Unterwegs mit den drei Weisen aus dem Morgenlande

von Lars Fliegner und Uwe Jaschke

 

 

Eine Unterrichtsskizze für den Konfirmandenunterricht zum Thema Weihnachten

Die hier vorgeschlagene Unterrichtseinheit "Weihnachten", die für Vor- wie Hauptkonfirmanden gleichermaßen geeignet ist, soll in vier Stunden mit dem Weihnachtsgeschehen der Bibel vertraut machen, indem die Erfahrungen der KonfirmandInnen mit der heutigen Feier des Weihnachtsfestes aufgenommen werden. Beides soll in Zusammenhang miteinander gebracht und das biblische Weihnachtsgeschehen damit erfahrbar und begreifbar werden. Die Figuren der "drei Weisen aus dem Morgenland" sollen dabei als Mittler- und Identifikationsfiguren fungieren. Diese alte Legende soll, erzählerisch ausgestaltet, den roten Faden durch die gesamte Einheit bilden. Leitgedanke ist dabei, über die Weg-Geschichte der Weisen das Motiv "Warten" bzw. "Erwarten" aufzunehmen und mit entsprechenden Erfahrungen der Jugendlichen zu verbinden.

Im Rahmen der Einheit wird Jesus auf eine Stufe mit den Stars und Idolen der Jugendlichen gebracht, da das aller Erfahrung nach bei den meisten Betroffenen eine Steigerung der Wertschätzung bedeutet. Außerdem fühlen wir uns darin bestätigt, da das Evangelium, insbesondere die Weihnachtsgeschichte, ja gerade explizit von der Menschwerdung Gottes spricht. Gott macht sich eben durch diese Selbstherablassung fassbar. Dass der Gottessohn mehr ist als ein Popstar, ist evident, aber eben dies gilt es unterrichtlich zu erarbeiten.

Der folgende Entwurf zielt darauf, den KonfirmandInnen das Weihnachtsgeschehen näher zubringen. Geplant sind vier Unterrichtsstunden. Als roter Faden dient das Thema der drei Weisen aus dem Morgenland, die auf ihrem Weg zur Krippe begleitet werden. Die erste Stunde "Aufbruch zur Krippe" wird im Folgenden ausgeführt. Für die nachfolgenden Unterrichtssequenzen werden lediglich notizartige Vorschläge zur selbständigen Ausgestaltung gemacht.

 

1. Stunde:
Aufbruch zur Krippe

Liedvorschläge zum Anfang der Stunde: Stern über Bethlehem (EG 577), Stern, auf den ich schaue (EG 407). Als Alternative schlagen wir vor, evtl. einen aktuellen Weihnachtssong aus den Popcharts vorzustellen und gemeinsam zu singen. Mit großer Wahrscheinlichkeit stehen uns auch in der diesjährigen Adventszeit wieder etliche mehr oder weniger gelungene X-mas-Titel ins Haus.

Als Einstieg wird den KonfirmandInnen das Bild eines Kometen mit der Frage vorgelegt, was sie darauf erkennen (OHG oder Kopie: M 1). Danach folgt eine kurze Fragerunde, in der einige Informationen über Kometen ins Plenum gegeben werden: Beschaffenheit, Größe und Schweiflänge (M 2) sowie ihre Wirkung auf Menschen (Furcht, Unruhe, Hoffnung). Mit dem Stichwort "Unruhe/Hoffnung" wird zu einer Geschichte übergeleitet, die entweder vom Unterrichtenden erzählt oder von den KonfirmandInnen absatzweise gelesen werden sollte.

Schaut mal alle her. Hört mir zu, ich werde Euch eine Geschichte erzählen. Stellt Euch einmal vor, vor langer Zeit lebte im fernen Arabien ein weiser, wohlhabender Mann, der sich für den Sternenhimmel interessierte. Er hatte schon viele Bücher über die Sternenkunde gelesen und beobachtete allabendlich den Sternenhimmel. Eines Abends entdeckte der plötzlich einen sehr hellen Stern mit einem langen Schweif, den er zuvor noch nie gesehen hatte. Auch an den folgenden Abenden war dieser Stern zu sehen, er wurde sogar immer größer und heller. Als er über die Bedeutung dieser Erscheinung rätselte, fiel ihm auf, dass der Stern einem Finger ähnelte, der weit in den Nordwesten, noch hinter den Horizont zeigte. Da packte ihn die Neugier, und er wollte wissen, worauf der Stern deutete. Vor Aufregung konnte er die ganze Nacht nicht schlafen. Am nächsten Morgen stand er schon ganz früh auf, packte seine Bücher und Fernrohre und wartete ungeduldig auf den Abend. Sobald sich der Stern wieder zeigte, machte er sich auf den Weg und folgte seinem Stern. - Wisst ihr eigentlich, was "Stern" auf Englisch heißt...?

Mit dieser Frage leiten wir zum Thema "Stars" über. "Stars" sind die Sterne der Jugendlichen. Was erwarten sie von ihren "Stars"? An dieser Stelle soll ein Gefühl für den Begriff Erwartung geweckt werden, das im weiteren Verlauf auf die adventliche Erwartung gedeutet werden soll. Wir schlagen eine Kreativphase vor, in der die Jugendlichen zuerst Portraits ihrer Stars ausschneiden und daraus einen "Star"- bzw. Sternenhimmel gestalten. (Material: dunkelblaues Tonpapier für den Nachthimmel, Jugendzeitschriften wie "Bravo", "Mädchen", "Popcorn" oder "Kicker" sowie Schere und Klebstoff.) Ein großer Komet kann schon vor der Unterrichtsstunde aus weißem Transparentpapier angefertigt werden. In einer Runde stellen die KonfirmandInnen dann ihre Stars vor und berichten von ihren Erwartungen, wenn sie zu ihren Stars reisen könnten. Wie würden sie sich verhalten, was würden sie sie fragen, was evtl. von ihnen geschenkt bekommen oder ihnen schenken? Dabei werden die Portraits auf das Tonpapier geklebt.

Der Komet wird dann zu den "Stars" geklebt. Im Anschluss daran wird die Frage behandelt, was der weise Mann wohl von seiner Reise erwarten könnte. Auf diese Weise soll die adventliche Erwartung in den Erfahrungshorizont der Jugendlichen eingebettet werden.

Um den Begriff der Erwartung zu vertiefen, werden jetzt die beiden anderen Weisen aus dem Morgenland eingeführt und deren Aufbrüche und Erwartungen geschildert. Das geschieht wieder mit Hilfe einer Geschichte.

Übrigens, es gab da noch zwei andere Männer, die den Stern gesehen hatten. Ich möchte Euch noch kurz erzählen, wie sie zu ihrem "Star" aufgebrochen sind. Der zweite Weise fackelte nicht lange, er packte seine Siebensachen und stürzte eilige aus dem Haus. Dabei lief er seiner alten Mutter über den Weg. "Aber Junge, wo willst du denn hin? Mitten in der Nacht, und noch dazu in der Adventszeit, wo wir doch die Abende gemütlich mit der Familie verbringen wollen..." Stellt Euch vor: Mitten in der Adventszeit bekommt ihr eine Freikarte für das einzige Deutschlandkonzert Eurer liebste Popgruppe. Und Eure Eltern wollen euch nicht hingehen lassen. Wie würdet ihr Euch da rausreden? Wie würdet ihr zum Ausdruck bringen, dass ihr da einfach unbedingt hin müsst?

Die Einfälle der KonfirmandInnen werden unkommentiert stehen gelassen. Nun folgt die Geschichte des dritten Weisen.

Und dann war da noch ein Dritter, der bemerkte den Stern ebenfalls und vermutete, daß dieses besonders große Exemplar auf einen außerordentlich wichtigen Menschen hinweisen könnte. Ihm war sofort klar: Da muss er hin. Aber nicht mit leeren Händen. Doch was sollte er mitnehmen? Was würdet Ihr mitnehmen? Was würdet Ihr verschenken?

Auch das kann zusammengetragen werden, ohne die einzelnen Voten zu kommentieren. Danach wird die Erzählung fortgesetzt:

Der Mann entschloss sich, das Wertvollste, das er hatte, mitzunehmen. Das war sein Goldvorrat. So ging er schwerbeladen in die Richtung, die ihm der Stern zeigte. In der dritten Nacht kam er zu einer Herberge, in der er auf die beiden anderen weisen Männer traf. Er setzte sich zu den beiden und fragte "Wohin seid ihr unterwegs?"

Wenn es die Zeit zulässt, können drei KonfirmandInnen die Begegnung der drei weisen Männer spielen. Dieser Schritt dient der Ergebnissicherung. Zum Schluss sollte das eingangs gelernte Lied noch einmal wiederholt werden.

Folgende Unterrichtssequenzen könnten an diese Stunde angeschlossen werden:

 

2. Stunde:
Alt- und neutestamentliche Messiaserwartung

Die drei Weisen treffen auf ihrem Weg einen Propheten, der sie mit der Messiashoffnung des Jesaja konfrontiert. Danach stoßen sie auf Elisabeth, die ihnen von ihrer Begegnung mit Maria erzählt. Eine Übersetzung in die Lebenswelt der KonfirmandInnen kann mittels Plakatankündigungen von Konzerten oder Fußballspielen versucht werden. Wie könnte ein Plakat aussehen, das den Messias ankündigt?

 

3. Stunde:
Lust und Leid mit den Geschenken

Zwei der Weisen haben noch keine Geschenke. Folgenden Fragen kann nachgegangen werden: Was kann man sich heutzutage zu Weihnachten schenken? Warum beschenkt man sich zum Christfest und was bezweckt man damit? Was bringen Geschenke zum Ausdruck?

 

4. Stunde:
Das hab ich nicht erwartet!

Kleines Kind oder großer König? Es soll versucht werden, anhand von Kindheitsbiographien heutiger Stars Parallelen und Unterschiede zur Jesusgeschichte zu ziehen. Aus der Krippe zum Star? Kommt Jesus groß raus? Jesus Christ - Superstar? 

M 2
Informationen über Kometen:

Kometen sind riesige "schmutzige Schneebälle", d.h. ihr Kern besteht aus gefrorenen Gasen und Staub. Die Kerne haben die Größe mehrerer Kilometer. Ihre Atmosphäre ("Koma") besteht aus den Gasen, die durch die Sonnenwärme verdunsten. Die größte beobachtete Koma hatte einen Durchmesser von über 2 Millionen Kilometern. Der längste beobachtete Kometenschweif hatte eine Länge von über 330 Millionen Kilometern (Länger als der Abstand Sonne-Mars!).

Seit jeher lösten Kometen-Erscheinungen bei den Menschen Angst und Unruhe aus. Ein paar Beispiele aus der Neuzeit:

  • 1732 vermutete man in Frankreich eine Kollision zwischen der Erde und einem Kometen. Zu horrenden Preisen wurden Plätze im Paradies angeboten.
  • 1910 wurden zur Wiederkehr des Halleyschen Kometen in den USA "Anti-Kometenpillen" angeboten.
  •  1970 hielten die Araber den Kometen Bennet für eine neue israelische Waffe.

Diese und weitere Informationen sind leicht verständlich im "Guiness Buch der Stern" (Ullstein) 1985 enthalten. Aktuelle Kometenfotografien sind im Internet zu finden; sollte einem dieser Zugriff (noch) verwehrt sein - einfach die KonfirmandInnen fragen!

 

 

Text aus Loccumer Pelikan

4/1996