"Hoffnungslichter" ein Anspiel für VorkonfirmandInnen für einen Adventsgottesdienst

von Ute Beyer-Henneberger
 

 

„Die realistische Erzählung von der Geburt im Stall und seiner Vorgeschichte: Das ist Verheißung und Warnung zugleich.“ W. Jens [1]

Das bewusste Erleben und Mitgestalten des Kirchenjahres gehört zu den Anliegen der Konfirmandenzeit. Vielen Kindern und Jugendlichen sind die kirchlichen Feste und Feiertage fremd; sie kennen sie vor allem aufgrund der Ferienregelungen. Szenische Anspiele können eine Hilfe sein, ihnen die Hintergründe der Feste mit ihren heiligen Geschichten nahe zu bringen und zur Auseinandersetzung mit ihnen einzuladen. Besonders die Advents- und Weihnachtszeit bietet sich dazu an, da viel Material zur Verfügung steht. [2]

Das folgende Anspiel für 6 Jugendliche thematisiert die Diskrepanz zwischen der Unwirtlichkeit und Wirklichkeit unserer Welt und der Verheißung von Gottes Nähe. Es gibt eine christologische Antwort, die auch von Vorkonfirmand/innen verstanden werden kann und eine Diskussion ermöglicht.

Das Spiel eignet sich gut für den Einsatz in einem Adventsgottesdienst. So bietet sich zudem die Möglichkeit, die Konfirmandenarbeit als Teil des Gemeindelebens für alle sichtbar und erfahrbar werden zu lassen.

Text:

Ein Anspiel für Advent (aus dem Dekanat Kronberg)

4 Lichtträgerinnen / 2 Sprecherinnen


1. Sprecherin: 

Im Advent zünden wir wieder unsere Lichter an. Im Schein der Kerzen sitzen wir allein oder in der Familie wieder beieinander – Gedanken werden wach, die aus der Stille kommen:
eine zögerndes Vertrauen, ein leises Freuen,
eine Sehnsucht nach Frieden, ein vorsichtiges Hoffen.
Aber dann?!
Dann erwachen wir:
Die Lichter sind aus – das Fest ist vorbei,
hart und fordernd tritt uns der Alltag entgegen.
Es ist wieder kalt und dunkel und einsam um uns; als hätten wir geträumt. Haben wir tatsächlich geträumt? Sollte das stille Licht der Zuversicht nur eine Illusion sein, aus der es ein schmerzliches Erwachen gibt?
Wir wollen uns fragen, was die Lichter des Advents bedeuten könnten.
 

1. Lichtträgerin

Dieses Licht heißt Vertrauen. Es brennt, weil es etwas Kostbares ist, wenn Menschen einander vertrauen: Frau und Mann, Eltern und Kinder, Nachbarinnen und Freude oder Freundinnen, Kolleginnen, Kollegen und Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter, auch die Glieder einer Gemeinde. Vertrauen ist etwas Kostbares.
 

 2. Sprecherin:       

Halt! Lösch dein Licht aus! Denn Vertrauen gibt es nicht unter Menschen. Heute misstraut doch einer dem anderen. Jede und jeder hat ihre oder seine Hintergedanken. Harte Urteile fällen wir laut oder leise übereinander. Vorsicht ist geboten! Am besten, du machst einen großen Bogen um deinen Nächsten, um deine Nächste, denn du kannst ja nicht wissen... Das Vertrauen ist ausgegangen wie eine Kerze. Lösch aus dein Licht! (ruft) Auslöschen! (pustet das Licht aus)
 

1. Sprecherin:  

Was bedeutet dieses Licht?'
 

3. Lichtträgerin:

Dieses Licht bedeutet Freude. Es brennt, weil zu Weihnachten bei vielen Menschen die Freude einzieht. Die Kinder sind voller Erwartung. Sie werden wieder lachen und singen und spielen. Und die Erwachsenen werden sich mit den Kindern freuen, denn Weihnachten ist Freudenzeit!
 

2. Sprecherin:

Halt! Das Licht darf nicht weiter brennen. Lest ihr keine Zeitungen? Seht ihr nicht die Tagesschau? Wisst ihr denn nicht, das Tausende von Kindern in aller Welt nichts zu lachen haben? Sie haben ihre Eltern verloren – sie haben Hunger und weinen. Es gibt keine Freude – auch bei uns nicht. An ihre Stelle ist der Überfluss getreten, der zum Überdruss geworden ist. Freude? Dass ich nicht lache! Sie ist eine Selbsttäuschung, Reklame, Illusion! Lösch dein Licht aus! (ruft) Auslöschen! (pustet das Licht aus)
 

1. Sprecherin:

Was bedeutet dieses Licht?
 

2. Lichtträgerin:

Dies ist das Licht des Friedens. Es brennt, weil Menschen einander lieben und sich gegenseitig helfen. „Friede auf Erden“ heißt es zur Weihnachtszeit.
 

3. Sprecherin:

Halt! Dein Licht darf nicht weiter brennen! Denn wo ist Friede, wirklicher Friede? – wo haben die Menschen Zeit und Verständnis füreinander? – Ihr braucht nicht erst auf die Kriegsschauplätze zu blicken. Schaut ins eigene Herz! Wie fängt der Tag an? Ist dein Herz davon bewegt, mit allen Menschen im Frieden zu leben? Wir wollen den Frieden „sicherer“ machen, aber wir lieben den Streit. Nichts nehmen wir ohne Widerstand hin, alles wird unter die Lupe der Lieblosigkeit genommen und kritisiert oder belächelt: die Menschen und ihre guten Absichten, das Können und der Erfolg anderer; die Alten streiten mit den Jungen, und die Jungen mit den Alten; die Parteien lassen kein gutes Haar aneinander und die Kirchen können sich nicht vertragen. Friede unter uns? – Lösch dein Licht! Auslöschen! (pustet das Licht aus)
 

1. Sprecherin:

Nun brennt nur noch dieses eine Licht. Was bedeutet es?
 

4.  Lichtträgerin:

Dies ist das Licht der Hoffnung. Es darf nicht ausgelöscht werden! Es brennt, weil die Mutter immer noch hofft auf das Vertrauen ihres Kindes, weil der Vater immer noch hofft, dass der Sohn wieder heimfindet, weil Enttäuschte immer noch hoffen, dass ihre Wunden heilen, und weil Gebundene immer noch hoffen, dass sie frei werden.
 

1. Sprecherin:       

Halt! Nicht auslösen! Das Licht darf nicht ausgelöscht werden! ES KANN AUCH NICHT AUSGELÖSCHT WERDEN!

Denn das Licht der Hoffnung hat Gott selbst angezündet! Und wollt ihr wissen wo? – Im Stall zu Bethlehem! Da ist Gottes Licht in unsere Welt gekommen: unsere einzige Hoffnung! Dieses Licht kam verborgen und kommt bis heute verborgen, fern vom Geschrei der Welt und ihrer aufdringlichen Lichtreklame. Es kommt zu allen denen, deren Leben von Finsternis und Todesschatten gezeichnet ist. Es ist die einzige Hoffnung für unsere Welt und alle Menschen, die darin leben. Weil es dieses Weihnachtslicht gibt, deshalb dürfen wir unsere Kerzen wieder anzünden – aufgerichtete Zeichen des Vertrauens trotz Hass und Missgunst, der Freude auch unter Tränen und Leid, des Friedens mitten im Streit. Es ist kein Traum! Es ist wahr, so wahr es Weihnachten wurde: das Licht scheint in der Finsternis. Und weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsere Nacht nicht traurig sein.

(Die Kerzen werden wieder angezündet)
 

Lied:

Weil Gott in tiefster Nach erschienen...

Anmerkungen

  1. Zit. nach Erk, W.: Alles reift, um Gabe zu werden, Stuttgart 1994, S. 204
  2. Von Krippenspielen, Märchen bis hin zu Lichtertänzen. Viele der Veröffentlichungen stammen aus dem katholischen katechetischen Bereich
 

Text aus Loccumer Pelikan

4/2001