Die Volxbibel fordert ihre Leserinnen und Leser heraus
Welche Bibel für den Konfirmandenunterricht? – pro Volxbibel

von Katja Jakob

 

Wenn Jesus ablästert: „Hey, ihr müsst echt voll aufpassen, dass ihr nicht so werdet wie die religiösen Profis, diese Pharisäer und TheologInnen“, dann löst das Befremdung aus. Es gibt andere Textpassagen der Volxbibel, die einfach nur eine Zumutung sind. Aber wo steht geschrieben, dass man Konfirmanden und Konfirmandinnen nichts zumuten darf? Die Volxbibel fordert ihre Leserinnen und Leser heraus, sie emotionalisiert, regt auf und begeistert. Sie lässt nicht gleichgültig.

Regelmäßig besuche ich Konfirmandengruppen in Niedersachsen, um mir von den Jugendlichen ihre liebsten Bibelsprüche aus der Volxbibel-Übersetzung vorlesen und ihre Wahl begründen zu lassen. Die dabei entstehenden Aufnahmen werden später als Serie von Hörfunk-Spots bei radio ffn gesendet. Die Erklärung, warum einem gerade dieser eine Vers etwas sagt, ist erfahrungsgemäß das Schwierigste. Die Antwort fällt leichter, wenn der Text Situationen und Themen aus der Lebenswelt der Jugendlichen aufgreift, wie es die Volxbibel tut.

Noch wichtiger scheint mir aber die Auseinandersetzung mit dem Text zu sein, gerade auch mit sperrigen Passagen. Eine Konfirmandengruppe stieß sich an dem Begriff „Halogenlampe“ als Synonym für „Licht der Welt“. Andere Jugendliche finden gerade diese Bezeichnung genau passend für das, was sie sich unter Jesu Wirkung vorstellen.

Bevor ich mit meinem Aufnahmegerät in den Unterricht komme, suchen sich die meisten ihren Lieblingsvers aus der Lutherbibel aus. Wenn sie ihn dann das erste Mal in der Volxbibel-Übersetzung hören, stutzen manche, überlegen und erklären mir, dass sie ihn so nicht mehr als ihren Lieblingsspruch bezeichnen können.

Dann suchen wir nach einem neuen. Oder wir lesen beide Übersetzungen und die Jugendlichen legen dar, warum sie die eine mehr anspricht als die andere. Mehr kann ich mir von Zwölf- bis 14-Jährigen gar nicht wünschen, geschweige denn erwarten.

Die Volxbibel ist kein Ersatz für den Luther-Text. Gerade zum Auswändiglernen und zur Verständigung zwischen den Generationen eignen sich die vertrauten Worte besser.Aber es kann nie schaden zu schauen, wie man eine Geschichte auch lesen kann. Und sei es nur, um sich kritisch davon abzusetzen.

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 1/2011

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