Lena Kuhl / Stefanie AlderDer Peter- und Paul-Altar
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Erfahrungsgemäß zeigen Kinder bereits früh großes Interesse an Kirchenräumen als "Orten gelebten Glaubens", an der Kunst und an Gebrauchselementen im Kirchenraum. Dem Altar als dem Zentrum gilt die besondere Aufmerksamkeit sowohl von seiner Funktion als auch von seiner künstlerischen Gestaltung her. Der Peter- und Paul-Altar, dessen Seitenflügel sich in der Niedersächsischen Landesgalerie in Hannover befinden, ist auch kirchenpädagogisch bedeutungsvoll, da sein Hauptteil in der Lambertikirche in Hildesheim in Gebrauch ist. Die hier beschriebene Arbeit sieht die Möglichkeit der Einbeziehung der Lambertikirche mit vor, sie setzt diese jedoch nicht voraus.
Die Gedanken und Impulse für die religionspädagogische Arbeit sind so von der Lehrerin bzw. vom Lehrer einzuplanen, dass sie teilweise direkt unter Einbeziehung des Originals im Landesmuseum in Hannover oder in der Lambertikirche in Hildesheim umgesetzt werden. Vieles kann dann allerdings in der Nacharbeit im Klassenraum besser bewältigt werden.
Sicher gibt es gute Möglichkeiten, andere, vor Ort befindliche Altäre auf diese oder ähnliche Weise zu bearbeiten.
Ausgewählte Informationen zum Bildprogramm
Der Peter- und Paul-Altar wurde um 1420 von einem unbekannten Meister gemalt. Es handelt sich um mittelalterliche Tafelmalerei, Figurenbilder auf Goldgrund und Tempera auf Eichenholz. Der ursprüngliche Flügelalter erhielt seinen Namen nach Bildern der Apostel Paulus und Petrus. Charakteristisch für seinen "Weichen Stil" (sog. internationaler Stil bzw. internationale Gotik) sind u.a. intensive Farben, plastisch und elegant dargestellte Figuren mit fließenden Faltenwürfen, die an Eigenleben gewinnen, Charakterzüge zeigen und auf einem Goldgrund durch die Zugabe von schmückenden Architekturelementen zu räumlichen Situationen erweitert werden.
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Der Altar gehört zu dem Typus der in Deutschland im 14. Jahrhundert üblich gewordenen Wandelaltäre, der durch eine Einteilung in eine erzählerische hier 19-teilige Bildfolge geprägt wird. Die beiden Flügel sind innen und außen in je vier fast quadratische Bildfelder gegliedert, worauf sich ursprünglich 16 Szenen befanden. Die feststehende Mitteltafel umfasst fünf Szenen, das große Mittelbild und je zwei seitlich übereinandergesetzte Szenen. Die Leserichtung verläuft zeilenartig von links oben nach rechts unten. Durch Öffnen und Schließen ist eine Verwandlung der Ansichten liturgisch möglich. So konnten die Flügel an bestimmten Festtagen des Kirchenjahres zur Zelebrierung einer Messe geöffnet werden.
Im 19. Jahrhundert wurde der Altar zerlegt und an verschiedene Museen in Braunschweig, Hannover und Hildesheim verkauft.1
Zu den Bildtafeln
Hier beschränken wir uns auf die Bildtafeln in der geöffneten Ansicht (M1).
Bei geöffneten Flügeln ist auf der sogenannten Festtagsseite ein christologisches Bilderprogramm mit insgesamt 13 Szenen von der Passion und Auferstehung Christi, über das Pfingstwunder bis zum Weltgericht zu sehen. Die Mitteltafel bildet mit ihrem dreizehnten und größten Bildwerk das Hauptbild des Altars.
Die Innenseite des linken Flügels:
Alle vier Bildfelder dieses Flügels sind durch auf- und absteigende Schrägen zueinander in Beziehung zu setzen.
Abendmahl (1)
Um einen runden Tisch sitzen Christus und seine Jünger versammelt, Petrus zu seiner Rechten. Christus reicht Judas einen oblatenförmigen Bissen, Trinkgefäße sind eindeutig als Kelche ausgebildet. (Mk 14,12-25, Mt 26,17-30, Lk 22,7-23)
Fußwaschung(2)
Christus wäscht Petrus die Füße – Zeichen des Bußsakramentes, aber auch der Eucharistie. (Joh 13,1-20)
Gebet am Ölberg (3)
Christus kniet betend vor einem Kelch, links schlafen die drei ihn begleitenden Jünger. Petrus zuoberst. (Mk 14,32-42, Lk 22,39-46, Mt 26,36-46)Gefangennahme Christi (4)
Tumultartig geht es hier zu: Christus wird mit Faustschlägen traktiert, heilt aber gleichzeitig Malchus, dem Petrus vorher ein Ohr abgeschlagen hat. (Mk14, 43-52, Mt 26,47-56, Lk 22,47-53, Joh 18,1-11)
Die Mitteltafel:
Die bedeutende und großproportionierte Mitteltafel (133cm x 288cm) zeigt die Kreuzigung Christi als ein Hauptbild, das durch vier kleinere Bilder eingerahmt wird. Ihre reiche Farbigkeit unterstützt das Geschehen.
Christus vor Pilatus (5)
Pilatus wäscht seine Hände "in Unschuld". (Mk 15,1-5, Mt 27,1-14, Lk 23, 1-5, Joh 18,28-40)Kreuztragung (6)
Christus hat das überlange Kreuz aus dem Stadttor herauszutragen; nur der Balken befindet sich noch im Bild, Christus selbst ist schon in die Mittelszene eingezogen. (Joh 19,17)
Kreuzigung Christi (7)
Mehrere Gruppen und Einzelszenen sind zu entdecken. Im Zentrum steht das Kreuz Christi, zu dem ein Weg von der Szene der Kreuztragung führt, vorbei an Veronika und der Gruppe der drei Marien sowie an Maria Magdalena und dem Jünger Johannes. Zurückgesetzt sind die beiden anderen Kreuze. Auf der gegenüberliegenden Seite sind die Zuschauer versammelt. Unten im Bild würfeln die Knechte um den Rock Christi. Drei Engel, die Christi Blut in Kelchen auffangen, verweisen auf die eucharistische Bedeutung des Todes Christi.
Beweinung Christi (14)
Hier geht es um die Trauer der Mutter Maria, die in einer vorderen Bildebene den toten Sohn quer über den Schoss gelegt hält. (Mk 15,40-41, Mt 27,55-56, Lk 23,27-31, 48-49)
Grablegung Christi (15)
Der Leichnam wird in einen Sarkophag gehoben. Nikodemus empfängt ein Salbgefäß zur Vorbereitung der Bestattung. (Mk 15,42-47, Mt 27,57-61, Lk 23, 50-56, Joh 19,38-42)
Die Innenseite des rechten Flügels:
Wie die linke weist auch diese Flügelinnenseite kompositionelle Übereinstimmungen der diagonal zugeordneten Bildfelder auf.
Auferstehung Christi (16)
Christus entsteigt dem Sarkophag, dessen Deckel von vier Engeln gehalten wird.
Christi Himmelfahrt (17)
Nur die Beinpartie des entschwebenden Christus ist zu sehen. Maria und Petrus sind als Zuschauer in der Mitte hervorgehoben.
Pfingstwunder (18)
Auch hier bei der Aussendung des Heiligen Geistes nimmt Petrus neben Maria eine besondere Position ein.
Weltgericht (19)
Christus thront auf einem zweifachen Regenbogen, zu seiner Rechten Johannes der Täufer und Maria. Zwei Posaunenengel rufen zur Auferstehung. Die Verstorbenen erheben sich aus den Gräbern.
Zum Unterricht
Im Materialteil werden kurzgefasste Anregungen für Gespräche im Unterricht (M2) und einige Arbeitsaufträge für die Unterrichtspraxis (M3) gegeben, die je nach den örtlichen Gegebenheiten und nach der Planung des Unterrichts im Klassenraum, in der Kirche oder im Museum wahrgenommen werden können. Die Ideen, die bei der Besichtigung eines oder mehrerer Altarbilder aufkommen, sind oft erst im Klassenraum zu realisieren. Dabei geht die Weiterarbeit z.T. weit über die Arbeit am konkreten Altarbild hinaus. Religionspädagogisch interessant ist insbesondere Punkt 8 unter den Gesprächsanregungen (M2), da hier ein Thema, das Jesus in seinem Reden und Handeln in vielfacher Weise aufgegriffen hat, kreativ in heutige Verhältnisse und in das Denken der Kinder hineingeholt wird und so ein Lernprozess initiiert werden kann.
M 1
Das Bildprogramm des Peter- und Paul-Altars
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9 Gebet |
10 Gefangen- |
12 Kreuz- |
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15 GrablegungChristi |
18 Pfingst- |
19 Weltgericht |
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Literatur
Drei Tafeln des Peter- und Paul-Altars aus der Lamberti-Kirche in der Neustadt von Hildesheim. Hrsg.: Kulturstiftung der Länder in Verbindung mit begünstigten Museen: Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig/ Niedersächsisches Landesmuseum Hannover/ Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim. Hannover: Neue Medien, 2000
Margarete Luise Goecke-Seisch/ Frieder Harz: Komm, wir entdecken eine Kirche. Räume erspüren, Bilder verstehen, Symbole erleben. Tipps für Kindergarten, Grundschule und Familie. München, Kösel, 2001
Lena Kuhl/Antje Döpking: Passion und Ostern: Mit Materialien für die "Freie Arbeit". Loccum, Religionspädagogisches Institut, 1995
Anmerkung
1 Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig/ Niedersächsisches Landesmuseum Hannover/ Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim(WinWord 6.0 Datei, 142 KB) (RTF-Datei ungepackt, 703 KB)
