„Erzählst Du uns heute wieder eine Geschichte?“ Passion und Ostern im Kindergarten – ein Projektbericht

von Ham Cordes

 

Ostereier färben, Osternester basteln, Ostersträuße schmücken, Oster- und Frühlingslieder singen – die Wochen vor Ostern bieten Kindern wie Erzieherinnen und Erzieher im Kindergarten vielfältige Möglichkeiten zur Vorbereitung des Osterfestes. Doch während das Osterfest und die damit verbundenen Vorbereitungen große Kreativität freisetzen, stellt die Beschäftigung mit den zum Passions- und Osterzyklus gehörigen biblischen Geschichten vor grundsätzliche Fragen.

Kann, darf, soll man Kinder im Kindergartenalter überhaupt mit der Passions- und Ostergeschichte in Berührung bringen? Wie ist mit solchen Aspekten umzugehen, bei denen differenzierte historische und theologische Urteile oder Deutungen unerlässlich erscheinen: wie z. B. der Frage nach der Verantwortung für den Tod Jesu oder nach der Bedeutung des Abendmahls oder des Kreuzestodes? Welche Methoden und Formen ermöglichen es den Kindern, die Geschichten zu entdecken, eigenen Eindrücken und Einsichten Ausdruck zu verleihen? Ausgehend von diesen Fragen habe ich im Frühjahr 2010 gemeinsam mit zwei Erzieherinnen des Kindergartens Neddenaverbergen (Landkreis Verden) ein Projekt für die Passions- und Osterzeit konzipiert und durchgeführt.

 

Methodische Erläuterungen

Das zentrale Ziel des Projekts besteht darin, die Kinder mit ausgewählten Abschnitten der Passionsgeschichte bekannt zu machen und ihnen vielseitige Möglichkeiten zu einer ersten persönlichen Aneignung wesentlicher Inhalte anzubieten. Um den Kindern eine schnelle Gewöhnung an den äußeren Rahmen und die verwandten Methoden zu ermöglichen, folgen alle vier Einheiten demselben Verlaufsmuster. Der erste Hauptteil beginnt mit der Begrüßung der Kinder durch einen Mitarbeiter. Es folgt ein Lied, dem sich die Erzählung am Bodenbild anschließt. Den zweiten Hauptteil bildet ein auf die Erzählung abgestimmtes Bastelangebot. Ein gemeinsamer Abschluss jeder Einheit nach der kreativen Phase ist denkbar.

 

Erzählung mit Bodenbild

Die vier ausgewählten Abschnitte der Passionsgeschichte werden von einem Erzieher erzählt (Erzählvorschläge vgl. M 1); in Anlehnung an die von Franz Kett entwickelten Methoden wird die Erzählung mit der Entwicklung eines Bodenbilds verbunden. Dieses soll die Kinder dabei unterstützen, sich über das bloße Hören der Geschichten hinaus eine eigene Vorstellung von ihnen zu bilden und an ihrer erzählerischen (Aus-)Gestaltung mitzuwirken. Das Bodenbild wird auf dem Fußboden aufgebaut und hat eine Größe von ca. zwei mal drei Metern, so dass sich die Kinder darum setzen können. Vier unterschiedlich farbige Flächen aus Krepp-Papier bilden die Grundfläche und gliedern das Bild in vier gleich große Teile.

Erste wichtige Stationen der Gesamterzählung sind bereits aufgebaut: im ersten Segment (Untergrundfarbe Grün) eine angedeutete Stadtmauer Jerusalems, im zweiten Segment (Untergrundfarbe Lila) der Saal für das Abendmahl und ein Palast sowie auf dem Übergang vom zweiten zum dritten Segment eine Tribüne; im dritten Segment (Untergrundfarbe Schwarz) eine Kreuzigungs-Stätte, gegebenenfalls auf einem angedeuteten Hügel; im vierten Segment (Untergrundfarbe Weiß) eine Felsenhöhle.

Mit Hilfe einer Schablone (M 2) haben wir unterschiedlich große schematische Menschenfiguren gebastelt und im Bodenbild eingesetzt. Bewusst verzichteten wir auf die weitere Ausgestaltung der Figuren; lediglich mit der Farbwahl (gelb für Jesus und seine Jünger, eine dunkle Farbe für die Gegner; lila für Pilatus, weiß für den Engel in der Ostergeschichte) setzten wir einen gestalterischen Akzent. An jedem Projekt-Tag wird ein Abschnitt der Passions- und Ostergeschichte erzählt und werden gemeinschaftlich mit den Kindern in dem dazu gehörigen Segment des Bodenbildes Orte, Landschaften und Personen aufgebaut, gegebenenfalls bewegt oder verändert. Als Bindeglied zwischen der Erzählung und der kreativen Phase dient in den ersten drei Einheiten je ein besonderer Gegenstand (z. B. ein Palmwedel in der ersten Einheit), dessen Bedeutung in der Erzählung erschlossen und der im Bastelangebot aufgenommen wird.

 

Das Bastelangebot

Als Erinnerung an das Projekt gestaltete jedes Kind ein Passions- und Ostermosaik, das sich entsprechend den Erzähleinheiten aus vier Einzelelementen zusammensetzt. Grundlage dieses Mosaiks ist eine ca. 20 x 20 cm große Sperrholzplatte, die durch eine quer und längs über das Brett gespannte und schließlich auf der Rückseite verknüpfte farbige Kordel in vier gleich große Abschnitte geteilt wird. Sukzessive wird für jeden der vier Bereiche eine kleine Bastelarbeit gestaltet. Zum Abschluss des Projekts wird das fertige Bild mit einem Bilderhaken versehen, sowie ein das Mosaik erläuternder Text auf die Rückseite geklebt wird.

 

Zur Durchführung

Erste Einheit:
Jesus zieht in Jerusalem ein Einstieg und Erzählung: Das Bodenbild sollte in seiner Grundstruktur aufgebaut sein; überdies könnten Material für den Bau einer Stadtmauer und eines Stadttores sowie ein Haus mit einer danebenstehenden Eselsfigur vorbereitet sein und ein oder mehrere kleine Palmwedel oder Stoffstücke oder Ähnliches bereit liegen. Inhalt der Erzählung: Jesus reitet auf einem Esel nach Jerusalem. Seine Freunde sind begeistert. Sie legen Kleider und Palmwedel auf die Straße. Sie glauben, dass Jesus der Retter ist, den Gott den Menschen versprochen hat. Kreatives Gestalten: Aus grünem und braunem Bastband gestalten die Kinder einen Palmwedel. Dazu dient ein brauner Bastfaden von ca. zehn Zentimetern Länge als Mittelrippe des Palmwedels, der im linken oberen Segment des vorbereiteten Holzbrettes aufgeklebt wird. Darüber werden winkelkförmig grüne Bastfäden als Blätter des Palmwedels geklebt.

 

Zweite Einheit:
Jesus feiert mit den Jüngern Abendmahl und wird verraten

Einstieg und Erzählung: Für die Erzählung sind zwei Orte wichtig – der Saal, in dem Jesus mit seinen Jüngern Abendmahl feiert, sowie der Palast des Hohepriesters, zu dem sich Judas aufmacht, um Jesus zu verraten. Zur Veranschaulichung von Brot und Kelch könnten in der örtlichen Kirchengemeinde ein Abendmahlskelch und eine Patene entliehen werden. Inhalt der Erzählung: Jesus ist mit seinen Jüngern zusammen. Er gibt jedem ein Stück von dem Brot und einen Schluck aus dem Weinkelch. Er sagt: „Das soll euch daran erinnern, dass ich euch lieb habe und immer für euch da bin.“ Kreatives Gestalten: Die Kinder gestalten ein Abendmahls-Bild aus Deko-Sand. Dazu wird die Schablone (M 3) in ausreichender Anzahl vorbereitet. Legt man diese auf die rechte obere Hälfte des Holzbrettes, lässt sich der ausgesparte Bereich mit Kleber bestreichen. Anschließend wird der mit Kleber bestrichene Bereich mit dem gefärbten Deko-Sand bestreut.

 

Dritte Einheit:
Jesus wird verurteilt, gekreuzigt und begraben

Einstieg und Erzählung: Das Geschehen verteilt sich auf vier unterschiedliche Orte. Um die eigenständige Bedeutung des Pontius Pilatus herauszustellen, kann dessen Figur eine eigene Farbe haben; der Ort für den Urteilsspruch ist eine angedeutete Tribüne im Übergangsbereich vom lila zum schwarzen Segment; so steht die Figur des Pilatus den übrigen Figuren in einer erhöhten Position gegenüber. Im Zentrum des schwarzen Segments erhebt sich der mit Tüchern und Papier gestaltete Kreuzigungshügel, auf dem sich ein Holzkreuz als Symbol für die Kreuzigung Jesu aufstellen lässt. Inhalt der Erzählung: Die führenden Männer in Jerusalem ärgern sich über Jesus. Manche haben auch Angst vor ihm. Sie lassen ihn töten, weil er behauptet hat, er sei der Sohn Gottes. Jesus wird in einer Höhle begraben. Kreatives Gestalten: Die Kinder formen aus lufttrocknendem Ton ein Kreuz und verzieren dieses mit bereitgelegten Perlen und Schmucksteinen. Nach dem Trocknen wird das Kreuz mit doppelseitigem Klebeband auf dem Holzbrett befestigt.

 

Vierte Einheit:
Jesus wird vom Tod auferweckt

Einstieg und Erzählung: Die Geschichte von der Auferstehung wird erzählt. Im Gegensatz zu den vorherigen Einheiten ist das Bodenbild schon für die Erzählung vorbereitet; die Grabhöhle ist – wie zum Ende der dritten Einheit – mit einem Stein verschlossen, allerdings befindet sich in ihr keine Erzählfigur. Inhalt der Erzählung: Drei Tage später weckt Gott Jesus vom Tod auf. Bald darauf breitet sich die Botschaft unter den Jünger aus: „Jesus lebt. Wir müssen nicht mehr traurig sein.“ Kreatives Gestalten: Um die Kinder zu einer eigenen Deutung anzuregen, werden die Kinder gebeten, auf dem noch freien Segment ihres Passions-Mosaiks ein eigenes Bild von der gehörten Geschichte zu malen. Sollten sie Schwierigkeiten bei der Motivfindung haben, können die Erzieherinnen sie nach wesentlichen Eindrücken von der Erzählung fragen und sie anleiten, einen dieser Eindrücke (das offene Grab, die leuchtende Gestalt o.ä.) zu malen. Diese individuelle Deutung wird im Rahmen des Bastelangebots angeregt. Dazu werden Stifte bereitgestellt, mit denen hölzerne Flächen bemalt werden können. Für die Planung der letzten Einheit ist zu bedenken, dass die Bilderrahmen auf der Rückseite mit einem erläuternden Text (M 4) versehen werden sollen, der den Kindern und Eltern bei der gemeinsamen Betrachtung des Bildes und einem eventuellen Rückblick auf die Einheit helfen kann.

 

Rahmenbedingungen

Zeitlicher Rahmen: Um das Projekt in den Kindergarten-Alltag integrieren zu können, haben wir es in insgesamt vier Einheiten von je ca. 45 Minuten Länge durchgeführt. Personeller Aufwand: Wir haben das Projekt für eine Kindergartengruppe von 24 Kindern mit insgesamt drei erwachsenen Mitarbeitern durchgeführt. Dadurch war es möglich, zwei Teilgruppen zu bilden, die von je einem Mitarbeiter begleitet wurden, während sich ein dritter Mitarbeiter auf die Erzählung der Geschichte für beide Teilgruppen konzentrieren konnte.

 

Materialbedarf Passions- und Ostermosaik

Vorbereitetes Material für alle Tage: eine Sperrholzplatte 20 x 20 cm je Kind; farbige Kordeln zum Unterteilen der Holzplatte in vier Segmente

  1. Einheit: grünes und braunes Bastband, Scheren, Bastelkleber
  2. Einheit: brauner Dekosand, Bastelkleber, ausreichend Schablonen „Kelch und Brot“ (M 3)
  3. Einheit: farbige Schmucksteine und -perlen, lufttrocknender Ton / Modelliermasse, doppelseitiges Klebeband
  4. Einheit: Farbstifte zum Malen auf Holz, für die Rückseite des Passionsbildes je Kind ein Text „Vom Palmsonntag zum Ostermorgen“ (M 4), Tesa-Film, selbstklebende Bilderhaken

 

Materialliste Bodenbild

Holzbauklötze, Krepppapier in vier unterschiedlichen Farben, eine Eselsfigur, ein Palmwedel (über den Blumenfachhandel zu beziehen), ggf. einige Stoffreste, Kelch und Brotteller, ein Holzkreuz, heller und dunkler Fotokarton, weitere Naturmaterialien zum Ausschmücken der Landschaft. Figuren aus Fotokarton (M 2); alternativ: biblische Erzählfiguren

 

Reflexion des Projekts

  1. Die Erzählung der Passions- und Ostergeschichten in der konzentrierten und begrenzten Fassung, für die wir uns entschieden hatten, stellte die größte Schwierigkeit dar. Selbst die vier kurzen Erzählfassungen enthalten viele Anknüpfungspunkte für Gespräche, die bei den Kindern Fragen und Gedanken auslösen.
  2. Die feste Struktur der Einheiten und ihre strikte Einhaltung hat den Kindern geholfen, sich auf das Projekt einzulassen. Auch die Entscheidung für ein offenes Ende nach jeder Einheit war für unsere Kinder richtig; während einige möglichst schnell wieder mit ihren Freunden spielen wollten, waren andere mit Eifer und Ausdauer beim Basteln dabei und suchten dabei das Gespräch mit anderen Kindern oder den Mitarbeitern.
  3. Die Erzieherinnen berichteten, dass die Kinder während des Projektzeitraums immer wieder, bisweilen in ganz anderen Zusammenhängen und gänzlich unvermittelt, auf die erzählten Geschichten und ihre persönlichen Gedanken zu sprechen kamen. Diese Beobachtung verdeutlichte uns, wie intensiv sich einige Kinder mit den angesprochenen Geschehnissen und den damit verbundenen Themen auseinandersetzten.
  4. Besonders der Abschnitt der Erzählung über Verurteilung und Kreuzigung Jesu führte zu zahlreichen Gesprächen mit den Kindern. Sie konnten sich in den Ärger der Priester und Gelehrten ebenso einfühlen, wie sie klare Vorstellungen davon hatten, wie Jesus zu bestrafen sei. „Der darf einfach eine Woche lang nicht fernsehen!“ lautete der Vorschlag eines fünfjährigen Jungen, und auch den übrigen Kindern fielen Strafen für Jesus ein, der sich als Sohn Gottes ausgegeben hatte und von den Menschen so aufgenommen worden war.

 

M 1: Erzählvorschlag

1. Einheit:
Jesus zieht in Jerusalem ein (Markus 11, 1-9)

Ich möchte Euch eine Geschichte erzählen. Sie ist vor vielen Jahren in Jerusalem geschehen. Jerusalem war damals eine große Stadt, in der viele Menschen lebten. Rings um die Stadt hatten sie eine Mauer gebaut, um sich vor Räubern und bösen Menschen zu schützen. Wer in die Stadt hinein wollte, musste dazu ein Stadttor benutzen. Eines Tages macht sich Jesus mit seinen Jüngern auf den Weg nach Jerusalem. Da schickt er zwei seiner Jünger voraus und sagt zu ihnen: „Vor uns liegt ein Dorf. Dort findet Ihr ein Haus, vor dem ein junger Esel steht. Bindet ihn los und bringt ihn zu mir. Wenn Euch jemand fragt, was Ihr dort tut, sollt Ihr sagen: Jesus hat uns geschickt, er braucht den Esel und bringt ihn bald wieder.“ Es dauert gar nicht lange, da sind die zwei Jünger wieder zurück. Tatsächlich haben sie einen jungen Esel bei sich. Sie legen einige Kleidungsstücke auf seinen Rücken, dann setzt sich Jesus auf den Esel und sie ziehen los. Als sie so auf die Stadt zureiten, geschieht etwas Sonderbares. Einige seiner Begleiter, aber auch Menschen, an denen Jesus vorbeireitet, bleiben stehen. Sie bringen große Zweige herbei und legen sie vor Jesus auf den Weg. Andere breiten ihre Kleider auf der Straße aus. Dazu jubeln sie laut und rufen: „Der Retter kommt in die Stadt!“ So geschieht es auf dem ganzen Weg; überall stehen Menschen, die Zweige oder Kleider auf die Straße legen und Gott loben. Fast könnte man glauben, ein König würde in die Stadt einreiten. So glücklich und begeistert sind die Menschen, als Jesus an ihnen vorbeizieht. Viele von ihnen sind sicher, dass nun vieles in ihrem Leben besser wird. Sie hoffen, dass Jesus der Retter ist, den Gott den Menschen versprochen hat. Wie schön, dass er endlich zu ihnen kommt. Nur einige der Priester in Jerusalem sind ärgerlich, vielleicht auch neidisch. Was bildet sich Jesus ein? Sich so von den Menschen feiern zu lassen! Und überhaupt: woher wollen sie wissen, dass Jesus von Gott geschickt ist?

 

2. Einheit:
Jesus feiert mit den Jüngern Abendmahl und wird verraten (Mk. 14, 12-25)

Jesus ist jetzt schon einige Tage in Jerusalem. Die Stadt ist voller Menschen. Miteinander wollen sie ein großes Fest feiern: das Passafest. Zu diesem Fest gehört ein besonderes Essen, das die Menschen am Abend vor dem Fest miteinander teilen. Dazu kommen auch Jesus und seine Jünger in einem Saal zusammen. Die Speisen und Getränke sind vorbereitet. Alles ist so wie immer. Da nimmt Jesus das Brot, das auf dem Tisch liegt, bricht es auseinander und sagt zu seinen Jüngern: „Nehmt und esst jeder ein Stück von diesem Brot. Dieses Brot bedeutet, dass ich mein Leben für Euch geben werde.“ Da horchen die Jünger auf: die Worte, die sonst bei diesem Festessen gesprochen werden, klingen anders. Sie ahnen, dass Jesus ein besonderes Mahl mit ihnen feiert. Als Jesus den Kelch mit dem Wein vom Tisch nimmt, sagt er auch dazu ganz eigene Worte, die sie so noch nie gehört haben: „Trinkt alle aus diesem Kelch. Der Wein, den wir miteinander trinken, bedeutet, dass ich mein Blut für Euch geben werde, damit uns nichts von einander trennen kann.“ Wieder wundern sich die Jünger. Und so richtig verstehen sie auch nicht, was Jesus ihnen sagen möchte. Aber sie trinken trotzdem, weil sie merken, wie wichtig Jesus diese Momente sind. Nur einer der Jünger, er heißt Judas, geht heimlich davon. Er will den Priestern helfen, Jesus gefangen zu nehmen. Dafür ist jetzt eine gute Gelegenheit gekommen. Schon bald steht Judas vor dem Palast des Hohepriesters und gibt ihm Bescheid: „Kommt mit, ich zeige Euch, wo Ihr Jesus festnehmen könnt.“

 

3. Einheit:
Jesus wird verurteilt, gekreuzigt und begraben (Mk. 14, 43-15, 47)

Jesus ist mit seinen Jüngern aufgestanden. Nach dem Festessen gehen sie in einen Garten in der Nähe. Plötzlich hören sie Stimmen. Sie sehen Fackeln, und eine Gruppe von bewaffneten Männern kommt auf sie zu. Judas zeigt ihnen den Weg. Als er vor Jesus und den übrigen Jüngern steht, tritt er zu Jesus und gibt ihm einen Kuss. An dem Kuss erkennen die Männer Jesus. Schnell treten sie zu ihm, legen ihm Fesseln an und nehmen ihn fest. Als Jesus sich nicht wehrt, verlässt seine Jünger der Mut und sie laufen weg. Jesus wird in einen großen Palast gebracht. Dort warten der Hohepriester und seine wichtigsten Ratgeber. Der Hohepriester fragt Jesus: „Bist Du wirklich der Sohn Gottes?“ Aber Jesus antwortet nicht. Das macht die Männer noch zorniger. Am liebsten möchten sie ihn töten. Deshalb bringen sie ihn zu Pontius Pilatus, dem mächtigsten römischen Soldaten in der Stadt. Nur er darf einen Menschen zum Tode verurteilen. Viele Menschen stehen vor dem Palast von Pontius Pilatus. Sie wollen jetzt auch, dass Jesus getötet wird. Als sie merken, dass Pontius Pilatus Jesus nicht verurteilen will, beginnen sie laut zu rufen: „Kreuzige ihn!“. Am Ende gibt Pontius Pilatus nach: „Ich kann nicht erkennen, warum ich Jesus verurteilen soll. Aber wenn Ihr es unbedingt wollt, soll er gekreuzigt werden.“ Wenig später führen die Soldaten Jesus aus der Stadt heraus. Sie legen ihm das Kreuz auf den Rücken, an dem er sterben soll. Als Jesus das Kreuz nicht mehr tragen kann, rufen die Soldaten einen Bauern heran. Er muss das Kreuz für Jesus weiter tragen. Endlich sind sie an dem Platz angekommen, an dem Jesus getötet wird. Die Soldaten nageln Jesus an das Kreuz und stellen es auf. Daneben stellen sie noch zwei Kreuze, an denen zwei Verbrecher bestraft werden. Als Jesus am Kreuz hängt, ist er ganz allein. Mit einem Mal wird es ganz dunkel. Und das, obwohl es mitten am Tag ist. Jesus schreit noch einmal ganz laut. Dann stirbt er. Spät am Abend kommt ein Mann zum Kreuz. Er nimmt Jesus vom Kreuz ab, wickelt ihn in ein Tuch und trägt ihn zu einer Felsenhöhle. In diese Höhle legt er den toten Jesus. Schließlich rollt er einen großen Stein vor die Höhle, um sie zu verschließen.

 

4. Einheit:
Jesus wird vom Tod auferweckt (Mk. 16, 1-20)

Es ist früh am Morgen. Vor drei Tagen ist Jesus am Kreuz gestorben. Einige Frauen haben sich auf dem Weg zum Grab gemacht. Bevor Jesus getötet wurde haben sie haben zu seinen Begleitern gehört. Jetzt, wo er tot ist, möchten sie ihm ein letztes Mal etwas Gutes tun. Sie wollen ihn waschen, ihn mit gut riechenden Ölen einsalben und seinen Körper in frische Tücher einhüllen. Alles, was sie dafür brauchen, haben sie bei sich. Nur an eins haben sie nicht gedacht: „Wer soll denn eigentlich den Stein vor dem Grab wegrollen“, fragen sie sich auf dem Weg. Als sie an der Grabhöhle ankommen, erschrecken sie sehr. Der Stein vor der Höhle ist weggerollt. Das Grab ist offen. Ohne zu überlegen gehen die Frauen in die Höhle. In der Höhle sitzt eine Gestalt, ein junger Mann in einem weißen Gewand. Als er die Frauen sieht, spricht er sie an: „Habt keine Angst. Ich weiß, wen Ihr sucht. Aber Jesus ist nicht mehr hier. Gott hat ihn vom Tod auferweckt. Er lebt. Geht hin und erzählt all seinen Freunden davon.“ Aber die Frauen sind so erschrocken, dass sie mit überhaupt niemanden über das reden, was sie erlebt haben. Sie erzählen den Jüngern nichts von der leeren Grabhöhle und nicht von der Gestalt, die zu ihnen gesprochen hat. Dafür zeigt sich Jesus selbst seinen Jüngern in den nächsten Tagen und Wochen. Nach und nach breitet sich unter ihnen die frohe Botschaft aus: „Jesus lebt. Gott hat in vom Tod auferweckt. Gott ist stärker als der Tod.“

 

M 2: Schablone„Erzählfiguren“

 

M 3: Schablone „Kelch und Brot“

 

 

M 4: Vom Palmsonntag zum Ostermorgen

Palmwedel:
Jesus reitet auf einem Esel nach Jerusalem. Seine Freunde sind begeistert. Sie legen Kleider und Palmwedel auf die Straße. Sie glauben, dass Jesus der Retter ist, den Gott den Menschen versprochen hat.

Kelch und Brot:
Jesus ist mit seinen Jüngern zusammen. Er gibt jedem ein Stück von dem Brot und einen Schluck aus dem Weinkelch. Er sagt: „Das soll Euch daran erinnern, dass ich Euch lieb habe und immer für Euch da bin.“

Kreuz:
Die führenden Männer in Jerusalem sind neidisch auf Jesus; manche haben auch Angst vor ihm. Sie lassen ihn töten, weil er behauptet hat, er sei der Sohn Gottes. Jesus wird in einer Höhle begraben.

Der Ostermorgen:
Drei Tage später weckt Gott Jesus vom Tod auf. Der Tod ist besiegt und ein neues Leben beginnt. Bald darauf breitet sich die Botschaft unter den Jüngern aus: „Jesus lebt. Wir müssen nicht mehr traurig sein.“

 

Literatur

  • Zimmermann, Mirjam: Kindertheologie als theologische Kompetenz von Kindern. Grundlagen, Methodik und Ziel kindertheologischer Forschung am Beispiel der Deutung des Todes Jesu, Neukirchen-Vluyn 2010.