Kunst in der Kirche mit BIBEL-ARBEIT

von Carsten Mork

 

 

Projektorientiertes Lernen (nicht nur) in der Konfirmandenzeit

Mit Jugendlichen Kunst in die Kirche zu bringen kann ein für alle Beteiligten anregendes Lernarrangement werden. Zumal wenn es um den wechselseitigen Bezug von Lebensgeschichten und biblischen Deutungsperspektiven geht. Von der Themenfindung über die Entwicklung einer Ausstellung als Intervention in den religiösen Raum bis zur Ausstellungseröffnung für Besucherinnen und Besucher reicht dann ein Spannungsbogen, den die Mädchen und Jungen in einem projektorientierten und weitgehend selbstorganisierten Lernprozess für ihre Entdeckungsreisen in der Bibel und im Kirchraum nutzen können. Ausgehend von der Idee des Vahlbrucher Künstlers Michael-Peter Schiltsky zu der Ausstellung BIBEL-ARBEIT sollen in einer zeichendidaktischen Perspektive mögliche Wege einer Projektarbeit im Kontext von Kunst und Kirche beschrieben werden. Die hier für den Konfirmandenunterricht beschriebenen Lernwege ließen sich genauso für den Religionsunterricht wie für Projekte der Jugendarbeit in Kooperation von (Ganztags-)Schule und Gemeinde realisieren.

 

Die Idee zu einer Ausstellung

Am Anfang stand für den Künstler Michael-Peter Schiltsky1  eine Idee – entstanden im Zusammenhang mit Aufforderungen zur Beteiligung an Ausstellungen im Kontext "Kunst und Kirche". Beim Betrachten von Julius von Carldsfelds "Die Bibel in Bildern" interessierten ihn als einem an Handwerkskunst Interessierten vor allem Gegenstände des täglichen Gebrauchs und Werkzeuge. So machte er sich mit Hilfe der Konkordanz auf die Suche nach den Bibelstellen, in denen gerade diese Gegenstände erwähnt wurden. Dort traf er auf Erzählungen von Gewalt, Mord und Krieg, aber auch auf Berichte über alltägliche Verrichtungen. Mit diesen Gegenständen waren immer auch besondere Begebenheiten verbunden, die die Geschicke der Menschen berührten. So wird – in einer dramatischen Variante – in 5.Mose 19,5 vom unschuldigen Totschlag erzählt, weil sich das Eisen von einer Axt löst und einen anderen Menschen durch Zufall erschlägt. Diese und viele andere Entdeckungen ergaben sich durch die etwas andere Suchbewegung, wie denn Lebensgeschichten – verbunden mit alltäglichen Gegenständen und Werkzeugen – im Lichte Gottes eine spezifische Deutung erfahren. Im Falle des unschuldigen Totschlages ging es dabei um die Einrichtung von Fluchtorten im Namen Gottes, an denen unschuldige Totschläger vor dem Hass der Verfolger geschützt sein sollen.

Aus diesen Anfängen erwuchs das Konzept BIBEL-ARBEIT für Ausstellungen in Kirchengemeinden. Gemeindemitglieder brachten Gegenstände aus ihrem alltäglichen Gebrauch. Dazu schrieben sie ihre Geschichte mit diesem Gegenstand auf. Der Künstler suchte nach passenden Deutungsgeschichten in der Bibel. Die Präsentation der Exponate fand in den Kirchen auf vorhandenen Fundamentresten und auf Sockeln statt, die den Gegebenheiten des Kircheninnenraumes folgend aufgestellt wurden. Ohne Namensnennung der betroffenen Personen kamen so ein Gegenstand, die (Lebens-)Geschichte mit diesem Gegenstand, Erläuterungen zum Gebrauch des Gegenstandes und die dazu ausgewählte Bibelstelle zur Ausstellung. Im Kirchenraum ausgelegte Bibeln animierten Besuchende, die Bibelstellen nachzuschlagen und im Zusammenhang zu lesen und auf das ausgestellte Arrangement zu beziehen. Für Michael-Peter Schiltsky ist mit diesem Konzept auch der Versuch verbunden, gegenüber dem Verlust einer allgemeinen christlichen Ikonographie ein neues Bewusstsein für Gottes Da-Sein im Alltag anzuregen.

 

Auf Spurensuche in zeichendidaktischer Perspektive

In der Konfirmandenzeit auf Spurensuche nach möglichen lebbaren Formen und (Lebens-)Deutungsperspektiven des christlichen Glaubens zu gehen, stellt eine besondere Herausforderung dar vor dem Hintergrund der Traditionsabbrüche. Dies betrifft auch mögliche Entdeckungsreisen mit der Bibel. Eine zu Weihnachten bei ALDI im Sonderangebot erstandene Bibel garantiert noch kein Eintauchen in die Welten dieses Buches der Bücher. Wie kann da eine an dieser Zielgruppe orientierte Bibelarbeit beginnen?

In Umberto Ecos "Im Namen der Rose" findet sich für diesen Zugang ein zeichendidaktisch profilierter Hinweis für ein kommunikatives unterrichtliches Deutungsspiel: "Mein lieber Adson",dozierte mein Meister,"das Aufklären eines Geheimnisses ist nicht dasselbe wie das Deduzieren aus festen Grundprinzipien. Es gleicht nicht einmal dem Sammeln von soundsovielen Einzeldaten, um aus ihnen dann auf ein allgemeines Gesetz zu schließen. Es ist eher so, dass man vor einer Anzahl von Tatsachen steht, die anscheinend nichts miteinander zu tun haben, und nun versuchen muss, sie sich als ebenso viele Einzelfälle eines allgemeinen Gesetzes vorzustellen, eines Gesetzes aber, das man nicht kennt und das womöglich noch nie formuliert worden ist." 2  Diese Suchaufgabe als ein Fahnden, Rätseln, Aufklären und Vermuten kann nun gerade mit Blick auf das Konzept der BIBEL-ARBEIT auch für unterrichtliche Inszenierungen fruchtbar gemacht werden. Dabei ginge es da-rum, mit Hilfe von Gegenständen aus den Alltagswirklichkeiten der Konfirmandinnen und Konfirmanden den damit verbundenen Erlebnissen und Lebensgeschichten im Sinne einer Biographiearbeit3  auf die Spur zu kommen, um dann sowohl in kulturgeschichtlicher wie biblischer Perspektive weitere Deutungen dieser Zusammenhänge zu provozieren. So kann eine ergebnisoffene Suche und Lernbewegung angeregt werden gegenüber einem verschließenden Zuschreiben einer festlegenden Deutung. "Zeichen in ein kommunikatives Deutungsspiel zu bringen, gibt (...) die Möglichkeit, eine eigene Antwort auf die Frage nach der Wahrheit der Zeichen gerade erst zu finden. (...) Der Lernerfolg hat also nicht zur Bedingung, dass die Möglichkeit einer bestimmten Wahrheit vorab anerkannt wird. (...) Zeichendidaktik könnte daher (...) ein Sensorium dafür vermitteln, wie innerhalb der christlichen Religion die ‘Wahrheitsfrage’ als grundsätzlich nicht beantwortbar gilt: nämlich nicht außerhalb von Beziehungen und Kommunikationszusammenhängen."4  Ein in dieser Weise eröffnetes So-tun-als-ob mit Blick auf wechselseitige Deutungszusammenhänge und ein angeregtes Probehandeln, das mögliche Deutungsperspektiven auf Wahrgenommenes anwendet, kann dann auch die Intention des Künstlers Michael-Peter Schiltsky aufgreifen, eine Symbolkunde oder Symbolerkundung zu betreiben. Eine solche unterrichtlich inszenierte Symbolkunde zielt dann "auf das Verstehen gegenwärtiger und überlieferter religiöser Symbole – unter Umständen durch probeweise Inanspruchnahme der Symbole zur Deutung eigener Erfahrungen und ganzheitlicher Teilhabe." 5 

 

Kunst in der Kirche

Das intendierte Projekt einer von Konfirmandinnen und Konfirmanden entwickelten Ausstellung über biblische Deutungsperspektiven in Bezug auf Lebensgeschichten verbleibt nicht nur im Unterrichtsraum. Die Lernorte Gemeindehaus, Familie und Kirche werden im Verlauf des Projektes aufgesucht und durch das intendierte Zusammenspiel aufeinander bezogen. Mit dem Wechsel des Unterrichtsraumes in den Kirchraum ist dabei ein Lernortwechsel verbunden, der den als explizit religiösen Raum markierten Ort mit den diesem je eigenen Zeichenkonfigurationen ausdrücklich als Deutungskontext mit einbezieht. Damit rücken auch die Umgangsformen in den Blick, mit denen die Teilnehmenden – Unterrichtende wie Konfirmandinnen und Konfirmanden – und der hier inszenierte und zu inszenierende Gegenstand – die Religion evangelischer Spielart – aufeinander bezogen werden. Mit Blick auf die beabsichtigte Kunst(-Ausstellung) im Kirchraum erfüllt sich auch die Forderung nach einer Performanz als didaktisches Programm. Denn kein "Unterrichtsgegenstand ist einfach abstrakt gegeben. Vielmehr teilt er sich mit, indem man mit ihm umgeht, sich in ihn hinein begibt, sich in ihm bewegt, sich in ihm und zu ihm verortet."6 

Das Verhältnis von Kunst und Kirche hat sich in den letzten Jahren durch viele gelungene Begegnungen entkrampft. Dies gilt nicht nur für die besonderen Installationen autonomer Kunst in ausgewählten Kirchenräumen, sondern auch für die aus gemeindepädagogischer Arbeit erwachsenen Ausstellungsformen im Kirchraum. Sicherlich bewegen sich hier noch viele Experimente im Verhältnis von Versuch und Irrtum. Diese experimentellen Impulse haben im Gelingen und Scheitern dabei die Wahrnehmung geschärft, dass Erfahrungen immer nur an Differenzen gemacht werden können – eben auch an der Differenz von Kunst und Kirche und an Unterschieden, die von dem einen mal als krass und von dem anderen mal als stimmig beschrieben werden und die zu einer Auseinandersetzung anregen, wo manche Teilnehmende bereits nichts mehr voneinander erwarteten. Dabei hat sich gerade die bildende Kunst als ein hervorragendes Feld der Differenzwahrnehmung gezeigt, denn "Kunstwerke müssen geronnene Erfahrungen permanent wieder verflüssigen, sonst sind sie keine Kunstwerke mehr, sondern nur simple Objekte der Veranschaulichung. Die Auseinandersetzung mit raumbezogener zeitgenössischer Kunst kann daher – so kann erhofft und erwartet werden – auch geronnene Erfahrungen von religiösen Räumen aufbrechen und einer neuen Erfahrung zuführen."7 

Für die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden gilt dieses Eröffnen von neuen Erfahrungsspielräumen sowohl mit Blick auf den oft als fremd erlebten Kirchenraum als auch mit Blick auf die Bibel als ein Buch "mit sieben Siegeln". Dabei bieten die im Folgenden beschriebenen Möglichkeiten von künstlerischen Interventionen im Kirchraum im Kontext der BIBEL-ARBEIT im Konfirmandenunterricht Chancen gerade über die inzwischen weitverbreiteten kirchenpädagogischen Möglichkeiten hinaus. So lenken die an funktionalen Leerstellen oder zentralen Punkten im religiösen Raum ausgestellten Exponate die Aufmerksamkeit der Betrachtenden und Umhergehenden zugleich auch auf die diese Exponate umschließende Raumumgebung. "So lassen sich die Exponate als ein Beitrag zur (Re-)Vitalisierung von geronnener Erfahrung verstehen: Die ausgestellten Kunstwerke erzeugen eine bestimmte Form ästhetischer Erfahrung, weil sie erkennbar moderne autonome Werke sind; und sie beeinflussen die religiöse Erfahrung, weil sie danach fragen lassen, welche Rolle ästhetische Objekte, die ja reines freies Spiel sind, im religiösen Kontext bekommen können."8  Chancen sehe ich weiterhin sowohl in den subjektorientierten biographiebegleitenden Zugängen zur Bibel und in der als Begehung9  inszenierten Besichtigung einer Ausstellung in einer Kirche als auch gerade in den hier skizzierten künstlerischen Interventionen der Mädchen und Jungen selber im religiösen Raum.

 

BIBEL-ARBEIT als Projektunterricht

Die Entwicklung einer Ausstellung lässt sich in der Konfirmandenzeit am besten in der Form eines Projektes verwirklichen. Mit dieser Unterrichtsform schaffen die Unterrichtenden die Rahmenbedingungen für ein ergebnisoffenes, von den Konfirmandinnen und Konfirmanden selbstgesteuertes Lernen. Ihre Aufgabe besteht im wesentlichen darin, den ermöglichten Lernprozess bis zur Ergebnispräsentation zu begleiten. In einer solchen Inszenierung des Konfirmandenunterrichtes als Projekt können die Beteiligten sich ihr Thema bzw. ihre Themen eigenständig wählen, zu einer miteinander abzustimmenden Handlungsplanung kommen und diese dann selbstverantwortlich durchführen. Die selbsttätige Annäherung an den Unterrichtsgegenstand, die eigenständige Bearbeitung und die notwendige Kooperation aller Beteiligten bahnen so Lernwege, die zwischen autonomem Lernen und bloßer Einpassung in vorgegebene Lernarrangements auf einem Mittelweg selbstgesteuertes Lernen10  ermöglichen können.

Für den im Folgenden skizzierten projektorientierten Verlauf der BIBEL-ARBEIT im Konfirmandenunterricht gilt es, fünf Phasen zu unterscheiden und im Verlauf des Projektes zu beachten.

 

1. Themenfindung
Zunächst wird den Konfirmandinnen und Konfirmanden das Projekt der Entwicklung einer Ausstellung in der Kirche am Ort vorgestellt: Zu Gegenständen aus dem alltäglichen Gebrauch oder zu Werkzeugen im jeweiligen Haushalt soll ein damit verbundenes Erlebnis gesucht werden; dazu sollen nun ein passender Bibeltext und weitere Erläuterungen zum Gegenstand gefunden werden, die Gegenstand und Lebensgeschichte deuten helfen. In einer halboffenen Ausgangssituation könnte damit die Vorgabe der Unterrichtenden verbunden sein, dass die gesuchten Gegenstände und die damit verbundenen Lebensgeschichten z.B. auf ein kirchenjahreszeitliches Thema (Weihnachten, Ostern, Erntedank u.a.) bezogen sein sollen. In einer offenen Ausgangssituation könnte die Lerngruppe entweder ihr eigenes Thema für die Ausstellung finden und bestimmen oder ohne weitere Vorgabe der Anregung folgen, Gegenstände zu suchen, die mit besonderen Erlebnissen auf dem bisherigen Lebensweg verbunden sind.

Der grobe Zeitrahmen für das Projekt bis zu einer Ausstellung wird abgesteckt und die Beteiligten finden ihr Thema bzw. ihre Themen. Schon jetzt ist der Hinweis wichtig, dass die gewählten Gegenstände und Lebensgeschichten später in der Ausstellung nur anonymisiert – d.h. ohne Nennung des Namens oder von Angaben, über die ein Exponat mit der dazugehörigen Person von Ausstellungsbesuchenden identifiziert werden könnte – vorkommen werden. Dies bedeutet eine Entlastung in der Such- und Informationsphase und regt mit dem garantierten Schutz der Personen eine offenere Suche an.

 

2. Informationsphase
Die Konfirmandinnen und Konfirmanden machen sich auf die Suche nach Gegenständen und Lebensgeschichten. Damit können Gespräche verbunden sein, die in den Familien die Herkunft dieser Gegenstände klären oder die die Hintergründe zu den damit verbundenen Erlebnissen finden helfen. Schon hier kann es anregend und im Sinne einer ersten Ergebnissicherung hilfreich sein, den Schatz gefundener Lebensgeschichten und Fotos von den dazugehörigen Gegenständen in einem Projekttagebuch zu sammeln – verbunden mit den gefundenen Hintergrundinformationen. Dann wählen die Konfirmandinnen und Konfirmanden ihren Gegenstand und die dazugehörige Geschichte für die spätere Ausstellung aus. Mit Hilfe einer Bibelkonkordanz suchen sie nach Erzählungen oder Textstellen und wählen eine Textpassage aus, in der ein vergleichbarer Gegenstand erwähnt wird und die ihnen als Deutung ihrer dazugehörigen Lebensgeschichte als sinnvoll erscheint. Mit Hilfe von Lexika oder – wo möglich – durch eine Internetrecherche mit einem entsprechenden Suchbegriff versuchen sie weitere Kurzinformationen zu ihrem Gegenstand zu finden. In einem Treffen der Lerngruppe werden die ausgewählten Gegenstände mit den damit verbundenen Erzählungen und Deutungsvorschlägen vorgestellt und besprochen.

 

3. Planungsphase
Anschließend treffen die Beteiligten Absprachen für den weiteren inhaltlichen und formalen Verlauf des Projektes. Eine chronologische Reihenfolge der Maßnahmen bis zur Ausstellungseröffnung muss entwickelt und Rahmenbedingungen hierfür müssen geklärt werden. Vielleicht ergeben sich mögliche Themenschwerpunkte bei den zusammengetragenen Exponaten, oder verschiedene Aspekte eines gestellten Ausstellungsthemas durch die hierfür ausgewählten Exponate müssen wahrgenommen und für die Weiterarbeit bedacht werden. Vor allem in dieser Phase wird die organisatorische Hilfestellung durch die Unterrichtenden nötig sein. Zu den benannten Klärungen kommen dann Absprachen und Vereinbarungen darüber, wie weiter arbeitsteilig und/oder in Kooperationen die nötigen Vorbereitungen für die Ausstellung vorangebracht werden können.

 

4. Produktionsphase
In dieser Phase gilt es die gesammelten Informationen auszuwerten, weiter zu ver- und bearbeiten und entsprechend darzustellen. Ein wichtiger Einstieg für das spätere Aufstellen und arrangieren der Exponate ist zunächst ein dem Projektziel dienliches Wahrnehmen und Entdecken des Kirchraumes. Dabei können die inzwischen bewährten Zugangswege kirchenpädagogischer Raumerschließungen gut genutzt werden11 . Hier gilt es sowohl die religiös spannungsvollen Punkte als auch die funktionalen Leerstellen im religiösen Raum ausfindig zu machen, um gerade hier neu inszenierte Räume zu eröffnen und dadurch vielleicht die mit diesen Orten verbundenen vergangenen und aktuellen Gehalte freizulegen oder herauszuheben. Für die gefundenen Orte wie für eine eventuell einheitliche Ausstellungsform mit Blick auf gerade diesen Kirchenraum muss dann entschieden werden, wie die einzelnen Arrangements der Exponate am besten zur Ausstellung kommen können. Dabei gilt es mit zu bedenken, in welchen Zusammenhängen später Besuchende die Exponate in diesem Kircheraum wahrnehmen sollen. Das könnte ein Gottesdienst sein, in dem oder nach dem ein Herumgehen und Entdecken angeregt wird. Das könnte auch eine über längere Zeit in der Kirche verbleibende Ausstellung sein, die von den den Kirchraum Aufsuchenden entdeckt werden könnte. Weiterhin ist zu überlegen, welche Form der Ausstellungseröffnung dem Thema bzw. den Themen entspricht. Vielleicht erstellt eine Arbeitsgruppe hierzu einen kleinen einführenden Ausstellungskatalog, in dem vom Entstehen und von gemachten Entdeckungen erzählt wird und der weitere Hinweise für Ausstellungsbesuchende bereit hält.

 

5. Abschlussphase
Mit der Abschlussphase sind nun all die schon erwähnten Formen der Ausstellungspräsentation – von der Jugendandacht und dem Gottesdienst bis hin zum Konzept der offenen Kirche – verbunden. Auch könnte eine Dokumentation der Ausstellung in einem für die Jugendlichen und andere Interessierte zusammengestellten Katalog als Ergebnissicherung das Projekt abrunden.

Für die beteiligten Lerngruppen sollte am Ende des Projektes auf jeden Fall eine Reflexionsphase einbezogen werden, wo für die gemachten eigenen Entdeckungen – eventuell in dem schon erwähnten Projekttagebuch festgehalten und weitergeschrieben – auch Zeit für eine Rückschau über die weniger oder besser gelungenen Arbeitsphasen und Kooperationen bleibt. Diese Reflexion des Prozesses und des Erreichten bietet einen Lerngewinn sowohl für die Konfirmandinnen und Konfirmanden als auch für die, die als haupt- bzw. ehrenamtlich in der Konfirmandenarbeit Tätige dieses Projekt begleitet haben. Die Chancen eines solchen selbstgesteuerten Lernens wie die des Projektunterrichtes liegen eben neben der Idee und thematischen Ausrichtung des jeweiligen Projektes auch im Erlernen und Weiterentwickeln der vielfältigen Fähigkeiten, die zur Durchführung dieser komplexen Lernform nötig sind.

 

Anmerkungen

  1. Der Künstler Michael-Peter Schiltsky kann für eine Ausstellung BIBEL-ARBEIT in einer Kirchengemeinde gewonnen werden: Michael-Peter Schiltsky, An der Kirche 15, 37647 Vahlbruch, Tel.: 05535-91029, Schiltsky@t-online.de. Die in diesem Beitrag für den Konfirmandenunterricht beschriebenen Lernwege übergeben die Verantwortung der Ausstellungsentwicklung und -organisation weitgehend den Konfirmandinnen und Konfirmanden.
  2.  Umberto Eco, Im Namen der Rose, S.389
  3.  vgl. hierzu die grundsätzlichen Überlegungen und zahlreichen Vorschläge und Übungen für pädagogische Biographiearbeit und Selbsterfahrung in: Herbert Gudjons/Marianne Pieper/Birgit Wagner, Auf meinen Spuren. Das Entdecken der eigenen Lebensgeschichte, Hamburg 1996
  4.  Bernhard Dressler/Thomas Klie/Lena Kuhl, Religiöse Zeichen ins Spiel bringen. Grundzüge einer Zeichendidaktik, in: Bernhard Dressler (Hg.), Religion zeigen. Zeichendidaktische Entwürfe, Loccum 2002, S.16f.
  5.  Peter Biehl, Symbole geben zu lernen. Einführung in die Symboldidaktik anhand der Symbole Hand, Haus und Weg, Neukirchen 1989, S.166
  6.  Thomas Klie, Performativer Religionsunterricht. Von der Notwendigkeit des Gestaltens und Handelns im Religionsunterricht, in: Loccumer Pelikan 4/03, S.175
  7.  Andreas Mertin, Die Kirche als Jurassic Park? Oder: Lässt sich religiöses Raumgefühl pädagogisch klonen?, in: Sigrit Glockzin-Bever/Horst Schwebel (Hg.), Kirchen – Raum – Pädagogik, Münster 2002, S.132
  8.  ebd. S.134
  9.  vgl. Carsten Mork, Allen alles lehren - Begehung als Konstruktion christlicher Religion im Konfirmandenunterricht, in: Bernhard Dressler/Thomas Klie/Carsten Mork, Konfirmandenunterricht. Didaktik und Inszenierung, Hannover 2001, S.296-316
  10.  vgl. Klaus Konrad, Selbstgesteuertes Lernen im Kontext persönlicher Selbstregulation, konstruktivistischer Lernumgebungen und situativer Randbedingungen, in: M.S.Wosnitza/P.Nenniger (Hg.), Selbstgesteuertes Lernen (Empirische Pädagogik, 15(2), Themenheft), Landau 2001
  11.  vgl. Christiane-B. Julius/Tessen v.Kameke/Thomas Klie/Anita Schürman-Menzel, Der Religion Raum geben. Eine kirchenpädagogische Praxishilfe, Loccum 1999
 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 1/2004

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