Unser Weihnachts-Kalender-Erzähl-Bastel-Buch

von Ilka Kirchhoff

 

 

Man nehme... nein, jetzt kommt kein neues Plätzchenrezept, aber eine Idee für die Vorweihnachts- und Weihnachtszeit.

Grundlage ist ein alter Wandkalender mit Spiralbindung. Das Titelblatt wird prächtig verziert und geschmückt mit Goldfolie, einer Weihnachtspapiercollage oder einer Stoffapplikation.

Dann wird jeweils auf die umgeschlagene Seite der Text, die Arbeitsanweisung oder ähnliches geklebt. Diese Seite liegt später beim Vorlesen auf den Oberschenkeln der Lehrerin/des Lehrers. Die dann herunterhängende Seite erhält ein passendes Bild.

Ein solches Buch kann wachsen, jedes Jahr können neue Seiten dazukommen. Es kann uns begleiten durch die Grundschul- oder Orientierungsstufenzeit. Wir können es gemeinsam gestalten, auf die Suche gehen nach guten Ideen.

Vielleicht steuert ja eine nette Großmutter doch noch ein Plätzchenrezept dazu...

Wir möchten Ihnen bei den ersten drei Seiten helfen.

Seite 1: Deckblatt (s. oben)

Seite 2: Die Geschichte vom Heiligen Nikolaus

Seite 3: Bild Nikolaus (vergrößern, farbig gestalten)

Seite 4: Fantasiereise: Licht im Kirchenfenster

Seite 5: Bild Westfenster Dom Osnabrück

Seite 6: Text und Noten des Kanon "Stille, stille, werdet leise" von W. + M. Pusch

Seite 7: Weihnachtsbild eines Alten Meisters

Eine Fundgrube für neuere Weihnachtsgeschichten ist das neue Vorlesebuch Religion 1 (erschienen 1996), S. 274 - 297.

 

Die Geschichte vom Heiligen Nikolaus

Vom Heiligen Nikolaus wissen wir sehr wenig: Dass er Bischof von Myra war (das ist eine Stadt, die in der heutigen Türkei ist), dass er um das Jahr 350 n. Chr. starb (also vor mehr als 1600 Jahren). Und wir kennen sehr viele Geschichten, die berichten, wie viel Gutes er den Menschen tat. Diese Geschichten wurden immer wieder- und weitererzählt, vielleicht wurde etwas hinzugefügt, noch wunderbarer gemacht. Sicher ist, dass die Menschen solche Geschichten nur von ganz außergewöhnlichen Personen weitergeben.

Eine dieser Nikolauslegenden möchte ich euch erzählen:

Lange hatte es in Myra nicht mehr geregnet. Das Getreide vertrocknete auf den Feldern, die Tiere und die Menschen hungerten. Es gab nichts mehr, was man hätte essen können.

Da kamen eines Tages Schiffe in den Hafen von Myra, vollbeladen mit Korn. Das hörte der Bischof Nikolaus. Schnell lief er zum Hafen (obwohl Bischöfe eigentlich nur sehr würdevoll schreiten!). Und er war noch ganz außer Atem, als er den Schiffsführer fragte: "Guter Mann, die Menschen in Myra hungern. Könnt ihr uns einen Sack Getreide abgeben?" "Aber wo denkt ihr hin?", antwortete der Seemann. "Das Korn muss ich nach Konstantinopel bringen. Es ist ganz genau gewogen, da darf kein bisschen fehlen."

Inzwischen waren einige Einwohner Myras zum Hafen gelaufen. Hungrig und blass standen sie bei ihrem Bischof. Würde er den Schiffsführer überreden können, ihnen auch nur etwas abzugeben? Aber das wäre bestimmt nicht genug für alle...

Da hörten sie, wie Nikolaus sagte: "Gib uns von deinem Korn. Du tust es für die Hungernden. Das wird dein Schaden nicht sein." Und wirklich ließ der Schiffsführer einige Säcke an Land bringen. Nikolaus verteilte alles. Als die Schiffe in Konstantinopel ankamen, wurden sie entladen, die Säcke wurden gezählt und gewogen. Es fehlte nichts!

Die Menschen in Myra aber lebten von diesem Korn zwei Jahre lang. Es war sogar noch genug da, um die Felder neu zu bestellen. Dann regnete es wieder, und die Hungersnot hatte ein Ende.

Die Menschen aber erzählten überall von dem guten Nikolaus, und sie sagten: "Lieber Heiliger Nikolaus, hilf uns, dass wir alle Menschen so lieben, wie du es getan hast."

 

Licht im Kirchenfenster

Ich möchte euch mitnehmen in eine schöne große alte Kirche. Das ist der Dom in Osnabrück. Wuchtig stehen die beiden Türme rechts und links vom Eingang. Wir ziehen unwillkürlich den Kopf ein, wenn wir durch die schwere Holztür gehen. Draußen war es laut, Autos, Menschen, Trubel - hier drinnen ist es still, dämmrig. Da brennen ein paar Kerzen und verbreiten ein dämmriges Licht. Jeder geht langsam, spricht leise oder gar nicht. Wir sehen die großen Heiligenfiguren an den Säulen, majestätisch schauen sie auf uns herab. Wir gehen bis zum Altar, betrachten die Bilder, die Kerzen und Blumen. Und dann gehen wir wieder zum Ausgang, den breiten Mittelgang hinunter. Da scheint uns ein vielfarbiges Licht entgegen: leuchtende Farben, rot, blau und gelb. Die Sonne leuchtet durch das runde Westfenster, und jede kleine Glasscheibe strahlt...

Dieses Fensterbild können die Schüler ausmalen. Wenn man es auf Architektenpapier kopiert, strahlt es fast so schön, wie das im Dom. (Achtung! Die Kopien müssen erst trocknen, bevor man sie aufeinanderlegt.) Man kann auch normales Papier nehmen und nach dem Malen alles vorsichtig mit Öl bestreichen. Je mehr Bilder im Fenster hängen, desto schöner ist der Gesamteindruck.

 

Text aus Loccumer Pelikan

4/1996