Die Ballonreise

von Dietmar Peter

 

“Die Ballonreise ist ein Praxisbaustein der Arbeitshilfe “Fremde Nächste – Unterrichtsmaterialien für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe I”, Loccum 1999 zu beziehen beim:

Religionspädagogisches Institut Loccum
Uhlhornweg 1012
31547 RehburgLoccum
Telefon: 05766/81-139
Fax: 05766/81-184 , EMail: RPI.Loccum@evlka.de
 

Die Ballonreise ist eine gute methodische Möglichkeit, Kinder und Jugend­liche mit der Unterschiedlichkeit des Mitein­anderumgehens in verschiedenene Ländern vertraut zu machen. Exemplarisch dafür steht die Be­grüßung.

Für die Ballonreise wird an geeigneter Stelle im Klassenraum mit einem Seil ein Kreis gelegt, in dem alle Kinder der Klasse stehend Platz finden. Der Kreis steht für den Korb des Ballons.

Vor der Reise werden die Kinder mit den Begrüßungsformeln der einzelnen Länder vertraut gemacht. Die Ballonreisetraut gemacht. Anschließend erfolgt die Reise in mehreren Abschnitten. Im Wechsel gibt es Phasen, in denen die Kinder im “Korb” des Ballons  ste­hen und zu einem anderen Land fahren, um dann wiederum den Ballon zu verlassen, und sich gegenseitig entsprechend der Begrüßungsformel des bereisten Landes zu begrüßen. Dabei gehen die Schüler um den Ballon herum.

Sinnvoll ist es, die Begrüßungsphasen mit Musik des bereisten Landes zu unterlegen. So werden die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern noch deutlicher. Während der Ballonflugphasen  wiederholt sich eine dafür ausgesuchte geeignete Musik.

Als Variante können die Kinder selbst von Reisen oder ihren Heimatländern und den dort anzutreffenden Be­grüßungen berichten, entsprechende Musik mitbringen und diese in die Reise mit einzubauen. 

Nachstehend Reise ist als Vorschlag zu verstehen und den jeweiligen Gegebenheiten in der Klasse (Nationalitäten und Urlaubserfah­rungen der Kinder) anzupassen.

Begrüßungsformeln, die zunächst vorzustellen und einzuüben sind:

Indien: Die Kinder legen die Hände vor der Brust zusam­men und sagen “Namaste” (Betonung auf der letzten Silbe).

Tibet: Zur Begrüßung zeigen die Kinder sich ihre Zungen, die im Mund nach hinten gerollt sind. Damit zeigen sich die Menschen in Tibet, daß sie nicht von einem Dämon befal­len sind, der die Zungen schwarz färbt.

Japan: Hände flach auf die Ober­schenkel legen, in der Hüfte einknicken und mit geradem Oberkörper verbeugen. Dabei lächeln und “sajo­nara” sagen.

Tansania: Die Kinder reichen sich die Hände, schütteln sie, um sie dann mit den Fingern, die zu einer Kralle ge­formt sind, zu verhaken.  Anschließend schlagen sie sich gegenseitig auf die Handinnenflächen. Dabei sprechen sie die Begrüßungsformel: Frauen werden mit “jambo bibi” begrüßt, Männer mit “jambo bwana”.

SaudiArabien: Die Kinder führen ihre rechte Hand nacheinander an die Stirn, die Lippen und die Brust und dann den Arm in einer weit ausholen­den Bewegung seitlich nach hinten. Anschließend sagen sie einander “sa­lam”.


Abheben vor der Schule

Wir stehen in einem Ballon. Langsam hebt er von der Wiese vor der Schule ab. Die Schule wird kleiner. Sie ist kaum noch zu sehen. Manchmal schwankt der Ballon ein wenig und wir schaukeln leise mit. Wir können uns auch bei unseren Nach­barn festhalten, wenn uns schwindlig wird.
Wir fahren nach Südosten und merken, daß es immer wär­mer wird.

 Musik
Jan Garbarek: Visi­ble World (ECM 1996),
ca. 25 Sekunden

Indien

Wir sind in Indien gelandet und grüßen die Menschen, die uns begegnen, auf landesübliche Art: Wir legen die Hände zur indischen Grußhaltung vor der Brust zusammen und sa­gen: Namaste (Betonung auf der letzten Silbe), was man übersetzen kann mit: “Ich grüße das Licht in dir”.

 Musik
Charlie Mariano & the Karnataka Col­lege of Percussion (veraBra records 1990),
ca. 35 Sekunden

Zwischenspiel Ballonreise

... dann wird es merklich kälter

 Musik
Jan Garbarek: Visi­ble World (ECM 1996),
ca. 25 Sekunden

Tibet

Wir sind auf Schneebergen in Tibet gelandet. Die Sonne scheint und die Menschen sitzen vor ihren Häusern und la­chen uns freundlich an. Zur Begrüßung zeigen sie uns ihre Zungen, die im Mund nach hinten gerollt sind. Damit zeigen sie, daß sie nicht von einem Dämon befallen sind, der die Zungen schwarz färbt. Wir grüßen natürlich genauso freund­lich zurück...

 Musik
Jo Hassell: Ba Ben­zélé (PVC 1981),
ca. 35 Sekunden

Zwischenspiel Ballonreise

... wir fahren nun weiter nach Osten

 Musik
Jan Garbarek: Visi­ble World (ECM 1996),
ca. 25 Sekunden

Japan

Wir landen morgens um 4 Uhr auf einem schneebedeckten Hügel in Japan, direkt nebenan ZenKloster. Die Mönche werden gerade mit Trommeln zur Frühmeditation gerufen. Sie kommen in ihren schwarzen Kimonos und ihren kahlgescho­renen Köpfen schnell in den Zendo, den Meditationsraum, den sie nach bestimmten Ritualen betreten. Sie haben nur wenig Zeit, sich auf ihr rundes schwarzes Kissen zu setzen und dann unbeweglich sitzenzubleiben, sowie der Gong er­tönt. Dann beginnen sie die MorgenSutren zu rezitieren... Wir setzen uns ebenso hin und hören eine Weile zu... Dann erheben wir uns leise und gehen hinunter in den nächsten Ort und verabschieden uns von den Mönchen.
Hände flach auf die Oberschenkel legen, in der Hüfte ein­knicken und mit geradem Oberkörper verbeugen, dabei lä­cheln und sagen: sajonara.

 Musik Stefan Micus: Ocean (ECM 1986),
ca. 35 Sekunden

 

 

 

Zwischenspiel Ballonreise

.. nun geht es weiter in ein Land, das auf der anderen Seite vom RPI auf der Erdhalbkugel liegt ...

 Musik
Jan Garbarek: Visi­ble World (ECM 1996),
ca. 25 Sekunden

Australien

Wir landen in der Nähe des Ayers Rock. Wir setzen uns und bestaunen dieses Wunderwerk der Natur. Die Sonne scheint uns ins Gesicht. Wir genießen die Wärme und lassen es uns gut gehen.

 Musik
Out of Spain (Dieter Fuchs): Somos (Sandburg 1994),
ca. 35 Sekunden

Zwischenspiel Ballonreise

.. weiter geht es schnell Richtung Westen  ...
... unter uns tauchen Elefanten und Giraffen auf ein paar Löwen dösen in der Sonne

 Musik
Jan Garbarek: Visi­ble World (ECM 1996),
ca. 25 Sekunden

Tansania

Während der Ballon nach unten schwebt, hören wir schon die rhythmischen Trommeln. Wir fühlen uns ermuntert, uns da­nach zu bewegen. Es ist ein mitreißender, fröhlicher Rhyth­mus. Wenn wir anderen Menschen begegnen, spielen wir mit ihnen ausgiebig das Begrüßungsritual, daß sehr vielfältig und variabel ist.
Hand nehmen und schütteln, dann mit den Fingern, die zu einer Kralle geformt sind, verhaken, anschließend sich ge­genseitig auf die Handinnenflächen schlagen und dann wie­der von vorn... Frauen begrüßen wir mit “jambo bibi” und Männer mit “jambo bwana”.

 Musik
Drums of Make­buko: Burundi (1977)
ca. 35 Sekunden

 

 

 

 

Zwischenspiel Ballonreise

... weiter geht es nach Nordost ...

 Musik
Jan Garbarek: Visi­ble World (ECM 1996),
ca. 25 Sekunden

SaudiArabien

Wir landen in der arabischen Wüste, nicht weit von einer Oase entfernt, denn wir können in der Ferne den Ezan hören, den islamischen Gebetsruf, der fünfmal am Tag ertönt und die Menschen zum Gebet auffordert oder in die Moschee ruft.
Wir hören eine Weile zu und gehen dann weiter bis zur Oase und grüßen die Menschen dort mit “salam” (Friede), indem wir unsere rechte Hand nacheinander an die Stirn, die Lippen und die Brust führen und dann den Arm in einer weit ausho­lenden Bewegung seitlich nach hinten führen, salam sagen und uns dabei verbeugen.

 Musik
Rahib AbouKhalil: Roots & Sprouts (MP 1990),
ca. 35 Sekunden

 

 

Zwischenspiel Ballonreise

... von hier fahren wir weiter nach Norden, in das Land, das die Christen und Juden das Heilige nennen

Musik
Jan Garbarek: Visi­ble World (ECM 1996),
ca. 25 Sekunden

Israel

Wir sind in einem kleinen Dorf in der Nähe von Jerusalem gelandet. Wir hören Musik, folgen ihr und sehen, daß eine jüdische Hochzeit gefeiert wird. Die Gastgeber bitten uns, dazuzukommen und wir begrüßen alle mit shalom.

 Musik
Gioria Feidman: Yiddish Soul (World Network 1993),
ca. 35 Sekunden

 

Zwischenspiel Ballonreise

.. nun kommen wir in ein Land, in dem viel gefeiert wird ...

 Musik
Jan Garbarek: Visi­ble World (ECM 1996),
ca. 25 Sekunden

Griechenland

Nun kommen wir in ein Land, in dem viele Feste gefeiert werden, die sich oft über Tage hinziehen.
Wir haben Glück: Ein Dorf feiert gerade die Rückkehr eines Gastarbeiters aus Deutschland. Bei diesem Fest wird natür­lich lecker gegessen, getrunken und getanzt. Wir tanzen mit... Dann gehen wir weiter und schauen uns im Ort um.

 Musik
Mikis Theodorakis: Alexis Zorbas (For­tuna)
ca. 50 Sekunden

 

 

Zwischenspiel Ballonreise

.. von hier geht es weit nach Westen ...
... wir überqueren den Atlantik ...

 Musik
Jan Garbarek: Visi­ble World (ECM 1996),
ca. 25 Sekunden

USA

Wir sind auf die vielbefahrenen Broadway gelandet. Da die Menschen hier wenig Zeit haben, geht die Begrüßung schnell. Wir bummeln kurz die Straße entlang und fahren dann direkt weiter. (Begrüßung: nach freier Wahl)

Musik
Glenn Miller: Moon­light Serenade

 

Zwischenspiel Ballonreise

.. wir fahren weiter nach Süden

 Musik
Jan Garbarek: Visi­ble World (ECM 1996),
ca. 25 Sekunden

Kolumbien

Wir sind auf dem Dach des Goldmuseums in Bogotá gelan­det. Wir besuchen das Museum, besichtigen Teile des Schatzes von El Dorado und betreten dann den Platz vor dem Museum. Dort spielt Joe Arroyo, einer der bekanntesten Salsamusiker Kolumbiens, mit seiner Gruppe. Wir bewegen uns ein wenig mit zur Musik, begrüßen uns mit buenas dias und sind traurig, da unsere Reise langsam zu Ende geht. Der Ballon wartet schon für die Abreise zum RPI.

Musik
Joe Arroyo: Echao Pá Ante (Fuentes 1990),
ca. 50 Sekunden

Zwischenspiel Ballonreise

Der Ballon schwebt Richtung Osten. Bald schon erkennen wir die Wiese vor der Schule. Sanft gleitet der Ballon zur Erde. Wir steigen aus und setzen uns in unserem Klassenraum auf unsere Plätze. Nun haben wir noch ein wenig Zeit, um über unsere Reise nachzudenken.

 Musik
Jan Garbarek: Visi­ble World (ECM 1996),
ca. 3 Minuten 25 Sekunden