Glücksarchiv – Bilder gelingenden Lebens:
Eine Lernstraße zum Thema Glück

von Ute Beyer-Henneberger

 

„Ein Gesicht bekommt ein Mensch, nicht indem er sich im Spiegel betrachtet,
sondern indem er auf etwas sieht, etwas wahrnimmt,
von etwas gebannt ist, was außerhalb seiner selbst ist.
So lernt der Mensch, sich von außen zu verstehen:
von der Kraft seiner Mütter und Väter her,
von der Kraft seiner Brüder und Schwestern.
Der Glaube, der Mut, die Hoffnung bauen sich von außen.“1
(Fulbert Steffensky)


Das Thema Glück wurde in der Theologie und Religionspädagogik eher stiefmütterlich behandelt. In Dogmatiken sucht man das Stichwort vergeblich. Aber auch in der Bibel findet man lediglich im Alten Testament 34 Eintragungen, für das Neue Testament sind keine Eintragungen zu finden. 1

Offensichtlich lässt sich der leidende Gottessohn Jesus Christus nicht mit einer wie auch immer gearteten Vorstellung vom Glück in Verbindung bringen so vermutet Jörg Lauster, der mit seiner Veröffentlichung „Gott und das Glück“ ein Gegengewicht zum bisherigen Trend setzt. 2

Denn die Frage nach dem Glück und dem gelingenden Leben gehört zu den zentralen Fragen der Menschen in Vergangenheit und Gegenwart. Sie berührt individuelle, spirituelle und gesellschaftlich-ökonomische Aspekte. Welche wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen brauchen Menschen, um ein glückliches Leben führen zu können? Ist jeder seines Glückes Schmied und was kann ich selber zu meinem Glück tun oder lassen? Hilft mein Glaube bei der Suche nach einem glücklichen Leben? 

Bisher waren es in erster Linie die Philosophie und die Psychologie, die sich des Themas angenommen haben. Einer der ersten Forscher auf dem Gebiet der Glücksforschung war der Psychologe Martin E. P. Seligmann, der sich der Frage angenommen hat, warum Optimisten länger leben. 3 span>

 

Psychologische Einsichten

Seligmann hat in psychologischen Tests Menschen befragt und beobachtet, die nach eigenen Einschätzungen ein glückliches und zufriedenes Leben führten. Als ein Erfolgsrezept stellte sich heraus, dass diese Menschen um ihre besonderen Stärken, die so genannten Signaturstärken. 4 wussten und diese auch in ihrem beruflichen wie privaten Umfeld nutzen konnten. Seligmann hat 24 Tugenden und Stärken evaluiert, die sich verschiedenen Kategorien wie Weisheit und Wissen, Humanitas und Liebe, Mäßigung, Gerechtigkeit etc. zuordnen lassen. 5

Lebt ein Mensch mit diesen Stärken, so steigt die Lebenszufriedenheit und das Glücksgefühl. „Ich glaube, dass jeder Mensch einige Signaturstärken besitzt. Dies sind die Charakterstärken, die das Wesen eines Menschen ausmachen. Das weiß der oder die Betreffende auch selbst, darüber freut man sich, und wenn man es richtig macht im Leben, dann verwirklicht man seine Hauptstärken jeden Tag im Beruf, in der Liebe, in der Kindererziehung. Meine Formel für ein gutes Leben lautet: Bringen Sie Ihre Signaturstärken jeden Tag und in Ihren wichtigsten Lebensbereichen ein, um eine überreiche Belohnung und authentisches Glück zu erlangen

Eine andere Einsicht bezieht sich auf die Haltung zur eigenen Vergangenheit. Ist sie geprägt von Dankbarkeit und richtet sie den Fokus auf das Gelungene und Schöne, ist sie ein wichtiger Verbündeter gegen die nur allzu menschlichen Haltung, die negativen Erfahrungen primär zu speichern. Drei Wege helfen nach Seligmann, mehr Glück über die Vergangenheit zu empfinden: Erstens die Ideologie aufgeben, dass die Vergangenheit die Zukunft bestimmt, hier also einen kausalen Zusammenhang suchen oder herstellen zu wollen. Zweitens empfiehlt er, mit einem anderen Blick auf die Vergangenheit zu schauen.

„Indem Sie Ihre Dankbarkeit für das Gute in Ihrer Vergangenheit vergrößern, intensivieren Sie positive Erinnerungen und drittens: indem Sie lernen, wie man vergangene Übeltaten vergibt, entgiften Sie jene Bitterkeit, die Zufriedenheit unmöglich macht.7

Nahe liegend ist dann das Bemühen, einen positiven Blick in die Zukunft und Zuversicht zu gewinnen. Kernpunkt ist dabei, negative und pessimistische Zukunftsvorstellungen als solche zu erkennen und zu klären. 8

Stefan Klein ergänzt mit seiner Veröffentlichung 9 die durch Tests entwickelten Erkenntnisse durch Einsichten der Hirnforschung. Hirnphysiologische Untersuchungen ergaben, dass sich das Gehirn je nach persönlicher Lebenssituation und Lebenszufriedenheit neu organisiert. So hat man bei depressiven Menschen ein Absterben von Gehirnzellen beobachtet; bei zufriedenen, glücklichen Probanden aktivierten sich bestimmte Zentren, und neue Neuronen werden gebildet 10

Gefördert werden kann dieser Prozess durch sportliche Aktivitäten, Sexualität und Erotik, Herausforderungen im Alltag und das Aufgehen in ihnen (Geheimnis des Flow), Solidarität mit anderen Menschen und die Aufgabe der Selbstbezogenheit, die Kontrolle negativer Emotionen, Vielfalt und die Erfahrung, in der Gesellschaft ein selbst bestimmtes Leben führen zu können.  

Am wichtigsten für das Wohlbefinden aber ist unser Verhältnis zu anderen Menschen. Freundschaft und Liebe mit Glück gleichzusetzen, ist keineswegs übertrieben. Die Aufmerksamkeit, die wir den Menschen in unserer Nähe schenken, kommt unserer eigenen Stimmung zugute. 11 

Zusammenfassend kann man sagen: Menschen sind durchaus ihres Glückes Schmied. Sie können durch ihre inneren Haltungen, ihre Lebensführung und ihr Verhalten viel dazu tun, dass ihr Leben befriedigend, sinnvoll und glücklicher verläuft. Beide Autoren richten dabei ihre Aufmerksamkeit auf Erfolgsrezepte, die glückliche Menschen in ihrem Alltag praktizieren. Sie zu nutzen, ist sinnvoll und kann helfen, das Leben glücklicher zu führen.



Theologische Einsichten


Glück in theologischer Perspektive hat eine spirituelle Dimension, die sich im Gottesbezug der glaubenden Menschen findet. 

In den Geschichten des Alten Testaments wird das eigene Leben mit allen glücklichen und schwierigen Tagen gedeutet als Gabe Gottes. So wird Josef als glücklich in Ägypten beschrieben, weil Gott bei ihm war und sein Geschick lenkte. Gott ist der Geber allen Glücks. Es lässt sich erfahren in Gütern und Widerfahrnissen, die auf den Geber selbst verweisen, also auf ihre transzendente Herkunft hin durchsichtig werden. Glück ist damit immer Ausdruck einer erfüllten Gottesbeziehung, und der Lebensgewinn der Religion gestaltet sich konkret als Lebensmut und Gottvertrauen. 12 

Im Neuen Testament wird zwar an keiner Stelle das Wort glücklich benutzt, dennoch wird das Lebensgefühl beschrieben. Die Seligpreisungen (Mt 5) oder die Geschichte vom verlorenen Sohn (Lk 15, 11-32) zeichnen Bilder gelingenden Lebens, in denen ein neuer Anfang geschenkt wird und eine Welt entworfen wird, in der Menschen Solidarität und Gerechtigkeit leben und erfahren können. Mit Jesus und seiner Vision des Reiches Gottes kommt ein neues Lebensgefühl in die Welt, das mit einer Umwertung der Werte, dem Durchbrechen des Kausalitätsprinzips von Schuld und Strafe und dem Aufscheinen größerer Lebenshorizonte verbunden ist. Denn dort, wo der Mensch den letzten Grund der ihn tragenden Wirklichkeit berührt und danach handelt, gewinnt er sich selbst über das hinaus, was ihm als Durchsetzung endlicher Wünsche und Interessen wichtig erscheint, und wird so zu einer Selbstlosigkeit höherer Ordnung befreit. Es ist der Aspekt einbrechender Unverfügbarkeit und aufleuchtender Transzendenz, der das urchristliche Verständnis vom guten und glückenden Leben offensichtlich so schwer mit dem Konzept in Einklang bringen lässt, das unter dem Glück des Menschen die durch eigene Anstrengung zu erzielende Realität seiner besten ihm innewohnenden Anlagen versteht. Darin liegt sicher auch einer der Gründe, die im jüdisch-urchristlichen Kontext die großen Vorbehalte gegen den griechischen Begriff eudaimonia genährt haben. 13 

Glück aus theologischer Perspektive wird man daher immer auch als Transzendenzerfahrung beschreiben. In erfüllten Momenten leuchtet ein anderer, die eigene Wirklichkeit überbietender Horizont auf. Eine Dimension unbedingten Sinns bricht in die Lebensführung des Menschen mit allen Kontingenzen herein. Im Augenblick dieses Glücks weiß der Mensch sich aufgehoben in einer ihm wohlwollend zugewandten, guten Wirklichkeit. 14 Es ist dabei nach Lauster ein Zeichen der Gottebenbildlichkeit des Menschen, dass er dieses Streben nach Glück in sich trägt und nach Sinn sucht. In Momenten gelingenden Lebens werden Mut und Vertrauen geschenkt, die vielleicht die einzige Basis sind, optimistisch und zukunftsoffen durch das Leben zu gehen. Allerdings ist dieses Glück unverfügbar, nicht durch eigene Anstrengung zu erreichen. Es bleibt ein Fragment.   

Lauster beschreibt daher die Aufgabe der Religion in der Frage des Glücks folgendermaßen: „Man spricht gemeinhin davon, die Aufgabe der Religion bestünde darin, die Komplexität der Wirklichkeit zu reduzieren, um so dem Menschen Übersicht zu geben. Im Falle des Zusammenhangs von Gott und Glück wird man umgekehrt argumentieren müssen: Religion erhöht die Komplexität des Glücks, um die Übersicht über das, was sich die Menschen unter dem Glück und seiner Erreichbarkeit vorstellen, in Frage zu stellen. Eine religiöse Deutung verabschiedet das Glück nicht – wie in der Moderne häufig geschehen - aufgrund der Tatsache, dass es offensichtlich so schwer oder gar nicht zu erreichen ist. Ebenso wenig beschränkt sie sich nicht einfach auf die Feststellung, das Glück sei unverfügbar. Einem religiösen Verständnis zufolge begegnet der Mensch vielmehr im Glück einem Überschuss an Wirklichkeit und einem Mehrwert des Lebens, der ihn ahnen lässt, dass dieses Glück nicht nur von dieser Welt ist.“ 15

Es ist dabei nach Lauster ein Zeichen der Gottebenbildlichkeit des Menschen, dass er dieses Streben nach Glück in sich trägt und nach Sinn sucht. In Momenten gelingenden Lebens werden Mut und Vertrauen geschenkt, die vielleicht die einzige Basis sind, optimistisch und zukunftsoffen durch das Leben zu gehen. Allerdings ist dieses Glück unverfügbar, nicht durch eigene Anstrengung zu erreichen. Es bleibt ein Fragment.

Lauster beschreibt daher die Aufgabe der Religion in der Frage des Glücks folgendermaßen: „Man spricht gemeinhin davon, die Aufgabe der Religion bestünde darin, die Komplexität der Wirklichkeit zu reduzieren, um so dem Menschen Übersicht zu geben. Im Falle des Zusammenhangs von Gott und Glück wird man umgekehrt argumentieren müssen: Religion erhöht die Komplexität des Glücks, um die Übersicht über das, was sich die Menschen unter dem Glück und seiner Erreichbarkeit in Frage zu stellen. Eine religiöse Deutung verabschiedet das Glück nicht … aufgrund der Tatsache, dass es offensichtlich so schwer oder gar nicht zu erreichen ist. Ebenso wenig beschränkt sie sich nicht einfach auf die Feststellung, das Glück sei unverfügbar. Einem religiösen Verständnis zufolge begegnet der Mensch vielmehr im Glück einem Überschuss an Wirklichkeit und einem Mehrwert des Lebens, der ihn ahnen lässt, dass dieses Glück nicht nur von dieser Welt ist.“



Das Glück als Thema einer Lernstraße

Auch Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I und in der Konfirmandenzeit sind auf der Suche nach Perspektiven für ihr eigenes Leben. Sie gewinnen immer mehr Eigenständigkeit, suchen Bilder gelingenden Lebens und gehen der Frage nach, was zu einem glücklichen Leben führt.16

Die ausgeführte Lernstraße nimmt das Thema in den verschiedenen theologischen, psychologischen, philosophischen, in Teilen auch populärwissenschaftlichen Aspekten auf. Sie stellt verschiedene Wege, Theorien und Bilder gelingenden Lebens vor und lädt zur Auseinandersetzung und eigenen Stellungnahme ein. Dabei geht es nicht um die Verabsolutierung einer Perspektive – etwa der theologischen, sondern um Informationen über und den Vergleich der unterschiedlichen „Erfolgsrezepte zum Glück“. Dabei ist es mir wichtig, Jugendlichen eine Alternative zu dem Zwang zu bieten, seines eigenen Glückes Schmied zu sein und sich damit selbst zu überfordern.



Methodische Überlegungen

Der zeitliche Rahmen sollte eine Doppelstunde umfassen, damit die einzelnen Stationen in Ruhe bearbeitet werden können. Für die Konfirmandenarbeit bietet sich ein Vor- oder Nachmittag an.

Der Rahmen einer Lernstraße mit vier Stationen wurde gewählt, weil er den Schülerinnen und Schülern verschiedene Zugangswege zu der Thematik sowohl im Blick auf die Themen, aber auch in der Methodik erschließt. Dies liegt besonders in Konfirmandengruppen nahe, die sich in der Regel durch eine große Heterogenität auszeichnen; aber auch in Schulklassen finden sich bekanntlich sehr unterschiedliche Lerntypen, für die verschiedene Zugangswege hilfreich sind.



Die Stationen

Station 1: Brettspiel Glücksarchiv
Sozialform: Gruppenarbeit (5 Personen)
Zeitrahmen: 20 Minuten 

Die spielerische Form des Brett- und Würfelspiels nimmt verschiedene Perspektiven der Frage nach dem Glück und dem Glücklichen Leben auf: So sind persönliche Einschätzungen und Stellungnahmen zu philosophischen oder (populär-)wissenschaftlichen Aussagen gefragt (vgl. Ereigniskarten Kant, Seneca etc.), die Jugendliche mit fremden Lebenskonzepten bekannt machen sollen und vielleicht Neugier wecken. Aufgaben zu biblischen Fragestellungen nehmen theologische Fragestellungen auf und bringen die Frage nach Gott und dem Glück ins Spiel. Auch hier soll es darum gehen, zu eigenen Reflexionen anzuregen und zu ersten Antworten zu kommen. Märchen (z.B. Hans im Glück), Alltagswissen und -erfahrungen und manche „Schicksalsschläge“ im Spielverlauf sollen für den nötigen Spaß im Spielverlauf sorgen.

Ziel des Spieles ist es, fremde Glückskonzepte zur Kenntnis zu nehmen, Reflexionen und Diskussionen anzuregen über die Frage anzuregen, wie ich mir ein glückliches Leben vorstelle.


Station 2: Meditation zu Psalm 139
Sozialform: Einzelarbeit
Zeitrahmen: 15 Minuten

War die erste Station stark durch Dialog und Gruppenarbeit geprägt, soll die zweite eine Einzelarbeit sein. Es geht um die persönliche Auseinandersetzung mit dem 39. Psalm und dem Dank an Gott für das Geschenk des eigenen Lebens, das der Beter des Psalm für sich als Bekenntnis zu auszusprechen vermag. Das ist sicher nicht für alle Jugendlichen plausibel und in dieser Phase der Entwicklung vorbehaltlos nachzusprechen. Dennoch ist es sinnvoll, den Gedanken zur Kenntnis zu nehmen und zu bedenken, sich als gelungenes Geschöpf Gottes, wunderbar gemacht mit Leib und Seele zu verstehen. Die Meditation mit Musik und kreative Gestaltungsmöglichkeit im Malen eines Bildes sollen den Rahmen für diese Nachdenklichkeit schaffen.

Jugendlichen, aber auch nicht wenigen Erwachsenen fällt es oftmals schwer, persönliche Bekenntnisse offen auszusprechen. Daher ist nach der Phase der individuellen Erarbeitung des Psalms eine kreative Ausdrucksmöglichkeit vorgesehen, aber kein Austausch in der Kleingruppe über die entstandenen Bilder und die damit verbundenen Gedanken und Gefühle.


Station 3: Der verlorene Sohn – eine Standbildarbeit
Sozialform: Gruppenarbeit (5-7 Personen)
Zeitrahmen: 30 Minuten

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn enthält gerade in der Versöhnungsszene am Ende ein starkes Bild von Glück und Versöhnung. Gerade auf dem Hintergrund von Scheitern wird ein neuer Anfang geschenkt. Ein neues Leben ohne Festlegung auf Scheitern und Lebenschancen, die vertan sind, wird dem Zurückkehrenden eröffnet. Glück erscheint hier in der Gebrochenheit, im Gewinnen von Autonomie, die um die Begrenztheit der eigenen Möglichkeiten weiß. Jugendlichen eine Ahnung von dieser Dimension des Glücks zu vermitteln, die nicht nur auf Gelungenes setzt, sondern auch das Scheitern und Versagen im Blick hat, halte ich für wichtig. Die Standbildarbeit ermöglicht einen emotionalen Zugang und einen Rollen- und Perspektivenwechsel, der über das intellektuelle Erarbeiten hinausgeht.


Station 4: Glücksrezepte
Sozialform: Gruppenarbeit (5 Personen)
Zeitrahmen: 15 Minuten

Die Glücksrezepte  nehmen wichtige und hilfreiche Erkenntnisse der Psychologie auf, die das Leben erleichtern und glücklicher sein lassen können – so belegen es jedenfalls Befragungen und Tests. Bei dieser Station soll es darum gehen, die Erkenntnisse der Psychologie kennenzulernen und auf die Plausibilität für das eigene Leben zu prüfen. Daher soll ein Ranking erstellt werden. Im Austausch mit den anderen Gruppenteilnehmern sollen verschiedene Wege und Lebensperspektiven aufscheinen. Auch hier ist der Ansatz bei den zunächst fremden Konzepten; vermutlich werden aber manche Jugendliche Übereinstimmungen, aber auch Widersprüche zu ihren Lebenserfahrungen entdecken. Hier geht es nicht um richtig oder falsch, sondern um Verbindendes und Unterschiedliches, denn Menschen haben unterschiedliche Lebenserfahrungen, auch die Jugendlichen der 7. Jahrgangstufe. Die Offenheit für ganz andere Ideen soll ausdrücklich gewahrt sein.

Ergänzt werden können diese Lernstationen durch weitere wie die Gestaltung der Seligpreisungen oder des Märchens „Hans im Glück“.
Die abschließende Auswertung kann in Form eines Schreibspiels geschehen, in dem die Berührungspunkte und die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Perspektiven herausgearbeitet werden. Die Form sich überschneidender Kreise kann eine Anregung sein, um die Schnittmenge zwischen den verschiedenen Perspektiven herauszuarbeiten. Eine andere Form, die auf das persönliche Resümee abzielt, ist ein Brief an einen Freund/eine Freundin, in dem der Verfasser, die Verfasserin Hinweise für den Weg zu einem glücklichen Leben gibt.

Nenne zwei glückliche Menschen aus der Bibel.

Rücke drei Felder vor.
Fällt dir niemand ein, fünf Felder zurück.

Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch die Vernachlässigung kleiner Dinge.
(Wilhelm Busch)

Stimmt diese These? Begründe deine Meinung! Rücke bei Anerkennung der Argumentation durch die Gruppe sieben Felder vor.

Du hättest einen Menschen glücklich machen können, es aber nicht getan.

Gehe acht Felder zurück!

Du hast Glück!

Einfach so drei Felder vor!

Erzähle eine Begebenheit, bei der du einen Menschen glücklich erlebt hast.

Rücke vier Felder vor!

Erzähle eine Begebenheit, wo du selber glücklich gewesen bist.

Rücke vier Felder vor!

Erzähle das Märchen vom „Hans im Glück“!

Wenn du es kennst und erzählen kannst, rücke sieben Felder vor!

 

Das Glück, das mich gestern geküsst hat, ist heute schon zerronnen.
(Heinrich Heine)

Stimmt die These? Begründe deine Meinung. Bei Anerkennung deiner Argumente durch die anderen, rücke sechs Felder vor!

Dass andere Leute kein Glück haben, finden wir sehr natürlich, dass wir selber keines haben, erscheint uns immer unfassbar.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

Stimmt die These? Begründe deine Meinung. Bei Anerkennung durch die anderen rücke sechs Felder vor!

Nenne ein Glückssymbol!

Rücke zwei Felder vor!

Kennst du ein Glücksrezept?

Wenn ja, erzähle davon und rücke vier Felder vor!

Jesus begegnete vielen Menschen und hat sie glücklich gemacht.

Erzähle eine Geschichte davon.
Rücke fünf Felder vor!

Manchmal stellen sich Menschen selbst ein Bein.

Welche Rezepte kennst du zum Unglücklichsein?
Rücke für jedes Rezept ein Feld vor!

 

Man soll dort bleiben, wo man sich glücklich fühlt. Glück ist ein transportempfindliches Möbelstück.
(Mangham)

Stimmt die These? Begründe deine Meinung!
Rücke bei Anerkennung der Argumentation durch die anderen zehn Felder vor.

Du hast Pech gehabt!

Rücke einfach so zehn Felder zurück!

Kein anderes Glück empfind‘ ich als zu lernen.
(Petrarca)

Stimmt die These? Begründe deine Meinung!
Rücke bei Anerkennung der Argumentation durch die anderen fünf Felder vor.

Frage einen/eine deiner Mitspieler, wann er/sie in der vergangenen Woche glücklich war.

Rückt beide fünf Felder vor!

Im Alten Testament wird von glücklichen und unglücklichen Menschen erzählt.

Nenne zwei, die unglücklich waren.
Rücke drei Felder vor!

Frage eine/n deiner Mitspieler/innen, wie du ihr/ihm einen Gefallen tun kannst.

Wenn du ihn erfüllen kannst, rücke drei Felder vor.

In der Bibel erzählen Menschen davon, dass Gott sie glücklich gemacht hat.

Erzähle eine Geschichte!
Wenn du eine weißt, rücke fünf Felder vor!

 

Der Besitz macht uns nicht halb so glücklich, wie uns der Verlust unglücklich macht.
(Jean Paul)

Stimmt die These? Begründe deine Meinung!
Bei Anerkennung der Argumentation durch die anderen rücke vier Felder vor.

Heute bist du mit dem falschen Fuß aufgestanden, nichts gelingt.

Rücke zehn Felder zurück!

Nenne ein Sprichwort zum Thema Unglück.

Rücke drei Felder vor!

Jeder ist seines Glückes…

Ergänze das Sprichwort!
Bei richtiger Antwort rücke ein Feld vor!

Singe ein Lied, in dem „Glück“ vorkommt!

Rücke fünf Felder vor!

Nenne eine der Seligpreisungen aus dem Neuen Testament!

Bei einer richtigen Antwort rücke fünf Felder vor!

Manche Menschen tragen einen Talisman. Warum?

Rücke pro Antwort ein Feld vor!

Ohne Gefährten ist kein Glück erfreulich.
(Seneca)

Stimmt die These? Begründe deine Meinung!
Rücke bei Anerkennung der Argumentation durch die anderen fünf Felder vor.

Wenn du am glücklichsten bist, sieht dich Gott. (Bantu-Weisheit)

Stimmt das Sprichwort? Begründe deine Meinung!
Rücke bei Anerkennung der Argumentation durch die anderen rücke Felder vor.

Wir sind nicht auf der Welt, um glücklich zu werden, sondern um unsere Pflicht zu erfüllen.
(Immanuel Kant)

Stimmt die These? Begründe deine Meinung!
Rücke bei Anerkennung der Argumentation durch die anderen fünf Felder vor.

 

M 1
Station 1: Brettspiel Glücksarchiv

Das Spielbrett sollte mindestens 100 Felder (70 normale und 30 Ereignisfelder) umfassen.
Die Form und Gestaltung ist frei wählbar.

Spielregeln für das Glücksarchiv:

  1. Um zu starten, musst du eine Sechs würfeln. (Drei Versuche).
  2. Bei einer Sechs noch einmal würfeln. Kommst du durch den Sechser-Wurf auf ein Ereignisfeld, erst eine Karte ziehen.
  3. Triffst du auf den Spielstein eines Mitspielers, hast du die Wahl:
    •    Du kannst ihn rauswerfen oder
    •    Ihm/ihr eine Frage stellen, die dich schon immer interessiert hat. Antwortet er/sie, darf er/sie ein Feld vorrücken.
  4. Gewonnen hat, wer als Erster das Ziel erreicht.

 

M 2
Station 2: Meditation zum 139. Psalm

Anleitung zur Station 2:

  1. Durchgang:   Bitte, lies die Worte des 139. Psalms.
  2. Durchgang:   Gehe durch den Raum und lies die Worte laut, die dir besonders gefallen.
  3. Durchgang:   Unterstreiche die Worte, die dich irritieren.
  4. Durchgang:   Unterstreiche die Worte, die du nicht verstehst.
  5. Durchgang:   Lies die Psalmworte noch einmal, wie sie dort stehen.

Nimm dir ein Blatt Papier und male ein Motiv aus dem Psalm. Wenn du magst, höre dabei Musik.

Psalm 139, 11-17
11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –,
12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.
13 Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.
14 Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
15 Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde.
16 Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.
17 Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß! 

 

M 3
Station 3: Der verlorene Sohn – eine Standbildarbeit

Anleitung zur Station 3:

  • Folgt der Anweisung zur Standbildarbeit.
  • Bitte lest die Geschichte vom „verlorenen Sohn“.
  • Bestimmt eine Szene, die ihr darstellen wollt.
  • Bestimmt einen Baumeister/eine Baumeisterin, die mit euch als Material ein Standbild gestaltet; es können weitere Requisiten genutzt werden.
  • Ihr könnt einzeln eure Rollen und Positionen verlassen, damit alle das Standbild vollständig betrachten können.
  •  Der Baumeister/die Baumeisterin kann durch Antippen einzelne Figuren zum Leben erwecken und sie etwas fragen.

Auswertungsfragen:

  • Was habe ich in der Rolle erlebt? – Gedanken – Gefühle – Assoziationen
  •  Glück bedeutet in dieser Geschichte …

 

M 4
Station 4: Glücksrezepte

Anleitung zur Station 4:

  1. Lies die von Glücksforschern entwickelten Glücksrezepte.
  2. Bringe sie in eine Reihenfolge nach ihrer persönlichen Bedeutung für dich unter der Fragestellung: Um glücklich leben zu können ist für mich am wichtigsten: …
  3. Lege die Karten in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit.
  4. Stellt euch eure Ergebnisse vor.
  5. Kommt darüber ins Gespräch, was euch verbindet und unterscheidet. Vielleicht fehlt euch ja auch noch etwas.

 

Genieße den Augenblick!
Achtsamkeit und volle Konzentration auf das, was gerade passiert, ganz bei der Sache bleiben, ohne dabei an etwas anderes zu denken erzeugt Flow und damit auch Glück.

 

Beziehungen zu Menschen haben oberste Priorität!
Menschen fühlen sich am häufigsten und intensivsten glücklich, wenn sie mit anderen zusammen sind. Liebe, Freundschaft, Geselligkeit, Kameradschaft sind auch im Zeitalter des Individualismus das beste Mittel für Glück.

 

Konzentriere Dich auf das Wesentliche
Für viele in den westlichen Industrieländern sind die Möglichkeiten, das Leben zu gestalten, fast unbegrenzt, sofortige Bedürfnisbefriedigung ist garantiert. Der ungebremste Hedonismus kippt um in sein Gegenteil: Anhedonie, die Unfähigkeit, Freude empfinden oder genießen zu können. Die Gegenstrategie lautet: Nicht wahllos konsumieren, die Bedingungen des Genießens kontrollieren, sich auf das Wesentliche konzentrieren, sich der Dauerberieselung und Überfütterung entziehen.

 

Fordere Dich in Arbeit und Freizeit!
Das Ausreizen der eigenen Talente und Fähigkeiten führt zu Flow und Stolz auf die eigene Leistung und steigert das Selbstwertgefühl.

 

Tue so, als ob Du glücklich wärst, und Du wirst es sein!
Z. B. verändert Lächeln unsere Stimmung, egal ob es ein echtes Lächeln ist oder nicht, Der Glücksforscher David Myers sagt dazu: „Going through the motions triggers the emotions.“

 

Übe Dich in Gelassenheit!
Das Glück lässt sich nicht erzwingen. Verzichten- und Aufschiebenkönnen, sich nicht unablässig als Nabel der Welt sehen führt zu mehr Glück. Glück bedeutet, nicht von sich selbst besessen zu sein.

 

 Anmerkungen

  1. Vgl.  Jörg Lauster, Gott und das Glück. Das Schicksal des guten Lebens im Christentum, Gütersloh 2004, 11.
  2. Vgl. Martin E.P Seligmann,  Der Glücksfaktor. Warum Optimisten länger leben, Ulm 2005.
  3. A.a.O., 221ff.
  4. Um einen Überblick zu verschaffen, seien die Signaturstärken vollständig aufgeführt: Neugier, Lerneifer,  Urteilskraft, Kreativität, Intelligenz, Weitblick, Tapferkeit, Durchhaltekraft, Integrität, Mensche
  5. Vgl.  Calver Bibelkonkordanz, Stuttgart 1983, 431f.
  6. nfreundlichkeit, lieben und sich lieben lassen, Staatsbürgertum, Fairness,  Selbstkontrolle, Klugheit, Bescheidenheit, Schönheitssinn, Dankbarkeit, Optimismus, Spiritualität, Vergebung, Humor, Begeisterung, a.a.O., 256f.
  7. A.a.O., 258f.
  8. A.a.O., 143.
  9. A.a.O., 166ff
  10. Vgl. Stefan Klein, Die Glücksformel, Reinbeck bei Hamburg 2002.
  11. Vgl. a.a.O., 210 ff.
  12. Vgl. a.a.O., 283.
  13. Vgl. Lauster, a.a.O., 23.
  14. Vgl. a.a.O., 35f. Vgl. 174f.
  15. A.a.O., 190.
  16. Ebd., S. 190.
  17. Vgl. Michaelsen, Susanne: „… damit ich mich nach der Schule nicht hetzen muss.“ Eine Schülerbefragung zu Konfirmandenunterricht und Ganztagsschule, in: Loccumer Pelikan 1/07, S. 34ff., insbesondere Anm. 6.
  18. Quelle: www.gluecksarchiv.de (in Auszügen).
 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 3/2007

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