Konfirmandenarbeit als Bildungsarbeit

von Gerd Brinkmann und Sönke von Stemm

 

Die Konfirmandenarbeit in der Hannoverschen Landeskirche soll ein neues Gesetz und neue Rahmenrichtlinien erhalten. Die Entwürfe hierzu werden der Landessynode im November 2010 vorgelegt. Sie sind im Auftrag des Landeskirchenamtes von einer Projektgruppe erarbeitet worden aus Synodalen, Vertreterinnen und Vertretern des Ephorenkonventes, des Landesjugendpfarramtes, der Landesjugendkammer, der Kirchenkreisbeauftragten und der Beratung für die Konfirmandenarbeit sowie des RPI-Loccum mit wissenschaftlicher Begleitung von Prof. Dr. Adam vorgelegt. Ziel ist es, die gegenwärtigen strukturellen, inhaltlichen und pädagogischen Veränderungen in Gesellschaft und Gemeinden mit ihren Auswirkungen auf die Konfirmandenarbeit zu benennen und Orientierungsmöglichkeiten für eine weiterhin erfolgreiche Konfirmandenarbeit zu liefern.

Das Gesetz und auch die Richtlinien dienen dazu, den Prozess der Konfirmandenarbeit zu strukturieren und für alle Gemeinden der Landeskirche gemeinsame Handlungsoptionen im Blick auf die veränderten Rahmenbedingungen aufzuzeigen (siehe die Zusammenfassung im Textfeld). Religionspädagogisch führen die Regelungen die vorausgegangenen Rahmenrichtlinien aus dem Jahr 2000 weiter, indem Konfirmandenarbeit als Bildungsarbeit beschrieben wird. In die Fragen nach einer aktuellen und zukunftsweisenden Konzeption von Konfirmandenarbeit sollen auf diese Weise die religionspädagogischen Erkenntnisse der vergangenen Jahre eingespielt werden. Im Folgenden wird beispielhaft eine zentrale Herausforderung an die Konzeption von Konfirmandenarbeit genannt, um die religionspädagogischen Grundzüge der neuen Rahmenrichtlinien sichtbar zu machen.
 

Neue Rahmenrichtlinien für eine gelingende Konfirmandenarbeit:

Die Gestaltungsfreiheit der einzelnen Gemeinden in der Konfirmandenarbeit bleibt weiterhin gewährleistet, um sicher zu gehen, dass in der Gestaltung der Konfirmandenarbeit vor Ort gerade auch die Gaben der Hauptverantwortlichen und die örtlichen Rahmenbedingungen angemessen berücksichtigt werden können. Die folgenden Punkte zeigen an, um welche organisatorischen und strukturellen Schwerpunkte es den neuen Rahmenrichtlinien geht. Weitere Informationen und den gesamten Text des Gesetzes zur Konfirmandenarbeit sowie der Rahmenrichtlinien finden sich nach Verabschiedung durch die Landessynode unter www.kirche-schule.de:

  • Die Konfirmandenarbeit hat eine klare Struktur und eine festgeschriebene Konzeption (Konfirmandenordnung), deren Grundzüge gemeinsam mit einem Jahresplan den Eltern vor der eigentlichen Konfirmandenarbeit zugänglich gemacht werden.

  • Zur Konfirmandenarbeit wird mit einem persönlichen Anschreiben rechtzeitig eingeladen.

  • Die Vorbereitung auf die Konfirmation in einer professionell begleiteten Konfirmandengruppe hat eine angemessene Gesamtdauer von mindestens 70 Zeitstunden verteilt auf mindestens zwölf Monate.

  • Die Konfirmandinnen und Konfirmanden bestimmen die thematisch-inhaltliche Gestaltung der Konfirmandenzeit mit.

  • Konfirmandengruppen haben eine angemessene Größe (nicht unter sieben Jugendlichen).

  • Die Konfirmandenarbeit ist mit der Jugendarbeit vernetzt. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden erleben (ältere) Jugendliche und werden von ihnen zu Aktionen und Projekten eingeladen.

  • Qualifizierte jugendliche Ehrenamtliche arbeiten in der Konfirmandenarbeit mit.

  • Gottesdienstvorbereitung und die regelmäßige Gelegenheit, Gottesdienste, Andachten etc. mit zu gestalten, sind ebenso Teil der Konfirmandenarbeit wie die Möglichkeit, an diakonischen und anderen Gemeindeveranstaltungen aktiv mitwirken zu können.

  • Die schulische Differenzierung von Jugendlichen nach Leistungsstandards wird nicht übernommen, vielmehr wird eine Inklusive Konfirmandenarbeit ermöglicht.

  • Die Konfirmandenarbeit wird in unterschiedlichen Arbeitsformen durchgeführt, dazu gehören Seminare (mindestens eine dreitägige Freizeit), erlebnisorientierte Arbeitseinheiten sowie unterschiedliche Lernorte.

  • Die Inhalte der Konfirmandenarbeit umfassen drei Dimensionen: die Erarbeitung von Wissen, die Stärkung und Entwicklung der eigenen Persönlichkeit sowie die Partizipation an bzw. die eigene Gestaltung von christlichem Gemeindeleben.

 

Lebens- und Alltagsrelevanz als pädagogische Herausforderung

Neben allen strukturellen und gesellschaftlichen Veränderungen besteht für uns eine der größten religionspädagogischen Herausforderungen in der Frage nach der Lebensrelevanz der Konfirmandenarbeit (vgl. grundsätzlich Schweitzer, Bleibende Aufgaben 2010). Die Konzeption von Konfirmandenarbeit muss sich mit einer an dieser Stelle negativen Beurteilung durch die Jugendlichen selbst auseinandersetzen. So konstatiert die bundesweite Umfrage unter mehr als 11.000 Konfirmandinnen und Konfirmanden aus dem Jahr 2007/2008 bei mehr als der Hälfte aller Befragten die Auffassung, Kirche habe keine Antworten auf die lebensrelevanten Fragen und damit wenig Bedeutung für ihr Leben (vgl. Ilg u.a. 2009, 104ff). Dieses Teilergebnis der Umfrage kann das positive Gesamturteil der Studie über die Konfirmandenarbeit in Deutschland nicht umstoßen. Dennoch hat die Frage nach der Lebensrelevanz weitreichende Konsequenzen vergleichbar allenfalls noch mit der herausfordernden Sicht vieler Jugendlicher und deren Eltern auf den Gemeindegottesdienst (vgl. v. Stemm 2010, 53ff).

 

Konfirmationsvorbereitung als Konfirmandenunterricht oder Konfirmandenarbeit?
Dieses Studienergebnis verdeutlicht die bleibende pädagogische Aufgabe, den Aneignungsprozess innerhalb der Konfirmandenarbeit stärker in den Blick zu nehmen. Wenn nämlich eine Auseinandersetzung mit den Inhalten und Ausdruckformen des christlichen Glaubens aus Sicht der Jugendlichen zu dem Urteil führt, dass kaum Antworten auf die lebensrelevanten Fragen erarbeitet werden konnten, deuten wir das einerseits als Kennzeichen dafür, dass die Jugendlichen bei der Themenauswahl zu wenig beteiligt sind. Andererseits sehen wir, dass vielerorts Konfirmandenarbeit mit dem vordringlichen Ziel betrieben wird, in Form einer Lehrveranstaltung zentrale theologische und ekklesiologische Wissensinhalte darzubieten. Die Konfirmationsvorbereitung besteht hier konzeptionell aus einem Unterricht, der viele Informationen bereit hält, aber wenig Hilfestellungen für den nötigen Lernprozess der Jugendlichen bietet.

Die didaktischen Reformbemühungen, die spätestens in den 70er und 80er Jahren in die Konfirmandenarbeit Einzug gehalten haben, scheinen nicht überall zu greifen. Die Forderung beispielsweise von Weert Flemming aus dem Jahr 1974 hat damit weiter Bestand. Er sieht das Ziel von Konfirmandenarbeit in dem “Lernen, was es heißt, als Christ in unserer Zeit zu leben.” Mit Hilfe von Arbeitsweisen aus der Jugendarbeit hat sich seitdem in vielen Gemeinden der Konfirmandenunterricht zu einer umfassenden Konfirmandenarbeit gewandelt. Dieser Wandlungsprozess scheint jedoch noch nicht abgeschlossen. So hält die EKD-Denkschrift “Glauben entdecken” im Jahr 1998 fest: “Was den Erfolg dieser in erster Linie pädagogischen Reform angeht, ist zwischen Konzeption und Praxis zu unterscheiden. Was »von oben her« vorgegeben wurde, hatte sich »von unten her« zu bewähren. Vielfach mussten und müssen die notwendigen pädagogischen Voraussetzungen bei Pfarrerinnen, Pfarrern und den anderen kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch eine entsprechende Aus- und Fortbildung erst einmal geschaffen werden”. Und für die Gegenwart bestätigt die bundesweite Studie zur Konfirmandenarbeit mit den oben genannten Ergebnissen, dass auch nach weiteren zehn Jahren die Konzeption von Konfirmandenarbeit nach den Prinzipien der pädagogischen und didaktischen Reformen weiter vorangetrieben werden muss.

 

Die falsche Alternative von “Tradition” und “Lebenswelt” überwinden
Steht dieser Aufgabe eine theologisch begründete, Grundhaltung entgegen, die sich eher der “Wort-Gottes-Theologie” verpflichtet fühlt (vgl. die Diskussion der Positionen bei Biehl 2003, 31-36)? Eine Rolle spielt sicher auch, dass aus einem Missverständnis der pädagogischen Forderungen für die Konfirmandenarbeit Konzepte erwachsen sind, die sich nur um sogenannte Lebensfragen der Jugendlichen bemüht haben, ausschließlich problemorientiert und lebensweltorientiert. Zu einer didaktisch orientierten Konfirmandenarbeit gehört es aber, die falsche Alternative von Tradition und Lebenswelt zu überwinden. Es bleibt die Aufgabe, die Inhalte der Tradition als Bestandteil der aktuellen Lebenswelt der Jugendlichen aneignen zu können. Die Jugendlichen müssen beides zusammen denken und zusammenbringen können. Die Konfirmandenarbeit darf die Jugendlichen dabei nicht allein lassen in der Hoffnung, dass sie sich später einmal an die wichtigen Dinge erinnern werden. Mit den Worten der EKD-Orientierungshilfe von 1998 gesprochen, geht es “in der Konfirmandenzeit zukünftig um eine zweigipflige stärkere Konturierung, die gleichzeitig und damit spannungsvoll nach zwei Richtungen vorzunehmen ist. Zum einen sind noch viel entschiedener – und kompetenter – die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen als Subjekte des Lernens ernst zu nehmen. … Zum anderen muss die Kirche sowohl im Felde ihrer mittelbaren pädagogischen Mitverantwortung im gesellschaftlichen Raum (Religionsunterricht, Evangelische Erwachsenenbildung) als auch in ihrer unmittelbaren Bildungsverantwortung im innerkirchlichen Bereich (wie beim Konfirmandenunterricht) kräftiger als bisher die Erfahrungen des christlichen Glaubens zu spüren geben, die »Wohltaten Christi« (P. Melanchthon).”

Die Rahmenrichtlinien für die Konfirmandenarbeit in der Hannoverschen Landeskirche aus dem Jahr 2000 haben sich bemüht, diesen doppelten Perspektivenwechsel in die kirchliche Praxis hineinzutragen. Die zentrale Kategorie war hier die “Subjektorientierung”. Mit den neuen Rahmenrichtlinien wollen wir hier anschließen und die Aufgabe weiter vorantreiben.

 

Bildungsarbeit mit Kopf, Herz und Hand

Um sich diesen und anderen Herausforderungen zu stellen, beschreiben die neuen Rahmenrichtlinien die Konfirmandenarbeit als Bildungsarbeit. Damit kann kein Beitrag zur Diskussion um das Verständnis von Bildung geleistet sein (vgl. Dressler 2006). Vielmehr wird über die Akzentuierung des Bildungsgedankens die zentrale Stellung der Konfirmandenarbeit in den wachsenden Bemühungen um eine kirchliche Bildungsarbeit insgesamt hervorgehoben. Zudem bietet der Begriff “Bildung” die Möglichkeit, die zu entwickelnden Konzeptionen für unterschiedliche didaktische Schwerpunktsetzungen zu öffnen (vgl. die Übersicht über die aktuellen Konzeptionen von Konfirmandenarbeit bei Domsgen/Lück 2008) und setzt dennoch einen gewissen religionspädagogischen Konsens voraus, wie er beispielsweise in der EKD-Orientierungshilfe Kirche und Bildung zusammengefasst ist: “Die in der pädagogischen Tradition gewonnene Einsicht, dass sich Bildung letztlich nur als Selbstbildung vollziehen kann, erhält heute aus verschiedenen Wissenschaften neue Bestätigung, etwa aus der Entwicklungspsychologie oder der Hirnforschung, aber auch aus der Biographieforschung oder aus Systemtheorie und Epistemologie (Autopoiesis, Konstruktivismus usw.). Menschen können nicht als »Objekte« einfach von außen gebildet werden. Bildung wird deshalb verfehlt, wo sie als transitiver Vorgang des »Machens« aufgefasst werden sol.”l (Kirche und Bildung, 46; vgl. zum Konsens in der Religionspädagogik auch Kraft 2005).

Für die neuen Rahmenrichtlinien sind dabei drei Dimensionen einer Konfirmandenarbeit als Bildungsarbeit grundlegend:

 

Bildung umfasst den Erwerb von Wissen und die Entwicklung eigener Positionen
Konfirmandenarbeit als Bildungsarbeit bietet daher Jugendlichen die Möglichkeit, Wissen und Kenntnisse über den christlichen Glauben zu erwerben. Theologisch steht für uns die eigenständige Bejahung der Taufe, der Ausdruck ihrer religiösen Mündigkeit im Zentrum. Konfirmationsvorbereitung ist “nachgeholte Taufkatechese”. Bildungstheoretisch grundlegend bleibt dabei die Subjektorientierung, oder mit anderen Worten: “Es geht nicht darum, einen vorgegebenen, normativen Standpunkt als den wahren zu vermitteln, sondern den Menschen dahingehend zu bilden, einen eigenen Standpunkt auszubilden.” (Gäfgen-Track 2002, 123).

Nach dem oben Gesagten sollen die Jugendlichen darin unterstützt werden, sich selbst religiöses Wissen anzueignen, dieses mit ihrer aktuellen Lebenssituation in Verbindung zu setzen und von daher im Glauben sprachfähig zu werden. Die empirischen Befunde der bundesweiten Studie zur Konfirmandenarbeit machen deutlich, dass die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen hohe Erwartungen an die Inhalte und Themen in der Konfirmandenarbeit hat. (Vgl. Schweitzer/Elsenbast/Kolb 2010, 126f. sowie Konfirmandenarbeit in Deutschland, 72f.). Die Jugendlichen wollen sich innerhalb des evangelischen Glaubens und als Christinnen und Christen in einer pluralen Welt orientieren und benötigen dazu Informationen und Vorbilder. Je nach ihren Lebensbedingungen, nach ihrer Vorbildung und ihren Fähigkeiten ist es hier gefordert zu differenzieren und durchaus unterschiedliche und individuelle Angebote zu machen (zu Jugendlichen mit Behinderungen in der Konfirmandenarbeit vgl. Biesenbach/v. Stemm 2010). Dennoch ist das Ergebnis der bundesweiten Studie herauszustellen, wonach die Jugendlichen großes Interesse auch an den klassischen katechetischen Themen haben: “Vor allem fünf Themenkreise werden von ihnen positiv hervorgehoben: Taufe, Jesus Christus, Sinn des Lebens, Gerechtigkeit und Verantwortung für andere, Freundschaft” (Schweitzer/ Elsenbast/Kolb 2010, 127).

Wichtig ist uns, dass die Lernbedingungen (vgl. auch Beyer-Henneberger 2010) sowie die profilierten Inhalte gleichermaßen im Fokus stehen, wenn gefragt wird, was die Jugendlichen brauchen, um als junge Christinnen und Christen innerhalb und außerhalb der Gemeinde leben zu können. Konfirmandenarbeit als Bildungsarbeit bezieht die Aneignungsprozesse in die inhaltlich-methodischen Überlegungen der gesamten Vorbereitungszeit auf die Konfirmation und der einzelnen Arbeitseinheiten mit ein. Wir wünschen uns dabei einen Schwerpunkt in der Begleitung und Hinführung der Jugendlichen, dazu mit eigenen Positionen Stellung beziehen zu können (vgl. Kraft 2005, 156).

 

Christliche Identität entwickeln und Begleitung erfahren
Eng damit verbunden ist die Dimension der Begleitung in der Konfirmandenarbeit oder aus Sicht der Jugendlichen formuliert: die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit in einem geschützten Rahmen. Nur zwei Prozent aller Konfirmandinnen und Konfirmanden geben an, in den Hauptamtlichen der Konfirmandenarbeit, die ansonsten sehr hoch geschätzt werden (!), eine Seelsorgerin bzw. einen Seelsorger zu sehen. Auch in der Rolle als Lehrender kann Begleitung gelingen. Für die Konfirmandenarbeit zentral ist aber die seelsorgerliche Komponente: Die Jugendlichen erfahren gerade in einer besonderen Lebensphase professionelle Begleitung und erleben eine Gemeinde- bzw. Gruppenzugehörigkeit.

Pädagogisch gesprochen liegt damit ein Schwerpunkt der Konzeptionsarbeit auf den gruppendynamischen Prozessen. “Spaß macht” Konfirmandenarbeit, wenn sich die Jugendlichen als einzelne, als Teil der Gruppe sowie im Gegenüber zu den Mitarbeitenden wohl fühlen und sich gerne mit den Inhalten beschäftigen.

 

Partizipation und Gestaltungsmöglichkeiten des eigenen Glaubens
Als dritter Aspekt einer Konfirmandenarbeit als Bildungsarbeit sei die Lebensgestaltung und Handlungsorientierung genannt. Bildungsarbeit geschieht mit Kopf, Herz und Hand. Kinder und Jugendliche sollen in der Vorbereitung auf die Konfirmation in eine explizit christliche Lebens- und Frömmigkeitspraxis hineingenommen werden. Sie sollen ermutigt und gestärkt werden, ihre Auffassungen vom Glauben und ihre Ausdrucksformen konkret werden zu lassen. Aktionen und Praxisprojekte kennzeichnen daher eine solche Konfirmandenarbeit von Gottesdiensten und Andachten bis hin zu Übungen im Umgang mit Scheitern, Schuld und Vergebung. Wir begrüßen ausdrücklich Erprobungen, in denen die gesamte Gemeinde als Lebensfeld einbezogen wird und möglichst viele Gemeindegruppen und einzelne Gemeindeglieder sich bereit erklären, die Konfirmandinnen und Konfirmanden in ihrer Vorbereitung auf die Konfirmation dadurch zu unterstützen, dass sie an konkreten Aktionen und regelmäßigen Projekten beteiligt werden. Konfirmandinnen und Konfirmanden gestalten und erproben Gemeindeleben.

Die Konfirmandinnen und Konfirmanden sind damit Akteure ihrer Vorbereitung auf die Konfirmation. Sie sind weniger zu beschulende Objekte, sondern vielmehr als Subjekte dieses Bildungsgeschehens ernst zu nehmen. Das zeigt sich in der Mitverantwortung für die Themenauswahl ebenso wie in dem Entdecken der eigenen Gaben und Fähigkeiten, die in die Gemeinde eingebracht werden können.

 

Ideal und Wirklichkeit
Aus den drei oben genannten Kennzeichnungen von Konfirmandenarbeit als Bildungsarbeit ergibt sich, dass diese drei Dimensionen in der praktischen Gestaltung der Konfirmandenarbeit stets zusammengedacht werden sollten. Der Erwerb von Wissen kann nicht losgelöst von der Begleitung der Jugendlichen gedacht werden. Ebenso gehören Möglichkeiten, das Erworbene selbst auszuprobieren und in Andachten oder anderer Gestalt lebendig werden zu lassen, mit dazu. Uns ist daher an einer Verschränkung der oben genannten drei Dimensionen von Bildung in der Gesamtanlage der Konfirmationsvorbereitung gelegen.

Ist damit insgesamt eine Konzeption von Konfirmandenarbeit beschrieben, die unter den realen Rahmenbedingungen umsetzbar ist? Die obige Skizze ist auch vor dem Hintergrund von bewährten und schon längst praktizierten Modelle und Konzeptionen von Konfirmandenarbeit geschrieben. Die neuen Rahmenrichtlinien wollen “ansteckend” wirken, die verbreitete gute Praxis weiter zu entwickeln und ggf. zu übertragen. Hier wie anderswo lehrt die Erfahrung aber auch, dass positive Entwicklungen in der Konfirmandenarbeit auf einer Auseinandersetzung mit den grundlegenden Konzeptionen und einer Reflexion der Zielsetzungen basieren.

 

Literatur

  • Beyer-Henneberger, Ute: “Die können hier richtig was lernen!” – Lernen ermöglichen in der Konfirmandenarbeit, in: T. Böhme-Lischewski, S. v. Stemm, V. Elsenbast, Konfirmandenarbeit für das 21. Jahrhundert. Dokumentation zur EKD-weiten Fachtagung der ALPIKA-Arbeitsgruppe Konfirmandenarbeit vom 4. bis 6. November 2009 im Religionspädagogischen Institut Loccum, Münster 2010, 33-35.

  • Biehl, Peter: Die Gottebenbildlichkeit des Menschen und das Problem der Bildung – Zur Neufassung des Bildungsbegriffs in religionspädagogischer Perspektive in: P. Biehl, K. E. Nipkow, Bildung und Bildungspolitik in evangelischer Perspektive (Schriften aus dem Comenius-Institut 7), Münster 2003, 9-102.

  • Biesenbach, Birgit / v. Stemm, Sönke: Siehst Du mich? – Eine Handreichung zur Inklusiven Konfirmandenarbeit, Darmstadt/Hannover 2010.

  • Domsgen, Michael / Lück, Christhard: Konfirmandenarbeit am Beginn des 21. Jahrhunderts, ThLZ 133 (2008), 1283-1306.

  • Dressler, Bernhard: Unterscheidungen. Religion und Bildung, (ThLZ.F 18/19) Leipzig 2006.

  • Gäfgen-Track, Kerstin: PISA und der Religionsunterricht oder: neue Chancen für einen protestantischen Bildungsbegriff, Loccumer Pelikan 3/2002, 121-126.

  • Ilg, Wolfgang / Schweitzer, Friedrich / Elsenbast, Volker in Verbindung mit Otte, Matthias: Konfirmandenarbeit in Deutschland. Empirische Einblicke – Herausforderungen – Perspektiven. Mit Beiträgen aus den Landeskirchen, (Konfirmandenarbeit erforschen und gestalten, Band 3) Gütersloh 2009.

  • Kraft, Friedhelm: Quo vadis Religionspädagogik? Eine Standortbestimmung aus Sicht der Kindertheologie, Loccumer Pelikan 4/2005, 153-156.

  • Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hg): Glauben entdecken – Konfirmandenarbeit und Konfirmation im Wandel, Gütersloh 1998.

  • Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hg.): Kirche und Bildung – Herausforderungen, Grundsätze und Perspektiven evangelischer Bildungsverantwortung und kirchlichen Bildungshandelns, Güterlsoh 2009.

  • Schweitzer, Friedrich: Konfirmandenarbeit im Umbruch: Bleibende Aufgaben – neue Herausforderungen, in: T. Böhme-Lischewski, S. v. Stemm, V. Elsenbast, Konfirmandenarbeit für das 21. Jahrhundert. Dokumentation zur EKD-weiten Fachtagung der ALPIKA-Arbeitsgruppe Konfirmandenarbeit vom 4. bis 6. November 2009 im Religionspädagogischen Institut Loccum, Münster 2010, 14-22.

  • Schweitzer, Friedrich / Elsenbast, Volker / Kolb, Herbert: Inhalte und Themen, in: Böhme-Lischewski, T. / Elsenbast, V. / Haeske, C. / Ilg, W. / Schweitzer F. (Hgg.): Konfirmandenarbeit gestalten. Perspektiven und Impulse aus der Bundesweiten Studie zur Konfirmandenarbeit in Deutschland (Konfirmandenarbeit erforschen und gestalten, Band 5), Gütersloh 2010, 125-136.

  • v. Stemm, Sönke: Mercy is falling – Gottesdienste für und mit Konfirmandinnen und Konfirmanden, in: Böhme-Lischewski, T. / v. Stemm, S. / Elsenbast, V.: Konfirmandenarbeit für das 21. Jahrhundert. Dokumentation zur EKD-weiten Fachtagung der ALPIKA-Arbeitsgruppe Konfirmandenarbeit vom 4. bis 6. November 2009 im Religionspädagogischen Institut Loccum, Münster 2010, 53-58.

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 4/2010

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