, Selbstkonzept und Entwicklung der Geschlechtsidentität bei Jungen im Vorschulalter”. Die Arbeit widmet sich der Jungensozialisation und bezieht sich dabei in erster Linie auf Selbstaussagen von Jungen. Dabei geht es um die Bewertung des eigenen Handelns, die Bedeutung von Spielsituationen und den Stellenwert der sozialen Bezüge zwischen Jungen und Mädchen. Die Dissertation steht Interessierten unter der Adresse tobias-lib.uni-tuebingen.de/volltexte/2002/470/pdf/ bm_diss.pdf als Download zur Verfügung.


Die Arbeit mit Jungen in Tageseinrichtungen für Kinder
Geschlechtsbewusste Pädagogik und Jungenarbeit sind in Tageseinrichtungen für Kinder bislang eher die Ausnahme. Der Beitrag “Gender Mainstreaming und
die Arbeit mit Jungen in Tageseinrichtungen für Kinder” von Tim Rohrmann analysiert die Hintergründe der aktuellen Situation und regt eine geschlechterbewusste Weiterentwicklung der Elementarpädagogik an. Das Dokument wurde unter der Adresse www.wechselspiel-online.de/literatur/Texte_TR/ GM_in_Kitas.pdf als PDF-Datei im Netz eingestellt.


Gender Mainstreaming und Schule

Wer sich grundlegend mit dem Thema auseinandersetzen möchte, dem sei die von Malwine Seemann und Michaela Kuhnhenne herausgegebene Online-Publikation “Gender Mainstreaming und Schule” empfohlen. Der Band ist in der “Oldenburger Reihe zur Geschlechterforschung” erschienen und gibt Anstöße zu Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse. Die Online-Publikation fasst die Ergebnisse des gleichnamigen Fachtages der Universität Oldenburg (2008) zusammen und beschreibt u.a. Gender Mainstreaming als Strategie zur Veränderung von Schule, fasst die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zu den Erfolgsfaktoren und Gegenkräften des Gender Mainstreaming im Schulbereich zusammen, gibt Anregungen zur Gestaltung einer den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrerinnen und Lehrern gerechten Schule und fragt, welche Rolle das Thema “Gender und Schule” in der universitären Ausbildung von Lehrkräften spielt. Der Band kann unter der Adresse http://d-nb.info/995015325/34 abgerufen werden. Die Bände zu den vorhergehenden Fachtagen können unter http://d-nb.info/ 992623804/34 abgerufen werden.


Unterrichtsprinzip geschlechtersensible Pädagogik

Eine grundlegende Einführung in das Thema geben die vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur herausgegebenen Online-Publikationen zum Thema “Unterrichtsprinzip Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und Männern”. Die Publikationen setzen ihre Schwerpunkte mit Blick auf die einzelnen Schulformen und führen grundlegend in das Thema “Geschlechtsspezifische Sozialisation” ein. Insgesamt werden in den einzelnen Bänden eine Vielzahl von Vorschlägen für die Umsetzung in Schule und Unterricht gemacht und Möglichkeiten der Elternarbeit aufgezeigt. Abschließend werden einzelne Unterrichtsfächer unter dem Geschlechtsaspekt in den Blick genommen. Obwohl auf Grund der etwas anderen Situation in Österreich einzelne Bereiche einer Übertragung auf die Verhältnisse in deutschen Schulen bedürfen, lohnt es sich, die Praxis an der eigenen Schule auf dem Hintergrund der Vielzahl an Ideen und Anregungen zu befragen. Die einzelnen Bände können unter der Adresse www.gender.schule.at abgerufen werden. Um zu der entsprechenden Übersicht zu gelangen ist es hilfreich, den Begriff “Unterrichtsprinzip” in der Suchmaske einzugeben.

Dietmar Peter


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Text erschienen im Loccumer Pelikan 2/2010

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