Ein interreligiöses Eltern-Kind-Projekt in einer evangelischen Kindertagesstätte

von Ralf Rogge 

 

Geschildert wird ein Nachmittag der Begegnung für Eltern und Kinder in der Kindertagesstätte der Evangelisch-lutherischen St. Johanneskirchengemeinde in Wunstorf-Barne. So sah die in verschiedenen Sprachen gedruckte Einladung zu diesem Nachmittag der Begegnung aus, zu dem etwa einhundert Eltern und Kinder kamen. Ziel war es, einen Raum der Begegnung zu schaffen, in dem Eltern etwas von ihrem religiösen und kulturellen Hintergrund den anderen Eltern und Kindern zeigen können. Dies sollte durch Eltern selbst geschehen.

Einladung

Liebe Eltern,

Am Mittwoch, den … von 16.00 – 17.30 Uhr wollen wir gemeinsam
mit Eltern und Kindern einen Tag der Begegnung veranstalten.

Unter dem Motto:

Viele Religionen und Kulturen unter unserem Dach!
Was wir feiern – was wir glauben!

In unserer Kindertagesstätte kommen täglich viele unterschiedliche Menschen aus anderen Kulturen und anderen Glaubensrichtungen zusammen. Wir möchten miteinander ins Gespräch kommen, etwas
von den Inhalten der verschiedenen Religionen hören, sehen und wahrnehmen. Für die Kinder gibt es Bastel- und Spielangebote. Auch soll das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen. Es werden verschiedene Spezialitäten aus fernen und nahen Ländern angeboten.

Wir hoffen, dass dieses Angebot auf ihr Interesse trifft und Sie mit Ihren Kindern zu diesem Termin ins Gemeindezentrum St. Johannes kommen.

Viele Grüße vom Vorbereitungsteam

 

Vorbereitung

An zwei Studientagen hatte sich das Team der Kindertagesstätte mit dem Thema „Viele Religionen unter unserem Dach“ beschäftigt. Am Ende stand die Idee für einen Nachmittag der Begegnung. In einem zweiten Schritt wurden Eltern aus den jeweiligen Kulturkreisen gefragt, ob sie sich an der Vorbereitung dieses Nachmittags beteiligen wollten. Überraschend war die große Aufgeschlossenheit der gefragten Eltern. Ein gemeinsamer Vorbereitungskreis wurde gebildet.

 

Struktur und Ablauf

Im Saal des dicht neben der Kindertagesstätte gelegenen Gemeindezentrums wurden vier „Religionstische“ von den Eltern aufgebaut. Es gab einen russisch-orthodoxen Tisch, einen muslimischen, einen buddhistischen und einen evangelisch/katholischen Tisch. Mitgebracht hatten die Eltern Fotos, heilige Schriften, religiöse Gebrauchsgegenstände, Statuen und Bilder. Es gab ein Büfett mit Spezialitäten aus den verschiedenen Kulturkreisen, das ebenfalls von den Eltern hergerichtet wurde, eine Ecke mit Spiel- und Bastel­angeboten und einen „Kinoraum“.

Nach Begrüßung und einem Mitmachlied stellte jeweils eine Mutter von jedem „Religionstisch“ den anderen Eltern und Kindern mit Fotos etwas aus ihrer Religion und ihrem Herkunftsland vor. Die Fotos wurden mit einem Beamer vergrößert. Jede Vorstellung dauerte drei bis vier Minuten. Gezeigt wurden Bilder einer Moschee, Kirche und Tempel, aber auch private Bilder von einer russisch-orthodoxen Tauffeier. Danach konnten sich alle stärken, spielen und an den „Religionstischen“ ins Gespräch kommen und die mitgebrachten Gegenstände genauer betrachten. Nach neunzig Minuten wurde der Nachmittag der Begegnung mit einem Liedermedley beendet.

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 3/2011

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Ralf Rogge ist Dozent am Religionspädagogischen Institut Loccum für den Bereich Elementarpädagogik.