"Dietrich Bonhoeffer - die letzte Stufe"

von Ulrike Pagel-Hollenbach

 

 

Unterrichtsbausteine zu einem biographischen Spielfilm

"Bonhoeffer - die letzte Stufe" von Eric Till ist der erste Spielfilm, der über das Leben von Dietrich Bonhoeffer gedreht wurde.

Verhielt sich die Kirche in Bezug auf Bonhoeffer nach Kriegsende zunächst indifferent und kam es zu einer Aufnahme und Diskussion seines theologischen Nachlasses erst in den 6oer Jahren, so ging auch jetzt - 55 Jahre nach seinem Tod - der entscheidende Impuls zu einer filmischen Umsetzung der letzten Lebensjahre Bonhoeffers vom amerikanischen Ausland aus, wenn auch die deutsch-amerikanisch-kanadische Koproduktion schließlich unter deutscher Federführung realisiert wurde.

Als niederschwelliges Angebot zur Begegnung mit dem Theologen und Widerstandskämpfer ist dieser Film gedacht, adressiert vor allem an die heranwachsende Generation in den USA und in Mitteleuropa, insbesondere Deutschland. Im Sommer 2000 lief der Film in wenigen Kinos einiger größerer Städte, um Weihnachten herum als Fernsehausstrahlung. Inzwischen ist "Bonhoeffer -die letzte Stufe" im Verleih der Kreisbildstellen und der Medienzentralen erhältlich und Matthias - Film plant die Herausgabe einer DVD-Version des Spielfilms für Herbst 2001. Somit ist es möglich mit dem Spielfilm im Unterricht zu arbeiten.

 

Der Film "Bonhoeffer - die letzte Stufe"

Titel: "Bonhoeffer - die letzte Stufe"
BRD, USA, Kanada 1999, 90 Min., Farbe, ab 14 Jahre
Regie: Eric Till, Buch: Gareth Jones, Eric Till
Darsteller: Dietrich Bonhoeffer - Ulrich Tukur, Maria von Wedemeyer - Johanna Klante, Manfred Roeder - Robert Joy

"Bonhoeffer - die letzte Stufe" konzentriert sich auf die wesentlichen Ereignisse in Bonhoeffers letzten sechs Lebensjahren. Es handelt sich um einen biographischen Spielfilm der mit Stilmitteln arbeitet, die der Dramatik eines biographischen Romans entsprechen. Die Filmemacher versichern, dass der Film auf dem Leben Dietrich Bonhoeffers basiert und Änderungen lediglich aus dramaturgischen Gründen vorgenommen wurden, die Details seines Lebens, nicht aber Bonhoeffers Lebenswerk betreffen. Es sind im wesentlichen zwei Erzählstränge, die miteinander verwoben werden: Bonhoeffers Geschichte als Mann des politischen Widerstandes und seine Beziehung zu Maria von Wedemeyer. Hinter der Beziehung zu seiner Verlobten treten alle sonst für Bonhoeffer wichtigen Beziehungen wie die zu seinen Eltern oder die zu seinem Freund Eberhard Bethge in den Hintergrund. Bonhoeffer wird als ein Mann dargestellt, für den die äußere politische Situation immer wieder innere Konflikte und Entscheidungssituationen bedeuten: für ein Leben in amerikanischer Freiheit oder in deutscher Gefangenschaft, für ein Leben im politischen Widerstand oder in Tatenlosigkeit, für eine Flucht aus der Gefangenschaft oder in Entsagung, für eine Kollaboration mit den Nazis oder für die Gefangenschaft und den Tod.

Und so beginnt der Film im Juni 1939 in New York: Freunde Bonhoeffers, froh ihn rechtzeitig aus Nazideutschland herausbekommen und ihm eine Lehrtätigkeit als Gastdozent beschafft zu haben, sind um so enttäuschter, dass Bonhoeffer nach 3 Wochen Aufenthalt die schicksalhafte Entscheidung fällt, nach Deutschland zurückzukehren. Es folgen Szenen, die die Gefährdung und Einschränkungen Bonhoeffers durch die Nazis in seinem persönlichen, beruflichen, sowie in seinem familiären Umfeld zeigen. So wird eine Andacht Bonhoeffers in Berlin von der Gestapo gestört. Dr. Manfred Roeder - damaliger Kriegsgerichtsrat - verlangt den Anwesenden den Treueeid ab und erteilt Bonhoeffer Sprech- Lehr- und Schreibverbot. In einer folgenden Szene geht es um die Flucht von Bonhoeffers Zwillingsschwester Sabine Leibholz, die mit einem Juden verheiratet ist. Sie emigriert mit ihrer Familie auch auf Bonhoeffers Anraten hin in die Schweiz. Szenen des Abschieds der Zwillinge werden in Parallelmontage mit Szenen gezeigt, die die Observierung und anschließende Verwüstung und Schließung des Predigerseminars Finkenwalde beinhalten. Von der historischen Chronologie her sind diese Szenen eigentlich Rückblenden, dramaturgisch sind sie jedoch stimmig kombiniert.

Durch seinen Schwager Hans von Dohnanyi bekommt Bonhoeffer Kontakt zum politischen Widerstand und wird angefragt, seine ausländischen Verbindungen für Kurierdienste zu nutzen. Er wird in die innersten Kreise des politischen Widerstandes eingeführt und ist auch bei der Planung des Attentats auf Hitler durch von Gersdorf als eine Art seelsorgerlicher Beistand beteiligt. Parallel zu Bonhoeffers Widerstandsaktivitäten wird die beginnende Beziehung zwischen Maria von Wedemeyer und Bonhoeffer auf dem Gut Klein- Krössin geschildert. Dort hatte Bonhoeffer nach der Schließung von Finkenwalde zeitweise Zuflucht genommen, um an seiner "Ethik" zu arbeiten. Ruth von Kleist-Retzow, die Großmutter von Maria von Wedemeyer, gehörte zum pommerschen Landadel, war theologisch interessiert und hatte das Projekt des Predigerseminars der Bekennenden Kirche in Finkenwalde unterstützt.

Das Attentat auf Hitler scheitert und Bonhoeffer wird von Manfred Roeder zusammen mit Hans von Dohnanyi, seiner Schwester Christel von Dohnanyi und weiteren Mitgliedern der Widerstandsgruppe verhaftet. Zeigt sich Bonhoeffer im ersten Verhören verunsichert gegenüber Roeder - der den ganzen Film über das nationalsozialistische Gegenüber Bonhoeffers bleibt, obwohl er tatsächlich nur die ersten drei Monate die Ermittlungen gegen Bonhoeffer führte - so tritt Bonhoeffer ihm schon im nächsten Verhör souverän gegenüber. Als Seelsorger betet er mit seinem verzweifelten Zellennachbarn. Eine sehr überzeugend gespielte Szene. Eine durch Maria von Wedemeyer geschmuggelte Botschaft verschafft ihm die Gewissheit, dass die Gestapo vom Ausmaß seiner Widerstandstätigkeit nichts weiß und so hat er Hoffnung auf eine baldige Entlassung. Unter den Augen Roeders erzählt Maria von Wedemeyer Bonhoeffer von den Hochzeitsvorbereitungen und küsst ihn das erste Mal. Eine Szene, die gerade in diesem Rahmen eine sehnsuchtsvolle Intimität erzeugt.

Das Tegeler Gefängnis wird in vielen Szenen als ein Ort gezeigt, an dem Bonhoeffer auf seine Art versucht zu leben, in dem begrenzten Raum seiner Zelle liest und schreibt er und korrespondiert mit Maria von Wedemeyer. Das Gefängnis ist auch ein Ort, an dem er versucht Beziehungen zu leben: Zu den Gefangenen, denen er während der Bombenangriffe Mut zuspricht; zu seinem Wachmann Knobloch, mit dem er Gespräche führt über Gott oder darüber was es bedeutet, die Wahrheit zu sagen; der Briefe für Bonhoeffer an der Zensur vorbei schmuggelt und schließlich zusammen mit Maria von Wedemeyer die Flucht Bonhoeffers plant. Doch das Scheitern des Stauffenberg - Attentats führt zu einer Welle neuer Verhaftungen, u.a. von Klaus Bonhoeffer, dem Bruder Bonhoeffers. Um Verwandte und Freunde nicht der Rache der Nazis auszuliefern, entscheidet sich Bonhoeffer jetzt gegen die geplante Flucht. Ein Gespräch über diese Entscheidung zwischen Maria von Wedemeyer und Bonhoeffer, macht zum einen Bonhoeffers inneren Konflikt bei dieser Vernunftentscheidung, aber auch Maria von Wedemeyers Verzweiflung deutlich, mit der sie versucht, sich und Bonhoeffer eine gemeinsame Zukunft zu retten.

Die von Hans von Dohnanyi versteckte Akte über die Verbrechen der Nazis wird gefunden, eine Akte, in der auch Bonhoeffers Name vermerkt war; damit ist das Ausmaß der Widerstandstätigkeit Bonhoeffers erwiesen. Roeder macht Bonhoeffer ein letztes Angebot, als Unterhändler für die Nazis mit den Alliierten zu verhandeln; Bonhoeffer schlägt aus. Eine Szene, die stark überzeichnet wirkt, in der aber die gezeigte Architektur, angesichts der Situation des faktisch schon verlorenen Krieges, den Größenwahn der Nazis noch einmal sinnfällig macht.

Mit einem Holzvergaser wird Bonhoeffer mit anderen prominenten Gefangenen Richtung Flossenbürg transportiert. Zwei der Gefangenen werden in Flossenbürg aus dem Wagen geholt. Dies wäre eigentlich auch der Bestimmungsort für Bonhoeffer gewesen, aber die Wachmänner können seinen Namen nicht entziffern. So geht die Fahrt weiter Richtung Süden. Der Wagen hat unterwegs eine Panne und bleibt liegen. Die sich auflösende nationalsozialistische Gesellschaft wird in der Unsicherheit der Wachmänner und das Ende des Krieges im nahen Gefechtsdonner deutlich. Mit einem Kraft-Durch-Freude-Bus werden die Gefangenen weiterbefördert und gelangen nach Schönberg. In einer zerstörten Kirche hält Bonhoeffer dort seinen Mitgefangenen eine Andacht. Vor der Tür fährt ein Militärfahrzeug vor, das ihn nach Flssenbürg bringen soll. Beim Gang zum Schafott wird hier noch eine letzte Begegnung mit Roeder inszeniert. Dieser erscheint hinter dem bereits entkleideten Bonhoeffer und sagt: "Das ist das Ende". Bonhoeffer entgegnet "Nein," lässt Roeder stehen und geht unaufgefordert zum Galgen. In einer allerletzten Szene wird noch einmal Maria von Wedemeyer ins Bild gesetzt. Von ihrer Odyssee aus Süddeutschland zurück, wo sie Bonhoeffer vergeblich in Flossenbürg gesucht hatte, geht sie auf das Gutshaus in ihrem Heimatort zu und so, als könnte sie ahnen, was nur der Zuschauer weiß, dreht sie sich erschrocken um.

Der Spielfilm "Bonhoeffer - die letzte Stufe" ist ein mit viel Sachkenntnis und Detailwissen gestalteter Film, der seinem anfänglich formulierten Anspruch weitgehend gerecht wird. Die innere Logik der Dramaturgie von der Entscheidung in Amerika bis zum Schritt hinauf zum Galgen ist sinnfällig. Der Handlungsverlauf ist sorgfältig komponiert, wenn auch von der historischen Chronologie her nicht immer korrekt. Alle Szenen und Dialoge haben historische Anhaltspunkte, vielfach sind Äußerungen aus den Briefen oder Schriften Bonhoeffers zu Dialogen umgestaltet worden.

Die Beziehung Bonhoeffers zu Maria von Wedemeyer ist entsprechend dem historisch verbürgten Material ein wichtiger Erzählstrang. Bekommt man durch die Briefe von Maria von Wedemeyer den Eindruck von einer sehr lebenshungrigen und auch intensiv sich auslebenden jungen Frau, so verkörpert die Maria von Wedemeyer im Film - zumindest am Anfang - ein kokettes Mädchen. Sie wird mit 17 statt 18 Jahren jünger gemacht, als sie tatsächlich zum Zeitpunkt der Verlobung war, und blond statt brünett. Die Tiefen, die sie vermutlich durchlebte, ihr Wunsch, eine Zeitlang die Besuche bei Bonhoeffer auszusetzen, weil sie vermutlich in eine Krise geraten war, werden nur angedeutet. Dies ist aufgrund des vielen Detailmaterials, der Konzentration vor allem auf die Person Bonhoeffer und der technischen Notwendigkeit, dass der Film noch einmal von 120 auf 90 Minuten gekürzt werden musste, einsichtig. Wenig verständlich jedoch bleibt, warum die historisch verbürgte Dramatik der Beziehung zwischen Bonhoeffer und Maria von Wedemeyer nicht genutzt wurde. So erwirkte die Mutter von Maria von Wedemeyer eine Kontaktsperre, ehe sich eine Beziehung überhaupt richtig entwickeln konnte, eine Verlobung kam lediglich durch briefliche Verständigung zustande, und Bonhoeffer wurde inhaftiert, bevor ein Treffen der Verlobten möglich wurde.

Die Theologie - soweit sie in einem Spielfilm thematisiert werden kann - fließt an den entsprechenden Stellen ein. Oft in kurzer, aber prägnanter Dialogform. So u.a. im Gespräch über Ethik mit Maria von Wedemeyer, im Gespräch mit von Gersdorf bei dessen Frage, ob Gott ihm vergeben werde, oder bei Bonhoeffers Kuriertätigkeit im Gespräch mit Bischof Bell.

Besonders in dem Gebet für Bonhoeffers Zellennachbarn, aber auch in der Morgenandacht für seine Mitgefangenen und auch in der (stark überzeichneten) Schlussszene am Galgen wird etwas spürbar von dem, was Bonhoeffer selber als Mehrdimensionalität bezeichnet hat: Er ist eben nicht nur Häftling, für ihn gibt es eine andere Wirklichkeit, die des Glaubens, die in diesen dichten Szenen gelebter Religiosität glaubwürdig vermittelt wird.

Dietrich Bonhoeffer wird von Ulrich Tukur überzeugend gespielt in seinem Bemühen, im Vertrauen auf Gott und durch manchen Zweifel hindurch den Mächten Nazideutschlands zu widerstehen. Er verkörpert das Bild eines weltoffenen, humorvollen, reflektierten und aktiven Menschen. Einige Nuancen Dietrich Bonhoeffers - so wie sie in Biographien und Selbstzeugnissen beschrieben werden - suchen die Zuschauer allerdings vergeblich. So werden z.B. keine überquellenden Aschenbecher ins Bild gesetzt. Zwar wird von ihm selbst sein Gedicht "Wer bin ich" rezitiert, seine Verzweiflung am Anfang der Haftzeit, sein Ärger und Unwillen gegen die Haft, gegen die Beschränkungen auch in den Begegnungsmöglichkeiten mit seiner Verlobten werden aber nur reduziert thematisiert. Hier wurde geglättet zugunsten eines allzu stimmigen Innenbildes von Bonhoeffer, des eines konsequenten, entschlussfreudigen und glaubensfesten Menschen.

Der historisch verbürgte Satz Bonhoeffers: " Dies ist das Ende, für mich der Beginn des Lebens. Ich glaube an die universale christliche Brüderlichkeit über alle nationalen Interessen hinweg und ich glaube, dass uns der Sieg sicher ist.", waren die letzten Worte, die er seinem Mitgefangenen Payne Best als Gruß für seinen Freund, den Bischoff Bell von Chichester, aufgetragen hatte. Eingebettet in die historisch überlieferte Szene, hätte dieser Satz für einn dramatisches Ende sicherlich gute Dienste geleistet. Dass die Filmemacher mit ihrem inszenierten Schluss die Glaubenswirklichkeit Bonhoeffers und die Verbundenheit der Liebenden gegen das verbrecherische System - personifiziert durch die Person Roeders - noch einmal triumphieren lassen wollen, lässt sich vermuten.

 

Storyboard

Zeit Inhalt
Rückkehr nach Deutschland:

03,20 Bonhoeffer 1939 in New York im Kreise seiner Freunde. Er fällt die Entscheidung nach Deutschland zurückzukehren.

Ereignisse vor 1939:

03.20- 12,24 Bonhoeffer erhält Rede- und Schreibverbot; er leistet zivilen Ungehorsam; seine Zwillingsschwester Sabine Leibholz emigriert mit Familie; Finkenwalde wird geschlossen.

Der Schritt in den politischen Widerstand und die beginnende Beziehung zu Maria von Wedemeyer:

12.25 - 14.59 Begegnung mit Maria von Wedemeyer in Klein-Krössin.

15.00 - 26.14. Bonhoeffer erfährt von den Greuel der Nazis und ist bereit als Kuriers bei der Abwehr zu arbeiten: Er verhilft Juden zur Flucht, reist als Kurier nach Schweden, trifft Bischof Bell und ist bei Attentatsvorbereitungen von von Gersdorf anwesend.

26.15 - 32,11 Gespräch zwischen Maria von Wedemeyer und Bonhoeffer über Ethik, Bonhoeffer tröstet sie nach dem Tod von Bruder und Vater und macht ihr einen Heiratsantrag.

32,12 - 39,39 Das Attentat schlägt fehl, Bonhoeffer u.a. werden verhaftet und ins Gefängnis gebracht.

Die erste Zeit im Gefängnis:

39.40 - 44.39 Verhör durch Roeder

44.40 - 48.10 Gebet für den Zellennachbarn

48.11 - 1.00.00 Verhör; Sprecherlaubnis von Maria von Wedemeyer und erster Kuß; Gespräch über Lüge und Wahrheit mit Knobloch.
 

Letzte Entscheidungssituationen:

1.00.00 -1.05.14 Maria von Wedemeyer bespricht den Fluchtplan mit Bonhoeffer; Bonhoeffer erfährt im Gefängnis vom Scheitern des Staufenberg-Attentats; Die Ermittlungen gegen die Abwehr werden erneut aufgenommen; Bonhoeffer rezitiert sein Gedicht "Wer bin ich?"

1.05.15 - 1.07.00 Die Akte in Zossen wird gefunden; Bonhoeffer teilt Maria von Wedemeyer die Entscheidung mit, den Fluchtplan fallen zu lassen.

1.07.00 - 1.10.25 Roeder erhält Kenntnis von der Akte; er unterbreitet Bonhoeffer das Angebot, für die Nazis mit den Alliierten zu verhandeln. Bonhoeffer lehnt ab.
 

Transport nach Flossenbürg:

1.10.26 - 1.18.02 "Ein Taxi ins Vergessen". Bonhoeffer wird zusammen mit anderen prominenten Gefangenen Richtung Flossenbürg transportiert.

Maria von Wedemeyer sucht Bonhoeffer vergeblich in Flossenbürg.

1.18.03 - 1.22.20 Bonhoeffer in Schönberg; Andacht in zerstörter Kirche; Maria von Wedemeyer läuft durch das zerstörte Berlin während eines Bombenangriffs.

1.22.21 - 1.25.55 Bonhoeffers Gang zum Galgen. Maria von Wedemeyer erreicht ihr Heimatgut Pätzig, wirft einen erschrockenen Blick zurück.
 


Didaktische Überlegungen

"Bonhoeffer - die letzte Stufe" hat in den deutschen Kinos und als Fernsehausstrahlung vermutlich ein eher älteres Publikum angelockt als die intendierte Zielgruppe der Jugendlichen. Für die Sek II steht das Thema: " Bonhoeffer - Widerstand und Ergebung" in den Rahmenrichtlinien.

Als Spielfilm und damit gestaltete, künstliche Wirklichkeit bietet dieser Film durch die Identifikation mit den Protagonisten eine Folie vielfältiger Projektionen und Phantasien und kann gleichzeitig motivieren, die gestaltete Wirklichkeit und die Personen mit historischem Material anzureichern, sodass die Schülerinnen und Schüler zu einer neuen Konstruktion dieser Wirklichkeit und dieser Personen kommen können.

 

Bausteine für die unterrichtliche Praxis

Baustein I: Methodische Möglichkeiten vor Einsatz des Film

I.1. Assoziationskette, Elfchen, Brainstorming

Dietrich Bonhoeffer als einer der bekanntesten Widerstandskämpfer in Nazideutschland dürfte den Schülerinnen und Schüler. bekannt sein. Es ist sinnvoll, mit dem Vorwissen und den Bildern, die die Schülerinnen und Schüler. über Bonhoeffer mitbringen, zu arbeiten. Dies kann in unterschiedlicher Intensität geschehen: So können die Schülerinnen und Schüler eine Assoziationskette zu Bonhoeffer schreiben, ein ganz einfaches Gedicht bestehend aus 11 Wörtern, ein sogenanntes Elfchen oder auch einfach in einem Brainstorming ihr Wissen und ihre unterschiedlichen Bilder über den Theologen und Widerstandskämpfer zusammentragen. So stehen die Erfahrungen, Gefühle und das Wissen der Schülerinnen und Schüler. am Anfang, ehe sie mit der Konstruktion von Wirklichkeit konfrontiert werden, die der Spielfilm anbietet.

Arbeitsauftrag:
Schreiben sie ein Elfchen, das ist ein Gedicht aus 11 Worten. In der ersten Zeile steht ein Wort, in der zweiten Zeile zwei, usw. in jeder Zeile ein Wort mehr, bis zur 4.Zeile. In der 5. steht wieder nur ein Wort.

 

I.2. Pro - und Contradiskussion

Obwohl Kino das Medium der Jugendlichen ist, haben den Bonhoefferfilm vermutlich nur sehr wenige gesehen. Im Unterricht reagieren viele Schülerinnen und Schüler beim Thema Nationalsozialismus mit Abwehr. Die möglichen negativen Erwartungen bei der Behandlung dieses Films im Unterricht können thematisiert und produktiv umgesetzt werden. Die Unterrichtenden lesen den Covertext des Film vor und lassen die Schülerinnen und Schüler Argumente sammeln, was für Sie dafür spräche, in diesen Film zu gehen, was dagegen.

Alternativ: Der Covertext kann verteilt werden und die Pro- und Contraargumente können in Kleingruppen gesammelt und aufgeschrieben werden.

Arbeitsauftrag:
Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor dem Kino und müssen in der Gruppe entscheiden, ob Sie sich "Bonhoeffer - die letzte Stufe" angucken. Was spricht dafür, was dagegen. Schreiben Sie mindestens sechs Argumente auf, egal wieviel Pro-, wieviel Contraargumente.

Im Anschluss an ein erstes Anschauen des Films und an eine erste Auswertung (s.u.) können die Schülerinnen und Schüler noch einmal vergleichen in wieweit ihre negativen und positiven Erwartungen erfüllt wurden.

 

Baustein II. Erste Auswertung und Wahrnehmung des Films

Wenn möglich sollte der Film in ganzer Länge gezeigt werden. Durch den Inhalt, die unterschiedlichen Identifikationsmöglichkeiten, aber auch durch die Gestaltungsmittel (z.B. Musik, Einsatz von bestimmten Bildern: Sonnenaufgänge) werden wahrscheinlich eine ganze Reihe unterschiedlichster Emotionen bei den Schülerinnen und Schüler wecken: Freude, Sehnsucht, aber auch Trauer, Angst und Wut.

Die methodischen Möglichkeiten nach einem ersten Anschauen sind deshalb so zu wählen, dass den unterschiedlichen subjektiven Eindrücken und Gefühlen, aber auch den frei gesetzten Phantasien Raum bzw. Ausdrucksmöglichkeiten geboten werden.

 

II.1. Elfchen, Vierfragenmethode

Auch an dieser Stelle wäre es möglich, ein Elfchen zu schreiben (wenn diese Methode nicht bereits "verbraucht" ist), es könnte ein Austausch in Kleinstgruppen stattfinden oder auch eine Auswertung nach der 4-Fragenmethode (1).

Mit den vier Fragen:

  • Was habe ich wahrgenommen?
  • Was habe ich gefühlt?
  • Welche Einfälle/Assoziationen sind mir gekommen?
  • Welchen Schluss ziehe ich in Hinblick auf die Mitte, das zentrale Problem, die "Message" des Films? Können die Schülerinnen und Schüler je für sich ihre Eindrücke strukturieren und die Struktur kann beim gemeinsamen Besprechen als Tafelbild wieder aufgenommen werden. Bei dieser Methode ist es wichtig, sich vorher mit den Schülerinnen und Schüler zu verständigen, was Wahrnehmungen, Gefühle, Einfälle, Assoziationen und Interpretationen sein können.

 

II.2.: Kreativer Mal- und Schreibprozess

Eine weitere methodische Möglichkeit wäre, die Schülerinnen und Schüler nach einer Musik des Films frei malen zu lassen. Zu jedem der gemalten Bilder könnten alle Schülerinnen und Schüler eine Assoziation, ein Satz, ein Liedvers o. ä. schreiben und es verdeckt zu dem jeweiligen Bild legen. Der Maler, die Malerin könnte aus diesen Assoziationen der anderen einen eigenen Text schreiben, wobei sie/er entscheidet, welche Assoziationen aufgenommen werden. Diese Methode lässt die Unterschiede im subjektiven Erleben und in den Phantasien, die der Film auslöst, deutlich werden und sie kann die individuelle Auseinandersetzung fördern, indem bewusst mit den Phantasien gearbeitet wird.

Es ist jedoch eine Methode, die sehr viel Zeit erfordert und damit am ehesten für einen Filmtag geeignet ist.

Sinnvoll wäre es, die Schülerinnen und Schüler. ausgehend von ihren ersten Eindrücken - für sie relevante Fragestellungen und Themen selbst bestimmen zu lassen, die sie dann anhand des Films und zusätzlicher Materialien weiter bearbeiten.

1) vgl. H.-M. Gutmann, Beziehungsmuster, in: I. Kirsner/M.Wermke (Hg.) Religion im Kino, Göttingen 2000, S.182f

 

Baustein III: Ausgewählte Filmsequenzen für eine vertiefende Bearbeitung

III.1: Gespräch über Ethik

Dialog zwischen Maria von Wedemeyer (v.W.) und Dietrich Bonhoeffer(B):

v.W.: Was schreiben Sie denn da?

B.: Bloß Notizen, Ideen über Moral und Ethik.

v.W.: Ethik, äh!!

B.: Ja, ich weiß, es klingt nicht besonders spannend.

v.W.: Warum nicht, wenn Sie es schreiben. Darf ich?

B.: Nur zu, wenn Dus entziffern kannst.

v.W.: Schlimmer als die böse Tat ist das böse Sein. - Ist das wahr?

B.: Ich denke schon.

v.W.: Schlimmer ist es, wenn ein Lügner die Wahrheit sagt, als wenn ein Freund der Wahrheit lügt. - Ist das ernst gemeint?

B.: Ja, sicher!

v.W.: Wirklich?

B.: Wirklich!

v.W.: Die Sünde zu vermeiden, kann die größte Schuld sein. - Glauben Sie daran?

B.: Ich habs geschrieben!

v.W.: Ja, aber glauben Sie das im Ernst?

B.: Ich hätts nicht geschrieben, wenn ich nicht dran glaube.

v.W.: So etwas haben Sie uns im Konfirmandenunterricht nie erzählt.

B.: Doch, sicher!

v.W.: Nein, auf keinen Fall!

B.: Wirklich nicht?

v.W.: Nein.

B.: Damals hatten wir auch noch keinen Krieg.

 

III 1.1. Meinungsbild

"Schlimmer als die böse Tat ist das böse Sein." und : "Die Sünde zu vermeiden, kann die größte Schuld sein."

Diese Sätze stehen an der Tafel. Die Schülerinnen und Schüler suchen sich einen dieser Sätze aus und schreiben dazu ihre Meinung an die Tafel. In zwei Teilgruppen zu dem jeweiligen Satz diskutieren die Schülerinnen und Schüler den Tafelanschrieb und formulieren eine begründete Stellungnahme zu dem von ihnen ausgewählten Satz Bonhoeffers.

 

III 1.2. Auf von Wedemeyers Hinweis, dass Bonhoeffer früher solche Sätze nicht gesagt hätte, antwortet Bonhoeffer, dass zu der Zeit noch kein Krieg war.

Bonhoeffers Ethik, wie auch diese Sätze sind aus einer ganz konkreten geschichtlichen Situation heraus entstanden und sprechen in sie hinein.

Arbeitsauftrag:
Beschreiben Sie die historische Situation und die damit verbundenen persönlichen Erfahrungen Bonhoeffers, die hinter diesen Sätzen stehen. Der Film gibt Hinweise darauf in den Szenen, die dem Gespräch von von Wedemeyer und Bonhoeffer vorangehen.

 

III 1.3. Die Schülerinnen und Schüler können mit dem in III 1.2. erarbeiteten Wissen sich noch einmal ihre begründeten Urteile zu den Sätzen Bonhoeffers vornehmen und überlegen, ob sie den Urteilen weiterhin in der Form zustimmen, oder sie verändern wollen.

 

III.2: Gebet für den Zellennachbarn

Insbesondere bei dieser Szene, ist genau abzuwägen, inwieweit die methodischen Möglichkeiten für ein vertiefendes Verstehen hilfreich sind oder eher das Besondere dieser Szene zerstören.

Gebet
Herr, in mir ist es finster, aber bei dir ist Licht
ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht
ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe
ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden

Bei dem Gebet handelt es sich um das Gebet eines Einzelnen zu Gott. Es hat etwas Exklusives und Intimes. Die beschriebenen Gefühle des Betenden werden kontrastiert mit trostvollen Bildern und Substantiven.

Bei einer Auseinandersetzung mit dem Gebet, sollte den Schülerinnen und Schüler zunächst einmal die Möglichkeit eingeräumt werden, ihrem subjektiven Erleben nachzuspüren und es auszudrücken. Gleichzeitig sollte die Methode so gewählt sein, dass sie den Schülerinnen und Schüler Distanzmöglichkeiten einräumt.

 

III.2.1. Ein Gebet in Farben

Krepppapier in allen Farben, Scheren und Tesafilm liegen bereit. Das Gebet hängt als Plakat an der Wand. Die Schülerinnen und Schüler suchen sich bis zu drei Farbe des Krepppapiers aus, schneiden sich entsprechende Streifen des Krepppapiers ab und hängen sie um das Gebet herum.

Anschließend begründen die Schülerinnen und Schüler ihre Farbwahl. Die Begründungen werden vorgelesen, aber nicht kommentiert und diskutiert.

Mögliche Arbeitsanweisung:

  • Lesen Sie sich das Gebet in Ruhe durch. Überlegen Sie dann, welche Farben für Sie am besten zu diesem Gebet passen. Sie können eine, zwei oder drei Farben auswählen, sich dann die entsprechenden Krepppapierstreifen abschneiden und um das Gebet herum ankleben.
  • Ergänzen Sie folgenden Satz: Ich habe für das Gebet die Farbe..... gewählt, weil......
  • Alternativ: Die Schülerinnen und Schüler malen sich die Handflächen farbig und machen damit einen Abdruck auf das Plakat neben das Gebet. Diese Methode würde die in der Filmszene betonte Handsymbolik wieder aufnehmen.

 

III.2.2. Auseinandersetzung mit dem Text

Alle Schülerinnen und Schüler bekommen den Gebetstext mit dem Arbeitsauftrag:

  • Beschreiben Sie, was Sie über den Betenden erfahren.
  • Beschreiben Sie, welche Vorstellungen von Gott in diesem Gebet zum Ausdruck kommen.
  • Finden Sie das Gebet in der Situation angemessen?
  • Hätten Sie andere Formulierungen besser gefunden? Welche?

 

III.2.3. Wahrnehmen der formalen Gestaltungsmittel

Filme sind ein Medium der Jugendlichen. Ein Wahrnehmen der formalen Gestaltungsmittel kann für ein vertiefendes inhaltliches Verstehen hilfreich sein.( Anm. 2. Eine kompremierte Einführung in die filmsprachlichen Mittel bieten: Georg Wippler, Einführung in die Analyse eines Kurzfilms, in: Religionsunterricht und Film, Arbeitshilfen Medien 3, Michael Künne Hg., Loccum 1994, S.19 - 32; Reinhard Kleber, Wie funktioniert ein Film. Zu den Grundlagen der Filmgestaltung, in: medienpraktisch, 4/89, S.4 - 8)

Bei dieser Szene wäre es sinnvoll auf folgende formale Gestaltungsmittel zu achten:

  • Wie ist die Kameraführung?
  • Wo werden die Schnitte gemacht?
  • Wie sind die Einstellungsgrößen?
  • Welche Musik wird an welchen Stellen gespielt?
  • Welche Bilder werden eingesetzt?
  • Welche Funktion haben die jeweiligen Gestaltungsmittel?
  • Wie sind sie mit dem inhaltlichen Geschehen in Beziehung zu setzen?

 

III.2.4. Die Perspektive von Wachmann Knobloch

Eine weitere Möglichkeit der vertiefenden Filmanalyse ist die Auseinandersetzung mit den Protagonisten des Film. Hier sind natürlich in erster Linie Bonhoeffer und von Wedemeyer zu nennen (siehe Textsammlung). Aber auch Knobloch bietet sich für eine Analyse an. Er ist diejenige Person, die die offensichtlichste Entwicklung durchmacht: Vom eifrig diensttuenden Wachmann ( stößt Bonhoeffer nach der Verhaftung ziemlich unsanft in die Zelle), zum Sympathisanten und schließlich Kurier und Fluchthelfer Bonhoeffers.

Arbeitsauftrag:
- Wachmann Knobloch hat Bonhoeffer während des Gebets für seinen Zellennachbarn beobachtet. Als er den Deckel - ber das Guckloch fallen lässt, guckt er ziemlich nachdenklich.
- Schreiben Sie brainstormmäßig auf, was in ihm vorgeht.
Alternative:
- Stellen Sie sich vor, Wachmann Knobloch geht nach seiner Nachtschicht nach Hause und frühstückt mit seiner Frau. Er erzählt ihr, was er bei der Arbeit erlebt hat. Schreiben Sie das Gespräch auf.

 

III.3: Das Aufgeben des Fluchtplans

Maria von Wedemeyer ist im Film die treibenden Kraft zur Durchsetzung des Fluchtplans. Doch Bonhoeffer entscheidet sich gegen eine Flucht. Im Gespräch bei einer Sprecherlaubnis werden die unterschiedlichen Argumente der beiden deutlich. In Maria von Wedemeyer findet die Seite des Protestes ihren Ausdruck, aber auch die Verzweiflung angesichts der aussichtslosen Situation, Bonhoeffer vertritt eher die Seite der Vernunft, die gegen eine Flucht spricht.

 

III.3.1: Erneutes Anschauen der Szene mit Beobachtungsaufgaben

Es bietet sich an, vor dem Anschauen der Szene Beobachtungsaufgaben zu stellen:

  • Welche Personen kommen in der Szene vor?
  • Wie sind die Positionen dieser Personen zueinander?
  • Wie sind die Positionen und Körperhaltungen von Wedemeyer und Bonhoeffer? - auch im Vergleich zu ihren Positionen bei den vorangegangenen Sprecherlaubnissen.
  • Wie sind die Argumente von von Wedemeyer, wie die von Bonhoeffer?

 

III.3.2.: Stummes Schreibgespräch:

Schreiben Sie eine Fortsetzung dieses Gesprächs von Bonhoeffer und Maria von Wedemeyer als stummes Schreibgespräch mit Ihrem Banknachbarn oder Ihrer Banknachbarin:

Maria von Wedemeyer
Dietrich Bonhoeffer....
Maria von Wedemeyer....
usw....

 

III 4: Schlussszene

Dem Schluss eines Films wird immer eine ganz besondere Bedeutung beigemessen.

Auch der Inhalt dieser Szene kann über eine genauere Wahrnehmung der formalen Gestaltungsmittel tiefer erschlossen werden.

Mögliche Arbeitsanweisung:
- Wie ist die Kameraführung, Perspektive, Schnitte, Einstellungsgrößen?
-  Wie sind die formalen Gestaltungsmittel in Beziehung zu setzen zu dem inhaltlichen Geschehen?
- Welche Schlüsse ziehen Sie in Bezug auf die Botschaft der Szene, in welcher Beziehung steht die Schlussszene zum Inhalt des ganzen Films.

 

Textsammlung zum biographischen Spielfilm: Dietrich Bonhoeffer - Die letzte Stufe

Anhand des Films lassen sich eine Reihe von Themen und Fragestellungen entdecken, die zur selbsttätigen Weiterarbeit anregen können.

Zu drei Themenkomplexen (3. Anm.: Weitere mögliche Themen wären u.a.: Die innerkirchliche Auseinandersetzung in Nazideutschland. Bonhoeffer und die Ökumene. Der deutsche Widerstand.) habe ich Textsammlungen mit möglichen Arbeitsaufträgen formuliert. .

  1. Die Beziehung zwischen Dietrich Bonhoeffer und Maria von Wedemeyer in Tagebuchauszügen und Briefen
  2. Die Theologie Dietrich Bonhoeffers während der Haftzeit
  3. Bonhoeffers Gedanken zu Tod und Sterben

 

1.  Die Beziehung zwischen Dietrich Bonhoeffer und Maria von Wedemeyer

Die Anfänge der Beziehung bis zum Zeitpunkt der Verlobung

Dietrich Bonhoeffer pflegte einen intensiven Kontakt zur Großmutter von Maria von Wedemeyer: Ruth von Kleist-Retzow. Sie unterstützte das Predigerseminar Finkenwalde und war an theologischen Gesprächen interessiert. Bonhoeffer war häufig bei ihr zu Gast; den Bruder von Maria von Wedemeyer hatte er konfirmiert. Im Juni 1942 war Maria von Wedemeyer für eine Woche bei der Großmutter in Klein-Krössin zu Gast. Dort ergaben sich intensive Gespräche mit Bonhoeffer, der - ebenfalls bei Ruth von Kleist-Retzow zu Besuch - an seiner "Ethik" arbeitete. Am 22. August fiel Marias Vater vor Stalingrad. Als sich die Großmutter in Berlin einer Augenoperation unterziehen musste, wünschte sie sich Marias Nähe. Da Dietrich die Kranke häufiger besuchte, kam es zu weiteren Begegnungen zwischen den beiden. Maria von Wedemeyer erinnerte sich später:

" Ich wunderte mich über die vielen Besuche, und ich war beeindruckt von Dietrichs Treue. In dieser Zeit haben wir oft und lange miteinander gesprochen. Es war ein anderes Wiedersehen als im Juni. Ich stand noch stark unter der Erfahrung des Todes meines Vaters und brauchte Dietrichs Hilfe." Sie erinnerte sich später auch daran, einmal von ihm in ein kleines Restaurant nahe der Klinik, das Hitlers Bruder gehörte, eingeladen worden zu sein. Es gäbe keinen sichereren Ort, um offen miteinander zu reden, habe er gesagt. (Brautbriefe 272f)

Es gab noch einige eher zufällige Treffen mit Dietrich, die Maria in ihrem Tagebuch erwähnte. Am 26. Oktober fiel in Rußland Marias geliebter Bruder Max. Die Großmutter, die etwas von der sich anbahnenden Beziehung zwischen Dietrich Bonhoeffer und Maria spürte, lud Dietrich zur Trauerfeier ein, die Mutter jedoch war genau aus diesem Grund gegen ein Kommen von Dietrich Bonhoeffer und bat ihn in einem Schreiben, nicht zu kommen. Daraufhin schrieb auch Maria an Bonhoeffer, um die Sache zu klären. Bonhoeffer schrieb ihr daraufhin einen Brief, indem er von seiner Hoffnung sprach, dass sie "recht bald wieder zusammengeführt werden". Das war sozusagen der Verlobungsantrag. Frau von Wedemeyer hielt ihre Tochter jedoch für zu jung (sie ist 18 Jahre, am 23.4.24 geb.) und Dietrich Bonhoeffer für zu gefährdet. Außerdem war ihr der Altersunterschied zu groß (Dietrich Bonhoeffer war 36 Jahre alt). Bei einem im November 1942 auf Wunsch von Marias Mutter zustande gekommenen Gespräch ging Bonhoeffer auf eine einjährige Wartezeit ein, die mit einer "Kontaktsperre" verbunden sein sollte. Anfang Januar teilte Maria ihrer Mutter ihren Entschluss mit, Dietrich zu heiraten. Die Mutter bestand weiter auf der vereinbarten Wartezeit. Maria teilte Bonhoeffer ihr "Ja" am 13. Januar mit. Das Datum dieses Briefes galt für beide als Verlobungstag. Es gingen dann doch noch ein paar Briefe hin und her und Maria schrieb täglich Briefe an Bonhoeffer in ihr Tagebuch:

 

1.2. Tagebuchauszug vom 3.Februar 1943

"Wenn Du mich hier so sehen würdest. Ich glaube, Du würdest mich manchmal gar nicht mögen. - Wenn ich so wild reite und mich mit Stallknechten auf Platt unterhalte. - Manchmal schrecke ich dann zusammen und denke, dass Du traurig wärest, mich so zu sehen. - Wenn ich Grammophon spiele, dazu auf einem Bein durch die Stube hüpfe und auf das andere einen Strumpf mit einem riesengroßen Loch ziehe, dann falle ich vor Schreck aufs Bett, wenn ich denke, Du könntest mich so sehen. Ich mache noch viel schlimmere Sachen. Ich rauche Zigarre, weil ich solch Ding noch nie geraucht habe und doch wissen muss, wie das ist, und dann ist mir so sauhundeschlecht, dass ich weder zum Mittag noch zum Abendbrot etwas essen kann. - Oder ich stehe in der Nacht auf, ziehe ein langes Kleid an, tanze wie wild im Saal - gehe mit Harro spazieren und schlafe dafür am ganzen Vormittag durch-....das Rote Kreuz wird sicher meiner Erziehung noch etwas aufhelfen und dir die Arbeit abnehmen...." (Brautbriefe 281)

 

1.3. Information

Maria ruft ihn einmal an, als sie ihn in Gefahr glaubt und weint ins Telefon, woraufhin er sie beruhigt, sich aber gleichzeitig sehr über diesen Anruf freut. Daraufhin gibt es dann doch noch einen Briefkontakt. Am 5. April wird Dietrich verhaftet. In den ersten Zeit darf er lediglich seinen Eltern alle 14 Tage schreiben, später auch direkt an Maria von Wedemeyer.

 

1.4. Brief von Maria von Wedemeyer an Dietrich Bonhoeffer vom 15.8.43

Am Anfang der Haftzeit wird immer wieder das gemeinsame zukünftige Zusammenleben und auch die Hochzeit thematisiert:

"...Am Sonnabend den 21. fahre ich nun - hurra - endgültig nach Hause. Es gibt dort so viel zu tun und besonders Mutter zu helfen. Außerdem muss ich meiner Aussteuer mal wieder weiterhelfen. Weißt du, so heimlich ist das doch unerhört schwer. - Mir hat Tante Anne Klitzing - die Schwester meines Vaters - einen wunderbaren Brautkleidstoff geschenkt....Hoffentlich kann ich es nur recht bald gebrauchen.—Ich habe einen neuen Hund. Ein sehr niedliches 6 Wochen altes weißes Wollknäul.... Du sollst ja auch nur schnell wissen, dass Du mir recht, recht bald schreiben sollst, dass ich schreckliche Sehnsucht danach habe

und dass ich jeden Tag wieder neu an ein Wunder glaube, das uns beide ganz plötzlich zusammenführt. So doll wie ich mich darauf freue, kannst Du Dich gar nicht freuen. Aber wenn Du es halb so sehr tust, bin ich schon überglücklich. Ja, schreib mir bald.

In sehnsüchtiger Liebe Deine Maria"

 

1.5. Brief von Dietrich Bonhoeffer an Maria von Wedemeyer vom 20. August 43 (Tegel)

"....Du musst schon wissen, wie mir wirklich zumute ist und mich nicht für einen geborenen Säulenheiligen halten. Ich kann mir übrigens auch nicht vorstellen, dass Du Dich mit einem solchen verheiraten möchtest - und ich würde es nach meinen kirchengeschichtlichen Kenntnissen auch nicht empfehlen. Also, damit Du Dir ein Bild machst: ich sitze bei 30° mit aufgekrempelten Hemdsärmeln und offenem Kragen nach eben zum Abendbrot genossener heißer Mehlsuppe am Schreibtisch und denke sehnsüchtig an Dich, möchte mit Dir durch den Wald und ans Wasser fahren, möchte schwimmen und dann mit Dir irgendwo im Schatten liegen und von Dir hören, vieles hören und selbst nichts erzählen. Es sind also, wie Du siehst, sehr irdische und greifbare Wünsche, die ich habe, und es ist dementsprechend ein sehr irdischer und lebhafter Widerwille gegen meinen derzeitigen Zustand, dem ich eine Zeitlang durchaus sein Recht einräume. Die Sonne hat es mir von jeher angetan....."

(Brautbriefe 42)

 

1.6. An Eberhard Bethge schreibt Bonhoeffer am 15. Dez. 1943:

"..Nun sind wir fast ein Jahr verlobt und haben uns noch nie eine Stunde allein gesehen! Ist das nicht ein Wahnsinn... Wir müssen uns über Dinge unterhalten und schreiben, die uns beiden im Grunde nicht die wichtigsten sind, wir sitzen alle Monate eine Stunde brav wie auf der Schulbank nebeneinander und werden wieder auseinandergerissen; wir wissen so gut wie nichts von einander, haben nichts miteinander erlebt, denn auch diese Monate erleben wir ja getrennt.

Maria von Wedemeyer hält mich für einen Ausbund an Tugend, Musterhaftigkeit und Christlichkeit, und ich muss, um ihr Beruhigung zu verschaffen, Briefe schreiben wie ein alter Märtyrer, und ihr Bild von mir wird dadurch immer falscher. Ist das nicht für sie eine unmögliche Situation? Dabei hält sie mit einer so großartigen Selbstverständlichkeit durch."

(zitiert nach: Eberhardt Bethge: Bonhoeffer, 1O1)

 

1.7. Brief an Maria von Wedemeyer Anfang Juni 1944(geschmuggelter Brief)

Vergangenheit
Du gingst, geliebtes Glück und schwer geliebter Schmerz,
wie nenn` ich Dich? Not, Leben, Seligkeit.
Teil meiner selbst, mein Herz, - Vergangenheit?
Es fiel die Tür ins Schloss,
ich höre langsam Schritte sich entfernen und verhallen. Was bleibt mir? Freude? Qual? Verlangen?
Ich weiß nur dies: du gingst - und alles ist vergangen.
Über deiner Nähe erwach ich mitten in tiefer Nacht
und erschrecke -
bist du mir wieder verloren? Such` ich dich ewig
vergeblich,
dich, meine Vergangenheit, meine?
Ich strecke die Hände aus
und bete –
und ich erfahre das Neue:
Vergangenes kehrt dir zurück
als deines Lebens lebendigstes Stück
durch Dank und durch Reue.
Fass` im Vergangenen Gottes Vergebung und Güte
bete, dass Gott dich heute und morgen behüte.
"Meine liebste Maria!

Dies ist für Dich, nur für Dich. Ich zögerte, es zu schicken, weil ich fürchtete, es könnte Dich erschrecken. Das darf es nicht und kann es wohl auch nicht, wenn du spürst, was dahinter steht. Die letzten 6 Zeilen sind die Hauptsache, um ihretwillen entstand das Ganze; an sie halte ich mich und Du auch!....Mehr kann ich heute nicht sagen. ...Wenn es Dir nicht gefällt, zerreiß es, wirf es weg. Aber verbergen wollte ich es Dir nicht.

Dein Dietrich"
(Brautbriefe 192-195)

 

1.8. Brief an Maria von Wedemeyer vom 27.6.44

In diesem Brief antwortet Bonhoeffer auf einen Brief von Maria von Wedemeyer, in dem sie um eine Zeit des Alleinseins bittet. Dieser Brief ist nicht mehr erhalten, aber sein Inhalt geht aus der Antwort Bonhoeffers hervor.

Maria von Wedemeyer war wohl in eine Krise geraten. Verwandte beobachteten, wie verzweifelt sie war, wenn sie von Sprecherlaubnissen zurückkehrte. Sie sah die reale Chance für eine gemeinsame Zukunft mit schwinden.

"Meine innigstgeliebte, gute Maria!

Hab Dank für Deinen Brief! Er hat mich nicht traurig gemacht, gar nicht, sondern froh, unendlich froh, weil ich weiß, dass wir so nicht zueinander sprechen würden, wenn wir uns nicht sehr lieb hätten, viel lieber als wir es beide heute noch wissen..... Du glaubtest am Pfingstmontag, " nicht mehr weiter zu können". Ja, sag mir, kannst Du denn ohne mich weiter? Und wenn Du meinst es zu können, kannst Du es immer noch, wenn Du weißt, dass ich ohne Dich nicht weiter kann? Quäle Dich nicht, liebste Maria. Ich weiß, wie Dir zumute ist und es kann alles gar nicht anders sein. .....Und nun willst Du also eine Zeitlang nicht reisen. Liebste Maria, wenn es Dich zu sehr anstrengt, ist es ganz selbstverständlich, dass das so richtig ist. Aber sieh mal, gibt es für uns eigentlich jetzt etwas Wichtigeres in unserem Leben als dass wir uns sehen und immer wieder sehen? Legen wir nicht vielleicht etwas gewaltsam zwischen uns, wenn wir freiwillig darauf verzichten? .......

Lass mich ganz offen sein. Wir wissen nicht, wie oft wir uns in unserem Leben überhaupt noch sehen; so sind nun einmal die Zeiten. Es ist mir ein sehr belastender Gedanke, dass wir uns später einmal Selbstvorwürfe machen müssten über etwas, was nicht mehr gut zu machen ist...... Du wirst nicht denken, dass ich das alles aus nacktem Egoismus heraus schreibe; es fällt mir im Gegenteil sehr schwer, Dir das zu schreiben.....Wie gern würde ich auf die Freuden, die so ein Besuch in meine Einsamkeit bringt, verzichten. Aber ich habe das starke Gefühl, dass ich das um unser beider, um unserer künftigen Ehe willen nicht darf. Ich muss dieses Opfer von Dir annehmen, - und kann sie Dir durch nichts vergelten- , um unserer Liebe zueinander willen. Dass Du nicht kommen darfst, wenn Du krank bist, wenn es dich körperlich überanstrengt, das ist ja so ganz klar! Aber die seelischen Schwierigkeiten müssen wir gemeinsam überwinden! Die Fürsorglichkeit Deines Vetters ist gewiss sehr gut gemeint. Aber es wäre noch fürsorglicher, wenn er Deine Arbeit im Hause so gestaltete, dass sie Dein eigentliches Lebensziel, das doch in unserer Ehe bestehen soll, nicht behinderte........

Ich will gewiss nicht bemitleidet sein, so wenig wie Du es willst, aber ich will, dass Du mit mir wartest und geduldig bist, je länger es dauert, desto mehr. - Und nun sei nicht traurig. Sag mir, was Du denkst und handle, wie Du musst. Sei aber immer gewiss, dass Dich sehr lieb hat und lieb behält Dein Dietrich" (Brautbriefe 199)

 

1.9. Brief von Maria von Wedemeyer an ihre Cousine Hedwig von Truchseß

Maria von Wedemeyer erfüllt einen lang gehegten Wunsch von Dietrich Bonhoeffer und geht von Bundorf nach Berlin ins Elternhaus von Dietrich Bonhoeffer. In einem Brief an ihre Cousine Hedwig von Truchseß begründete sie ihren Entschluss:

...."Aber Du weißt ja genau, dass ich meine Verlobung jetzt nicht auflösen will und kann. Es muss aber etwas geschehen. Sieh, ich habe versucht ihn um eine Zeit des Alleinseins zu bitten, das ist mir nicht gelungen. Weißt Du, wenn man an einem so langen Brief fast einen Monat lang schreibt, dann kann er gar nicht so sein, dass man ihn nicht ernst nimmt oder nicht spürt, wie wichtig er ist. - Sieh, und wenn nun Dietrich meine Bitte nicht erfüllt, so kann ich weder hinterherquengeln noch ihm irgendeine höchst egoistische Ansicht von mir gewaltsam aufoktroyieren. Jetzt in dieser Lage noch weniger als sonst. - Weil es aber mit dem ständigen nach Berlin reisen auch einfach nicht mehr weiter geht, gehe ich nun ganz in seine Nähe."( Brautbriefe 204)

 

1.10. Dietrich Bonhoeffer an Maria von Wedemeyer Weihnachten 19. 12.1944:

"Ich bin so froh, dass ich Dir zu Weihnachten schreiben kann und durch Dich auch die Eltern und Geschwister grüßen und Euch danken kann. Es werden sehr stille Tage in unsern Häusern sein. Aber ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, je stiller es um mich herum geworden ist, desto deutlicher habe ich die Verbindung mit Euch gespürt. Es ist, als ob die Seele in der Einsamkeit Organe ausbildet, die wir im Alltag kaum kennen. So habe ich mich noch keinen Augenblick allein und verlassen gefühlt. Du, die Eltern, Ihr alle, die Freunde und Schüler im Feld, Ihr seid mir immer ganz gegenwärtig. Eure Gebete und guten Gedanken, Bibelworte, längst vergangene Gespräche, Musikstücke, Bücher bekommen Leben und Wirklichkeit wie nie zuvor. Es ist ein großes unsichtbares Reich, in dem man lebt und an dessen Realität man keinen Zweifel hat. Wenn es im alten Kinderlied von den Engeln heißt: " zweie die mich decken, zweie die mich wecken," so ist diese Bewahrung am Abend und am Morgen durch gute unsichtbare Mächte etwas, was wir Erwachsenen heute nicht weniger brauchen als die Kinder. Du darfst also nicht denken, ich sei unglücklich. Was heißt denn glücklich und unglücklich? Es hängt ja so wenig von den Umständen ab, sondern eigentlich nur von dem, was im Menschen vorgeht. Ich bin jeden Tag froh, dass ich Dich, Euch habe und das macht mich glücklich froh......Es sind nun fast 2 Jahre, dass wir aufeinander warten, liebste Maria. Werde nicht mutlos! Ich bin froh, dass Du bei den Eltern bist. Grüße Deine Mutter und das ganze Haus sehr von mir. Hier noch ein paar Verse, die mir in den letzten Abenden einfielen. Sie sind der Weihnachtsgruß für Dich und die Eltern und Geschwister.
Von guten Mächten treu und still umgeben
Sei mit Eltern und Geschwistern in großer Liebe und Dankbarkeit gegrüßt.
Es umarmt Dich
Dein Dietrich
 

Mögliche Arbeitsaufträge:
Was erfährt man in diesen Texten über Dietrich Bonhoeffer, was über Maria von Wedemeyer, welche Aspekte werden im Film aufgegriffen.
Welche Entwicklung in der Beziehung wird deutlich, welche Entwicklung der Beziehung gibt der Film wider.
Gibt es Beziehungsaspekte, die der Film Ihrer Meinung nach hätte aufgreifen sollen.

 

2. Die Theologie Dietrich Bonhoeffers während der Haftzeit

Dietrich Bonhoeffers theologisches Nachdenken sind als Deutungsversuche zu verstehen aus seinem jeweiligen biographischen Kontext heraus.

 

2.1 Was heißt "die Wahrheit sagen?"

Brief an Eberhardt Bethge am 15.12. 43

"Ich schreibe wieder an dem Aufsatz über: "Was heißt die Wahrheit sagen?" Die Bedeutung des Vertrauens, der Treue, des Geheimnisses wird gegenüber dem "zynischen" Wahrheitsbegriff, für den alle diese Bindungen nicht existieren, stark herausgearbeitet. "Lüge" ist die Zerstörung und die Feindschaft gegen das Wirkliche, wie es in Gott ist, wer zynisch die Wahrheit sagt, lügt..."

(Widerstand und Ergebung,91)

 

2.2. Gebet für Mitgefangene

In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht
ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht
ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe
ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden
in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist die Geduld
ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den rechten Weg für mich.
(Dietrich Bonhoeffer Werke Bd. 8, 204f)

 

2.3. Die Mündigkeit der Menschen führt zur wahren Selbsterkenntnis vor Gott

".... Und wir können nicht redlich sein, ohne zu erkennen, dass wir in der Welt leben müssen - etsi deus non daretur. Und eben dies erkennen wir - vor Gott! Gott selbst zwingt uns zu dieser Erkenntnis. So führt uns unser Mündigwerden zu einer wahrhaftigen Erkenntnis unserer Lage vor Gott. Gott gibt uns zu wissen, dass wir leben müssen als solche, die mit dem Leben ohne Gott fertig werden. Der Gott, der uns in der Welt leben lässt ohne die Arbeitshypothese Gott, ist der Gott, vor dem wir dauernd stehen. Vor und mit Gott leben wir ohne Gott..."

(Denker des Glaubens 142) ......, die mit dem Leben ohne Gott fertig werden. Der Gott, der mit uns ist, ist der Gott, der uns verlässt. (Markus 15, 34: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?") Der Gott, der uns in der Welt leben lässt ohne die Arbeitshypothese Gott, ist der Gott, vor dem wir dauernd stehen. Vor und mit Gott leben wir ohne Gott. Gott lässt sich aus der Welt herausdrängen ans Kreuz, Gott ist ohnmächtig und schwach in der Welt und gerade und nur so ist er bei uns und hilft uns. Es ist Matthäus 8,17 ("Auf dass erfüllet würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht: Er hat unsere Schwachheiten auf sich genommen und unsere Seuchen hat er getragen") ganz deutlich, dass Christus nicht hilft kraft seiner Allmacht, sondern kraft seiner Schwachheit, seines Leidens! Hier liegt der entscheidende Unterschied zu allen Religionen. Die Religiosität des Menschen weist ihn in seiner Not an die Macht Gottes in der Welt, Gott ist der Deus ex machina. Die Bibel weist den Menschen an die Ohnmacht und das Leiden Gottes; nur der leidende Gott kann helfen. Insofern kann man sagen, dass die beschriebene Entwicklung zur Mündigkeit der Welt, durch die mit einer falschen Gottesvorstellung aufgeräumt wird, den Blick frei macht für den Gott der Bibel, der durch seine Ohnmacht in der Welt Macht und Raum gewinnt. Hier wird wohl die "weltliche Interpretation" einzusetzen haben." (Widerstand und Ergebung 177f)

 

2.4. Vorausschau über eine veränderte Gestalt der Kirche

Gedanken zum Tauftag von Dietrich W. R. Bethge 18.5. 44

"....Bis Du groß bist, wird sich die Gestalt der Kirche sehr verändert haben. Die Umschmelzung ist noch nicht zu Ende, und jeder Versuch, ihr vorzeitig zu neuer organisatorischer Machtentfaltung zu verhelfen, wird nur eine Verzögerung ihrer Umkehr und Läuterung sein. Es ist nicht unsere Sache, den Tag vorauszusagen - aber der Tag wird kommen - , an dem wieder Menschen berufen werden, das Wort Gottes so auszusprechen, dass sich die Welt darunter verändert und erneuert. Es wird eine neue Sprache sein, vielleicht ganz unreligiös, aber befreiend und erlösend, wie die Sprache Jesu, dass sich die Menschen über sie entsetzen und doch von ihrer Gewalt überwunden werden, die Sprache einer neuen Gerechtigkeit und Wahrheit, die Sprache, die den Frieden Gottes mit den Menschen und das Nahen seines Reiches verkündigt...."

(Widerstand und Ergebung 153)

 

2.5. Lebensrückblick Dietrich Bonhoeffers

Nach dem gescheiterten Putsch des 20. Juli 1944 schreibt Dietrich Bonhoeffer eine Art Lebensrückblick an Eberhardt Bethge:

"Ich habe in den letzten Jahren mehr und mehr die tiefe Diesseitigkeit des Christentums kennen und verstehen gelernt; nicht ein homo religiosus, sondern ein Mensch schlechthin ist der Christ, der wie Jesus - im Unterschied wohl zu Johannes dem Täufer - Mensch war. Nicht die platte und banale Diesseitigkeit der Aufgeklärten, der Betriebsamen, der Bequemen oder der lasziven, sondern die tiefe Diesseitgkeit, die voller Zucht ist und in der die Erkenntnis des Todes und der Auferstehung immer gegenwärtig ist, meine ich. Ich glaube, dass Luther in dieser Diesseitigkeit gelebt hat. Ich erinnere mich eines Gesprächs, das ich vor 13 Jahren in Amerika mit einem französichen jungen Pfarrer hatte. Wir hatten uns ganz einfach die Frage gestellt, was wir mit unserem Leben eigentlich wollten. Da sagte er: ich möchte ein Heiliger werden - und ich halte für möglich, dass er es geworden ist - ; das beeindruckte mich damals sehr. Trotzdem wiedersprach ich ihm und sagte ungefähr: ich möchte glauben lernen. Lange Zeit habe ich die Tiefe dieses Gegensatzes nicht verstanden. Ich dachte, ich könnte glauben lernen, indem ich selbst so etwas wie ein heiliges Leben zu führen versuchte. Als das Ende dieses Weges schrieb ich wohl die "Nachfolge". Heute sehe ich die Gefahren dieses Buches, zu dem ich allerdings nach wie vor stehe, deutlich. Später erfuhr ich und erfahre es bis zur Stunde, dass man erst in der völligen Diesseitigkeit des Lebens glauben lernt. Wenn man völlig darauf verzichtet hat, aus sich selbst etwas zu machen - sei es einen Heiligen oder einen bekehrten Sünder oder einen Kirchenmann ( eine sogenannte priesterliche Gestalt!), einen Gerechten oder einen Ungerechten, einen Kranken oder einen Gesunden - und dies nenne ich Diesseitigkeit, nämlich in der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Misserfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten leben, - dann wirft man sich Gott ganz in die Arme, dann nimmt man nicht mehr die eigenen Leiden, sondern die Leiden Gottes in der Welternst, dann wacht man mit Christus in Gethsemane, und ich denke, das ist Glaube, das ist metanoia, und so wird man ein Mensch, ein Christ. Wie sollte man bei Erfolgen übermütig oder an Misserfolgen irre werden, wenn man im diesseitigen Leben Gottes Leiden mitleidet? ....Ich bin dankbar, dass ich das habe erkennen dürfen, und ich weiß, dass ich es nur auf dem Wege habe erkennen können, den ich nun einmal gegangen bin. Darum denke ich dankbar und friedlich an Vergangenes und Gegenwärtiges."

(Widerstand und Ergebung, 183f)

 

2.6. Kirche muss Kirche für andere sein

Aus dem Entwurf einer Arbeit, die Bonhoeffer am 3.8.44 an Eberhardt Bethge geschickt hat:

"Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist. Um einen Anfang zu machen, muss sie alles Eigentum den Notleidenden schenken. Die Pfarrer müssen ausschließlich von den freiwilligen Gaben der Gemeinden leben, evtl. einen weltlichen Beruf ausüben. Sie muss an den weltlichen Aufgaben des menschlichen Gemeinschaftslebens teilnehmen, nicht herrschend, sondern helfend und dienend.

(Widerstand und Ergebung, 193)

 

2.7. Dietrich Bonhoeffers (Ulrich Tukurs) Ansprache in der zerstörten Kirche am Ende des Films: Die letzte Stufe

Mich bewegt unablässig die Frage, was Christus uns für die Zukunft zu sagen hat. Wir brauchen ein erneuertes Christentum, denn unsere Welt ist mündig geworden. In einer modernen Welt muss Religion vor allem ein Ziel haben. Wir müssen unsere Not und unser Leid teilen und damit auch das Leiden Gottes in einer gottlosen Welt. Wir brauchen vielmehr als eine Religion der frommen Worte, wir brauchen Glauben und in seinem Zentrum Jesus Christus. Wahres Christentum heißt, teile des anderen Schmerz. Wir können den Tag nicht voraussagen, an dem berufene Menschen das Wort Gottes wieder so aussprechen, dass sich die Welt darunter verändert und erneuert. Aber wenn dieser Tag kommt, wird es eine neue Sprache sein. Vielleicht ganz unreligiös, aber befreiend und wirklich erlösend. So wie die Sprache Jesu. Sie wird die Menschen entsetzen, entsetzen durch ihre Gewalt. Diese Sprache einer neuen Wahrheit verkündigt den Frieden Gottes mit dem Menschen.

Mögliche Arbeitsaufträge:
Vergleichen Sie die Ansprache Bonhoeffers im Spielfilm mit den abgedruckten Textpassagen von ihm. Welche Gedanken finden sich in der Ansprache wieder, welche vermissen Sie.
Bonhoeffer schreibt, dass wir vor Gott leben müssen als ob es ihn nicht gäbe, er hat aber auch gebetet. Im Film spricht er ein Gebet mit seinem Zellennachbarn, rezitiert "Wer bin ich?" und betet vor der Hinrichtung.
Passt dies für Sie zusammen oder widerspricht Bonhoeffer nicht eigentlich mit seiner Frömmigkeitspraxis seiner oben genannten These. Begründen Sie Ihre Position.

 

3. Bonhoeffers Gedanken zu Tod und Sterben

3.1. Gedicht für Eberhardt Bethge am 21.7.44 zum Geburtstag

Tod
Komm nun, höchstes Fest auf dem Wege zur ewigen Freiheit,
Tod , leg nieder beschwerliche Ketten und Mauern
unsres vergänglichen Leibes und unsrer verblendeten Seele,
dass wir endlich erblicken,
was hier uns zu sehen missgönnt ist.
Freiheit, dich suchten wir lange in Zucht und in Tat und in Leiden.
Sterbend erkennen wir nun im Angesicht Gottes dich selbst.
(Widerstand und Ergebung, 185)

 

3.2. Brief an Eberhardt Bethge am 28.7.44

"...Noch etwas ganz anderes: nicht nur die Tat, sondern auch das Leiden ist ein Weg zur Freiheit. Die Befreiung liegt im Leiden darin, dass man eine Sache ganz aus den eigenen Händen geben und in die Hände Gottes legen darf. In diesem Sinne ist der Tod die Krönung der menschlichen Freiheit. Ob die menschliche Tat eine Sache des Glaubens ist oder nicht, entscheidet sich darin, ob der Mensch sein Leiden als eine Fortsetzung seiner Tat, als eine Vollendung der Freiheit versteht oder nicht. Das finde ich sehr wichtig und sehr tröstlich..."

(Widerstand und Ergebung, 187f)

 

3.3. Brief vom 21.8.44 an Eberhardt Bethge

"...Gewißssist, dass wir immer in der Nähe und unter der Gegenwart Gottes leben dürfen und dass dieses Leben für uns ein ganz neues Leben ist; dass es für uns nichts Unmögliches mehr gibt, weil es für Gott nichts Unmögliches gibt, dass keine irdische Macht uns anrühren kann ohne Gottes Willen, und dass Gefahr und Not uns nur näher zu Gott treiben; gewiss ist, dass wir nichts zu beanspruchen haben und doch alles erbitten dürfen, gewiss ist im Leiden unsere Freude, im Sterben unser Leben verborgen; gewiss ist, dass wir in dem allem in einer Gemeinschaft stehen, die uns trägt...."
(Widerstand und Ergebung, 196)

 

3.4. "Ich werden nicht älter als 37 Jahre werden", hat Dietrich Bonhoeffer einmal einem Studenten gegenüber geäußert." (Brautbriefe VII)

Dietrich Bonhoeffer wird umgebracht als er 39 Jahre alt ist. (4.2.1906 geb.)

Die letzten Wochen

"Am 7. Februar nachmittags schafft man Bonhoeffer mit unbekanntem Ziel aus Berlin fort.

Erst beim nächsten Pakettag, am 14. Febr. Entdecken Maria von Wedemeyer und die Eltern, dass es keinen Abnehmer mehr in der Prinz-Albrecht-Straße gab." (Dietrich Bonhoeffer, Eine Biographie 1O24)

"Am Mittag des 7. Februar wurden 2O Häftlinge zum Abtransport aufgerufen. An einem Gefängniswagen, der höchstens acht Plätze bot, mußten sich 12 Männer mit Gepäck aufstellen, darunter der ehemalige Befehlshaber in Belgien und Nordfrankreich, General von Falkenhausen, Gottfried Graf Bismarck, Werner von Alvensleben, Dr. Josef Müler, Dr. Hermann Pünder, welcher später Zellennachbar Bonhoeffers wurde, Korvettenkapitän Franz Liedig, ein Abwehrmann, der schon 1938 aktiv an Putschplanungen beteiligt gewesen war, Ludwig Gehre, der Mitarbeiter Osters und .... Bonhoeffer." (a.a.O.1O25).

"Zwar nährte die allgemeine Verwirrung, die den Häftlingen nicht verborgen bleiben konnte, manche Hoffnung, und die plötzliche Begegnung mit alten Freunden tat ihnen wohl. Aber als das Verladen begann, legte man Josef Müller und Dietrich Bonhoeffer Handschellen an. Dietrich protestierte, freilich ohne Erfolg. Josef Müller erzählte, er habe ihm darauf gut zugeredet: "Laß uns getrost als Christen an den Galgen gehen!" Erst in Buchenwald wurden ihnen die Handschellen wieder abgenommen." (a.a.O.1026)

 

3.5 Letzte Grüße an Bischof Bell

Als Dietrich Bonhoeffer von den Wächtern abgeholt wurde, die ihn nach Flossenbürg bringen sollten, soll er Payne Best noch Grüße für Bischof Bell aufgetragen haben: "Sagen Sie dem Bischof, dies ist für mich das Ende, aber auch der Anfang. Mit ihm ( dem Bischof) glaube ich an unsere universale christliche Bruderschaft, die sich über alle nationalen Interessen erhebt, und glaube daran, dass uns der Sieg gehört."

(Eberhardt Bethge,Bonhoeffer, 100)

 

3.6. Erinnerung des Lagerarztes

Der Lagerarzt, der bei der Hinrichtung Bonhoeffers am 9.April anwesend war, erinnert sich 10 Jahre später:

"Am Morgen des betreffenden Tages etwa zwischen 5 und 6 Uhr wurden die Gefangenen, darunter Admiral Canaris, General Oster... und Reichsgerichtsrack Sack aus den Zellen geführt und die kriegsgerichtlichen Urteile verlesen. Durch die halb geöffnete Tür eines Zimmers im Barackenbau sah ich vor der Ablegung der Häftlingskleidung Pastor Bonhoeffer in innigem Gebet mit seinem Herrgott knien. Die hingebungsvolle und erhörungsgewisse Art des Gebetes dieses außerordentliche sympathischen Mannes hat mich auf das Tiefste erschüttert. Auch an der Richtstätte selbst verrichtete er noch ein kurzes Gebet und bestieg dann mutig und gefasst die Treppe zum Galgen. Der Tod erfolgte nach wenigen Sekunden. Ich habe in meiner fast 50jährigen ärztlichen Tätigkeit kaum je einen Mann so gottergeben sterben sehen"
(Dietrich Bonhoeffer, Eine Biographie 1038)
 

Mögliche Arbeitsaufträge:
Michael Künne schreibt in einer Kritik: "Ohne Urteil, ohne Henker und dessen Knechte, legt er offensichtlich, nachdem er die Brille einem Unsichtbaren gereicht hat, sich selbst den Strick um. Doch diese Szene, die nur anzunehmen ist, beendet bereits den Film. Hier wird abgeblendet. So wird Geschichte nicht nur verfälscht, sondern in ihr Gegenteil verkehrt, wenn ausgelassen wird, dass Bonhoeffer zusammen mit Canaris und Oster nach einem Standgerichtsverfahren in Flossenbürg hingerichtet wurde."(Loccumer Pelikan 4/00 188f)

Wie ist Ihre Meinung zu dieser Kritik?

Was hat die Filmemacher auf dem Hintergrund von Bonhoeffers Persönlichkeit und Theologie veranlasst haben können, den Schluss so zu inszenieren?

Überlegen Sie bitte, wie Sie den Schluss dieses Films inszenieren würden.

Bonhoeffer schreibt, dass es darum geht, nicht das eigene Leid, sondern Gottes Leiden in der Welt ernst zu nehmen. Was diese Solidarität des Leidens bedeuten kann, ist an Bonhoeffers eigenem Lebensweg ablesbar. Wie beurteilen Sie diese Grundhaltung Bonhoeffers?

 

Möglichkeit der Weiterarbeit

Bonhoeffer schrieb am 21. Mai 1942 an seine Zwillingsschwester Sabine Leibholz. "Für mich ist die Idee, dass Gott selber leidet, immer das weit überzeugendste Stück christlicher Lehre gewesen... Der Mensch wird aufgerufen, das Leiden Gottes an der gottlosen Welt mitzuleiden. (Bonhoeffer rororo,122)

Elisabeth Käsemann ist ein Beispiel einer Frau aus der jüngeren Geschichte, die vergleichbar konsequent, ihr Leben für mehr Freiheit und mehr Gerechtigkeit gelebt hat und dafür ermordet wurde. Sozialisiert in einem sehr christlichen Elternhaus, orientierte sich Elisabeth Käsemann als Kind stark an dem Vater Ernst Käsemann, der Theologieprofessor in Tübingen war und während des Nationalsozialismus der Bekennenden Kirche angehörte.

Während ihres Studiums im Otto-Institut schließt sie sich der Studentenbewegung um Rudi Dutschke an, geht für ein Praktikum nach Südamerika und identifiziert sich dort bald so stark mit dem Schicksal der im Elend lebenden Menschen, dass sie beschließt, in Argentinien zu bleiben. "Das Evangelium," schreibt sie an ihre Eltern, "hat nur eine Botschaft: die Befreiung hier und jetzt. Aber die fortgeschrittenen Theologen sind meist nicht in der Lage, diese Botschaft für die Armen zu übersetzen." Während der Militärdiktatur schließt sich Elisabeth Käsemann einer geheimen Organisation an, die bedrohte und verfolgte Menschen außer Landes bringt. Mit zu dieser Organisation gehört der Journalist Sergio. Aus der Arbeitsbeziehung zu dem Journalisten wird eine Liebesbeziehung, die jedoch bald endet, als Sergio angesichts der drohenden Gefahr durch die Militärs beschließt zu fliehen und Elisabeth Käsemann allen Überredungsversuchen widersteht ebenfalls auszureisen. Elisabeth Käsemann wird am 7. März 1977 von den Militärs gefangen genommen, gefoltert und am 7. Mai 1977 zusammen mit 12 Männern und drei Frauen erschossen. Die Verantwortlichen werden nie bestraft. (Auch hier gibt es eine Parallele zu Bonhoeffer!)

In dem Dokumentarfilm "dass du zwei Tage schweigst unter der Folter! / Elisabeth Käsemann – Ein deutsches Schicksal" versuchen Frieder Wagner und Oswaldo Bayer das Leben von Elisabeth Käsemann auf behutsame Weise nachzuzeichnen.

Wagner, Friedrich, Bayer, Oswaldo, ...dass Du zwei Tage schweigst unter der Folter!", Elisabeth Käsemann – Ein deutsches Schicksal, Ev. Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit/FWU, BRD 1991, Dokumentarfilm, Video, Sekundarstufe II, Erwachsenenbildung, 45 Min. – f -, Begleittext

 

Materialien zu Dietrich Dietrich Bonhoeffer

  • Berger, Christian, Von guten Mächten wunderbar geborgen, Dietrich Bonhoeffers Weg in den Widerstand, Matthias-Film,BRD 1996, Video, 30 Min - f / sw – Dokumentarfilm, Sekundarstufe I; Sekundarstufe II, Erwachsenenbildung, Arbeitshilfe, Dietrich Bonhoeffer Widerstand
  • Till, Eric, Dietrich Bonhoeffer - Die letzte Stufe, Matthias-Film, BRD / USA / Kanada 1999, 90 Min - f – Spielfilm, Video, Sekundarstufe II, Erwachsenenbildung, Dietrich Bonhoeffer, Widerstand, Nationalsozialismus
  • Die Evangelische Kirche zwischen Versagen und Verfolgung 1934-1945, Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht, Grünwald 1982, 12 sw, Sekundarstufe I, Sekundarstufe II, Erwachsenenbildung, Kirchenkampf im Dritten Reich, Versagen
  • Die Evangelische Kirche in der Zeit der Machtergreifung 1933/34, Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht, 12 f, Dia, Sekundarstufe I, Sekundarstufe II, Erwachsenenbildung, Kirchenkampf im Dritten Reich
  • Maechler, Winfried, Dietrich Dietrich Bonhoeffer Dietrich Bonhoeffer, Christ und Widerstandskämpfer, Evangelische Zentralbildkammer, Witten o.J., 38 sw, Sekundarstufe I, Sekundarstufe II, Erwachsenenbildung, Dietrich Bonhoeffer, Drittes Reich, Widerstand
  • Dietrich Bonhoeffer, Martin Niemöller, Gott und die Nazis, Widerstand – Kamp gegen Hitler, FWU, München, 1999, Video, Sekundarstufe I, Sekundarstufe II, Erwachsenenbildung, 29 Min. – sw/f, Begleittext, Widerstand, Attentat, Opposition, "Bekennende Kirche", "Deutsche Christen",
  • Bannenberg, Manfred, Brautbriefe - Zelle 92, Matthias-Film, Calwer Verlag, BRD 1993,Video, Sekundarstufe II, Erwachsenenbildung, 30 Min - f – Dokumentarfilm, Dietrich Bonhoeffer,
  • Dörger, H.-J./Gremmels, Chr., Dietrich Dietrich Bonhoeffer Dietrich Bonhoeffer – Nachfolge und Kreuz, Widerstand und Galgen, BRD 1982, Video Sekundarstufe I, Sekundarstufe II, Erwachsenenbildung, Dokumentarfilm, 30 Min. – f - , Drittes Reich, Widerstand, Lebensbilder, Kirche/Gemeinde, Christentum
  • Curth, Hans-Joachim / Edler, Horst, Ein Heiliger, der konspiriert, BRD 1988, Video, Sekundarstufe II, Erwachsenenbildung, Dokumentarfilm, 44. Min.- f. -, Lebensbilder, Theologie, Kirchengeschichte, Widerstand,
  • Curth, Hans-Joachim / Edler, Horst, Dem Rad in die Speichen fallen, BRD 1995, Video, Sekundarstufe II, Erwachsenenbildung, Dokumentarfilm, 28 Min. – f -, Nationalsozialismus, Widerstand, Lebensbilder, Kirchengeschichte: Gegenwart
  • Dia, Kassette, Sekundarstufe II, Erwachsenenbildung, Strunk, Erich / Dreß, Susanne, Dietrich Dietrich Bonhoeffer Dietrich Bonhoeffer, München 1995, 40 Dias, sw., Dokumentarfotos, 15 Min, Lebensbilder

 

Anmerkungen

  1. vgl. H.-M. Gutmann, Beziehungsmuster, in: I. Kirsner/M. Wermke (Hg.) Religion im Kino, Göttingen 2000. S. 182 f
  2. Eine kompremierte Einführung in die filmsprachlichen Mitteln bieten: Georg Wippler, Einführung in die Analyse eines Kurzfilms, in: Religionsunterricht und Film, Arbeitshilfen Medien 3, Michael Künne, Hg., Loccum 1994, S. 19-32; Reinhard Kleber, Wie funktioniert ein Film? Zu den Grundlagen der Filmgestaltung, in: medienpraktisch, 4/89, S. 4-8
  3. Weitere mögliche Themen wären u.a.: Die innerkirchliche Auseinandersetzung in Nazideutschland. Bonhoeffer und die Ökumene. Der deutsche Widerstand

 

Literatur:

  • Bethge, Eberhard, Dietrich Bonhoeffer, Eine Biographie, München 1986
  • Bethge, Eberhard, Bonhoeffer, Hamburg 1976
  • Bethge, Eberhard (Hg.), Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, München 1978
  • Bethge, Eberhard, u.a. (Hg), Dietrich Bonhoeffer Werke Bd. 8, Widerstand und Ergebung, Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, Gütersloh 1998
  • von Bismarck, Ruth-Alice, u.a. (Hg.), Brautbriefe Zelle 92, Dietrich Bonhoeffer und Maria von Wedemeyer, München 1994
 

Text aus Loccumer Pelikan

2/2001