Rund ums Kloster Amelungsborn
Mit Konfirmandinnen und Konfirmanden auf Spurensuche

von Kurt-Ulrich Blomberg, Bernd Dauer und Carsten Mork

 

 

Wenn es in der Konfirmandenarbeit etwas zu erkunden und zu entdecken, zu sehen und zu hören, zu begreifen und auszuprobieren gibt, dann kann mit einer größeren Aufmerksamkeit und Neugierde seitens der Konfirmandinnen und Konfirmanden und auch der Unterrichtenden gerechnet werden. Ein Grund mehr, immer wieder einmal aus dem Unterrichtsraum im Gemeindehaus hinauszugehen zu Orten in der Kirchengemeinde und in der Umgebung, an denen religiöse Lernprozesse an originären Lernorten inszeniert werden können. In einer Kirchengemeinde, in deren Nahraum und weiteren Umgebung der Lebenswelt der Konfirmandinnen und Konfirmanden kann es reichlich Angebote geben für eine gemeinschaftliche Entdeckungsreise.

Hierzu bietet sich den beiden Kirchengemeinden Börry und Hehlen – wie vielen Gemeinden im Weserbergland auch – eine besondere Gelegenheit, da mit einer halben Stunde Fahrtzeit das Zisterzienserkloster Amelungsborn (zwischen Holzminden und Eschershausen gelegen) schnell erreichbar ist für einen unterrichtlichen Ortswechsel im Rahmen eines Konfirmandenages oder –nachmittags. Auch für Konfirmandengruppen aus ferner gelegenen Orten bieten sich zwei attraktive Möglichkeiten für Konfirmandenfreizeiten:

  • Zum einen können Gruppen bis zu 46 Teilnehmenden in der Tagungsstätte auf dem Klostergelände in Amelungsborn beherbergt werden (Absprachen betreffs Übernachtung, Küche und Mahlzeiten können mit Frau Hoy im Landeskirchenamt Tel. 0511/1241-632 getroffen werden).
  • Zum anderen gibt es mit dem Kirchenkreisjugendheim "Pfarrhaus Hohe" eine in der Nähe gelegene Freizeitheimmöglichkeit, von der aus eine Tagesexkursion mit Entdeckungen rund ums Kloster Amelungsborn unternommen werden können (Fahrtzeit zum Kloster ca. 3o Minuten, Belegung bis zu 30 Personen, Selbstversorgerhaus, Anmeldung telefonisch über Frau Bennefeld im Kirchenkreisamt des Kirchenkreises Holzminden-Bodenwerder 05531/936212).
     

Bei dem in dieser Weise angeregten Ortswechsel geht es nicht nur um ein Nebeneinander von Ortsgemeinde und Klostergelände als eine unterschiedsbildende und auf Attraktion hoffende Unternehmung. Es werden darüber hinaus viele weitere wechselseitige Bezugsmöglichkeiten für religiöse Lernprozesse in der Konfirmandenarbeit eröffnet:

  • (Kirchen-) Geschichte und deren Auswirkung wird zum Greifen nahe,
  • die Wahrnehmung von (Lebens-) Räumen kann sich weiterentwickeln und Hilfen anbieten bei einer eigenen Verortung,
  • die bisherigen Erfahrungen mit Kirche und ihren spezifischen (Lebens-) Raumangeboten werden sinnvoll vertieft, mit Blick auf neue Entdeckungen irritiert und erhalten die Chance, auf der gemeinschaftlichen Entdeckungsreise erweitert, modelliert, verändert und neu erfunden zu werden,
  • unterschiedliche Orte gelebter Religion eröffnen Spielräume bei der eigenen Suche und bieten Anreize für die eigenaktive Konstruktion christlicher Religion in der Konfirmandenzeit.
     

Im Folgenden werden Anregungen für eine Konkretisierung dieser Möglichkeiten auf dem Hintergrund verschiedener Erprobungen "Rund ums Kloster Amelungsborn" angeboten. Je nach zur Verfügung stehender Zeit, Gruppengröße und Intention für diese Begehung lässt sich der hier beschriebene Verlauf verkürzen oder entsprechend ausweiten. Der dargestellte Verlauf umfasst die Zeit vom frühen Nachmittag bis zum Abend und schließt ein gemeinsames Abendessen in dem im Kloster zur Verfügung stehend Essraum ein.
 

Ankommen

Die Konfirmandinnen und Konfirmanden haben im Vorfeld bereits die Kirchenräume in den jeweiligen Kirchengemeinden auf verschiedenen Wegen erkundet ANM 1 und unterschiedliche Formen von Andachten und Gottesdiensten in diesen Räumen miterlebt und mitgestaltet. Vor diesem Hintergrund steht nun die Ankündigung, einen Konfirmandentag "Rund ums Kloster Amelungsborn" mitzuerleben. Zum Charakter einer solch etwas anderen Unternehmung in der Konfirmandenarbeit tritt bei dieser Kooperation von zwei Kirchengemeinden darüber hinaus der Anreiz, mit der Konfirmandengruppe einer anderen Gemeinde zusammen diesen Tag zu erleben.

Durch die Unterstützung verschiedener Eltern ANM 2 bilden sich entsprechende Fahrgemeinschaften zum Kloster. Bereits auf der Fahrt erhalten die jeweiligen Fahrgemeinschaften die Aufgabe,

  • auf einem Zettel Assoziationen zur Bedeutung eines Klosters
  • und schon vorhandene Kenntnisse zum Kloster Amelungsborn stichwortartig zu notieren.
     

Treffpunkt ist dann die Zufahrt auf das Gelände, auf dem sich zunächst ein landwirtschaftlicher Betrieb und etwas zurückliegend dann die Klostergebäude innerhalb der Klostermauern befinden. Nach einer Begrüßung geht die Gruppe schweigend den Weg zu den heute genutzten Klostergebäuden - verbunden

  • mit dem Auftrag, das Gelände in seiner Anlage und mit den verschiedenen Gebäuden wahrzunehmen
  • und mit der Frage nach der Funktion von Anlage und Gebäuden
  • und der Frage, welche Menschen mit welchen Aufgaben und Berufen wohl früher auf dem Gelände des Kloster gelebt und gearbeitet haben.

     

Auf diesem Weg wird vor dem Durchschreiten des Torhauses eine Zwischenstation eingelegt (heute Küsterhaus). An dieser Stelle wird für die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Arbeitsbereich mit den für die Landwirtschaft bestimmten Gebäuden deutlich unterschieden von den Gebäuden, die zusammen mit der Klosterkirche heute den eigentlichen Klosterbereich umfassen. Der Gruß der Zisterzienser " Porta partet – cor magis" ("Die Tür ist offen – das Herz noch mehr") wird hier mit einer Assoziationsrunde verbunden zu möglichen Bedeutungen dieser Begrüßungsformel für Besucher des Klosters.

Anschließend geht die Gruppe weiter auf die Klosterkirche und um den gotischen Chor herum auf die alte Kantorei (Rektor- und Kantorhaus) zu. Rechter Hand befindet sich ein Tordurchgang, durch den die Gruppe in den Bereich des ehemaligen Kreuzganges kommt. Die Teilnehmenden treffen sich hier auf einer weiten Rasenfläche, die auf der einen Seite von der Längsseite der Kirche und auf der anderen Seite von der alten Abtei begrenzt wird. Mittig befindet sich heute auf dieser Rasenfläche eine große, flache romanische Brunnenschale. Die Gruppe sammelt sich in einem Kreis rund um ein zusammengebundenes Seil. Zunächst wird dem

  • Spielinteresse der Konfirmandinnen und Konfirmanden entsprochen, das Seil gemeinsam aufgenommen und ein gemeinsames Ziehen, Schwingen, Rucken und Ins-Seil-Legen begonnen.
  • Erste Rückmeldungen ergeben, was als "zu wild" und was als "angenehm" empfunden wurde. Schnell zeigen sich auch Bezüge zum Zusammenspiel einer Gruppe: wenn einige alles durcheinander wirbeln wollen ... - wenn man auch Halt finden möchte in einer Gruppe ... - wenn man aufeinander acht gibt ... - wenn man den anderen in einer Gruppe vertraut ... - wenn man miteinander "warm" wird ...
  • Es schließt sich eine weitere Übung an, in der alle das Seil ruhig in Spannung bringen, dieses Gebilde als eine riesige runde Glasscheibe imaginieren und gemeinsam vorsichtig in die Höhe heben und anschließend bis zum Boden senken und anschließend wieder in die Ausgangshöhe zurückbringen. Es schließt sich ein Austausch über Erleben dieser Bewegungsabfolge und der damit verbunden Koordination und Kooperation in der Gruppe an.
  • Anschließend werden die Ergebnisse der Fahrgemeinschaften mit den Einfällen zur Bedeutung eines Klosters zusammengetragen und die Beobachtungen auf dem Weg über das Gelände gesammelt. Dabei rückt auch das Zusammenspiel der auf dem Gelände Arbeitenden und Lebenden – in Vergangenheit und Gegenwart – in den Blick. Das Gemeinschaftsspiel der Gruppe, Impressionen des vergangenen und gegenwärtigen Lebens auf dem Klostergelände und Hinweise zum Motto der Mönche "Bete und arbeite" treten in einen zirkulären Erschließungsprozess ein.



Lernstationen "Rund ums Kloster Amelungsborn"

In zwei Teilgruppen werden anschließend Lernstationen angeboten, an denen die Erkundungen "Rund um die Kirche" und "Im Kirchraum" fortgesetzt werden. Nach der Hälfte der Zeit bis zum gemeinsamen Abendessen findet ein Wechsel statt, so dass alle Teilnehmenden an beiden Lernstationen waren.
 

"Rund um die Kirche"

Die Klosterkirche wird in ihrem äußeren Erscheinungsbild, in ihren Maßen und den zu entdeckenden Spuren der Geschichte in Kleingruppen wahrgenommen, indem

  • bei einem Rundgang um die Kirche erste Eindrücke zum Gebäude gesammelt werden,
  • der Umfang der Kirche mit der (1) Spanne der Arme, (2) mit der Fußlänge, (3) mit einem Maßband bzw. Zollstock oder (4) mit einem Stock, der der Körpergröße eines Gruppenmitgliedes entspricht, gemessen wird,
  • die Höhe der Kirche wird geschätzt durch das Aufsteigen lassen eines mit Helium-Gas gefüllten Luftballons (Helium-Gas ist außer im Fachhandel oft auch in Geschenkartikelläden erhältlich) und durch die Körpergröße eines Gruppenmitgliedes,
  • die Konfirmandinnen und Konfirmanden rund um das Gebäude Hinweise, Zeichen und Spuren zur Entstehung und zur Bedeutung des Kirchengebäudes und der Klosteranlage sammeln: dabei wird jeweils eine Information auf einem Zettel notiert und anschließend auf einer "Wandzeitung" der Chronologie entsprechend sortiert (Papierbogen mit Klebeband an der Außenwand der Kirche befestigen; die einzelnen Zettel nur mit Klebeband befestigen für eine Erweiterung der Informationen bei einem zweiten Sammeln durch die nächste Teilgruppe),
  • Spuren gelebten Glaubens der Gegenwart – z. B. anhand der kleinen Friedhofsanlage – gesucht und auf ihre Bedeutung für den Glauben der Menschen hin befragt werden

     

Zum Abschluss kommt die Teilgruppe im Klostergarten zusammen, um den Kräutergarten in seiner Umgebung zu erkunden. Hier gibt es für jede und jeden eine Tasse heißen Kräutertee zum Riechen, Schmecken und Trinken – verbunden mit Hinweisen zur Bedeutung von Kräutern und Kräutergärten sowie Heilkunde in Klosteranlagen und dem Zusammenleben der klösterlichen Gemeinschaft in Vergangenheit und Gegenwart. ANM 3

Ein den unterrichtlichen Intentionen entsprechend vorbereiteter Arbeitsbogen könnte z.B. folgende Suchaufträge enthalten:
 

Spurensuche rund ums Kloster Amelungsborn

  • Fertigt eine Skizze von der Klosteranlage an und tragt die Bedeutung und Verwendung der einzelnen Gebäude ein.
  • Ermittelt den Umfang des Klosters. Vergleicht die Ergebnisse.
  • Ermittelt die wahrscheinliche Höhe der Kirche. Vergleicht die Ergebnisse.
  • Sucht nach Hinweisen, wann das Kloster und von wem es erbaut worden ist.
  • Sucht nach interessanten oder beeindruckenden architektonischen Besonderheiten. Beschreibt sie oder stellt sie anhand einer Skizze dar.
  • Sucht die 8oo Jahre alte Tür und überlegt, wozu sie einmal gedient haben könnte.
  • Zeichnet die beiden unterschiedlichen Fensterformen der Kirche und stellt Vermutungen zur Baugeschichte an.
  • Sucht nach Spuren des Glaubens in der Klosteranlage (Zahlen, Inschriften, Symbole, Informationen zur Darstellungen).
  • Sucht den Kräutergarten mit den dort gekennzeichneten Kräutern und Blumen. Welche Kräuter sind Euch bekannt? Für welche besonderen Zwecke können sie verwandt werden? Notiert den Namen und den Zweck der Kräuter.
     

"Im Kirchraum"

  • Die Konfirmandinnen und Konfirmanden ziehen vor Betreten des Kirchraumes die Schuhe aus und ziehen mitgebrachte oder bereitgestellte dicke Socken an. Anschließend treten Sie in den Kirchraum, in dem gregorianischer Gesang (CD) zu hören ist, und gehen schweigend im Raum umher zu den Plätzen, die sie besonders interessant finden.
  • Auf ein Zeichen hin (Verklingen des Gesangs – Gong oder Triangel) kommt die Gruppe zusammen und erste Eindrücke zum Raum werden ausgetauscht und auf erste Fragen nach einer Antwort gesucht.
  • Die Innenmaße des Raumes werden erkundet, indem die Länge und Breite des Raumes mit Hilfe (1) eines Maßbandes, (2) der Schrittlänge bzw. Fußgröße oder (3) der Körperlänge ermittelt und die Höhe des Raumes (4) mit einem gasgefüllten Luftballon an verschiedenen Stellen gemessen wird. Es wird ausprobiert, mit wie vielen Teilnehmenden man eine Säule oder den in der Kirche abgetrennten Altarraumbereich - an den Händen gefasst - umfassen kann.
  • Mit dem Bewegungsspiel "Stopp and Go" setzt sich die Raumwahrnehmung fort: hierbei werden bestimmte Bewegungsarten vorgegeben und auf den Zuruf "Stop" abrupt beendet. Dabei verharrt jede und jeder in der momentanen Haltung bis ein weiterer Hinweis zum Bewegen erfolgt (z. B.: durch die Kirche gehen – rennen – stampfen – schleichen – rückwärts laufen – in "Zeitlupe" vorangehen – zu einer interessanten Stelle rennen und dann sich ganz langsam einmal um die eigene Achse drehen – einen Sitz- oder Liegeplatz in der Kirche finden und dort still in den Raum lauschen). Hilfreich ist dabei der Wechsel von schnellen und langsamen Bewegungsformen und ausreichend Zeit zum Schauen und Betrachten während der Bewegung und im Moment des Verharrens an einer Stelle im Kirchraum.
  • Mit dem Spiel "Kameramann/-frau" werden nun in Paararbeit einzelne bildliche Eindrücke gesammelt und besonders wahrgenommen: Einer schließt dabei die Augen und wird vom anderen durch den Raum zu einer besonderen Aussicht oder mit Blick auf ein besonderes Detail geführt. Dort tickt der Führende den bisher blind Mitgehenden vorsichtig an die Schulter, und dieser öffnet solange die Augen und schaut, bis ein erneutes Ticken auf die Schulter die Augen wieder verschließen lassen (Öffnen und Schließen der "Kameralinse"). Anschließend werden die gemachten Entdeckungen mit den damit verbundenen Assoziationen oder auch Fragen in der Gruppe ausgetauscht.
  • Analog zur "Wandzeitung" bei den Erkundungen außerhalb der Kirche (s. o.) werden in einer "Bodenzeitung" Hinweise, Zeichen, Spuren und andere Informationen sowie Fragen über die Geschichte und das Leben in diesem Kirchraum gesammelt, ergänzt und miteinander besprochen. Eventuell werden einzelne Orte, die ein besonderes Interesse geweckt haben, noch einmal gezielt aufgesucht.
  • Zum Abschluss werden mit Hilfe von Butterbrotpapier und Bunt- oder Wachsmalstiften Formen im Kirchraum abgenommen, indem das Papier auf entsprechende Stellen im Raum gelegt und anschließend mit den Stiften vorsichtig darüber gerieben wird. Das Papier kann anschließend auf vorbereitetem farbigen Kartonpapier befestigt und so gut bewahrt werden.
     

Abendandacht zum Abschluss

Nach dem gemeinsamen Abendessen mit gemeinsamem Anfang und Schluss (eventuell im Schweigen und einer das Essen begleitenden Lesung von Texten zu den mittelalterlichen Glasscheiben in der Klosterkirche ANM 4 treffen sich alle Teilnehmenden, um einige Ergebnisse der "Wandzeitung" und der "Bodenzeitung" weiter zu besprechen oder offen gebliebenen Fragen nachzugehen. Möglicherweise ergeben sich hieraus auch Suchaufträge oder weiterführende Aufgaben für die nächsten Treffen in den Konfirmandengruppen.

Anschließend wird nun der Kirchraum erneut betreten für die gemeinsame Feier einer Andacht zum Abschluss der Erkundungen "Rund ums Kloster Amelungsborn". So werden nicht nur Spuren gelebten Glaubens in einem bisher unvertrauten Kirchraum wahrgenommen, erkundet und auf deren Bedeutung hin befragt, sondern die Konfirmandinnen und Konfirmanden tragen zusammen mit den Unterrichtenden ihre eigenen Spuren des Glaubens mit den Liedern und Gebeten in der gemeinsamen Feier in den Kirchraum und seinen Zeichenangeboten mit ein – im Vertrauen darauf, dass "wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind..." Gott mit dabei ist.
 

Verlauf

  • Alle Teilnehmenden ziehen in einer gemeinsamen Prozession mit dem Freischwingenden Kanon "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte" in die Kirche ein und gehen bis zu einem vorbereiteten Stuhlkreis vor dem Altarbereich.
  • Lied: Brich mit dem Hungrigen dein Brot EG 418
  • In der Mitte liegt ein Brot. Auf dieses Brot verweisend wird die Aufgabe gestellt: "Lasst uns dieses Brot miteinander teilen. Eine beginnt und bricht ein Stück Brot ab und bringt es zu jemandem in unserem Kreis. Dieser nimmt das Stück. Vom Brot in der Mitte bricht er ein weiteres Stück ab und gibt es einem anderem im Kreis. Sein Stück Brot kann er dann aufessen. Lasst uns das alles schweigend tun, bis jeder ein Stück Brot erhalten hat."
  • Es folgt ein Austausch über Erlebnisse und Beobachtungen beim Verteilen und Empfangen des Brotes.
  • Anschließend wird die Geschichte vom "Himmel und der Hölle" Material M 2 erzählt und auf die Auswirkungen von gelingender oder scheiternder Gemeinschaft bezogen.
  • Lied: Komm, Herr, segne uns EG 17o
  • Gemeinsames Gebet: Vaterunser im Himmel ...
  • Segen (Dazu stehen alle auf und legen den jeweiligen Nachbarn links und rechts die Hände "stärkend" in den Rücken)

     

M2

Einer, der es wissen wollte, bat Gott einmal darum: "Ich will den Himmel und auch die Hölle sehen." Und Gott erlaubte es ihm. Er führte ihn an einen anderen Ort, da stand mitten in dem Raum ein Topf mit einem köstlichen Essen auf einem Feuer. Ein herrlicher Duft ging von diesem Essen aus und dem, der Himmel und Hölle sehen wollte, lief das Wasser im Munde zusammen. Rund um den Topf saßen Leute, die alle mit langen Löffeln aus dem Essen schöpften. Diese Leute sahen aber blass, abgemagert und erschöpft aus. Auch herrschte eine bedrückende Stille im Raum. Denn – die Stiele der Löffel waren so lang, dass die Leute das Essen nicht in den eigenen Mund bringen konnten.

Und der, der es wissen wollte , fragte Gott: "Was ist das für ein seltsamer Ort?" Und Gott antwortete ihm: "Was du gesehen hast , ist die Hölle."

Dann gingen beide weiter in einen anderen Raum. Auch hier saßen Leute um ein Feuer herum. Auch hier duftete es nach einem herrlichen Essen aus dem Topf über dem Feuer. Auch hier hielten die Leute lange Löffel in den Händen. Doch waren sie wohlauf, satt und zufrieden. Und wenn einer einen Löffel voll von dem Essen wollte, so brauchte er nur ein Zeichen geben und ein anderer reichte ihm mit dem langen Löffel, was dieser begehrte. So sorgte einer für den anderen.

"Das ist ja himmlisch!" rief da der, der es wissen wollte.
 

Anmerkungen

  1. vgl. Thomas Klie u. a., Der Religion Raum geben – Eine kirchenpädagogische Praxishilfe, Loccum 1999.
  2. Bei Beteiligung der Eltern ist es wichtig, im Vorfeld die Möglichkeiten des Einbeziehens genau zu überlegen und rechtzeitig mit den beteiligten Eltern abzusprechen – z. B.: Soll von den Eltern nur ein Fahrdienst erbeten werden? Sollen Eltern bei den Erkundungen beteiligt werden? Soll für die Eltern ein eigenständiges Erkundungsprogramm angeboten werden? Soll es zu einem Austausch der Erfahrungen kommen? Wenn die Möglichkeiten der Tagungsstätte des Klosters nicht in Anspruch genommen werden, sollen Eltern für die Organisation der Gruppenverpflegung gewonnen werden?
  3. Eine kundige Führung durch den Klostergarten kann bei Frau Otten erbeten werden (Kontaktaufnahme über den Klosterküster Herrn Marx 05532/8300). Frau Otten hat darüber hinaus weitere kirchenpädagogische Anregungen für mögliche Begehungen des Klostergeländes und der Kirche zusammengestellt.
  4. vgl. hierzu die meditative Textsammlung zu einzelnen Bildmotiven von Berthold Ostermann, Dieter Schrader (Hg.), Beiträge aus dem Kloster Amelungsborn Band VIII, KWD-Verlag, Göttingen 1996.
  5. Siegfried Macht, Dein Wort ist meines Fußes Leuchte, in: Thomas Klie u. a. (Hg.) (Anmerkung 1), S. 47.
 

Text aus Loccumer Pelikan

1/2001