Michael KünneHinweise zur Planung von Schulgottesdiensten |
| Schulgottesdienste haben ihren Ort im Überschneidungsfeld von Schule und Gemeinde, indem sie Schülern ermöglichen, Gemeinde zu sein. Sie stellen neben den sonst üblichen Schulfeiern möglicherweise jenen Ort dar, an dem ganzheitliches Lernen und Handeln zum Ziel kommen kann, indem Gott gelobt oder angeklagt, gebeten und angerufen wird. Die Gemeinschaft von Schülern und Lehrern und möglicher? aber nicht notwendigerweise Pastoren findet Raum und Gelegenheit, sich als die Gemeinschaft Gottes zu begreifen. Gerade deshalb sind Schulgottesdienste nichts Selbstverständliches, sondern immer ein Wagnis, bei dem sich mancher hilflos fühlt und sich die Frage stellt: Wie kann ich das angehen? Wo finde ich Hilfen?
Hier möchten wir Hilfe sein und auf andere Hilfen verweisen, z. B. auf die Schulgottesdienste für die Primarstufe, erarbeitet von der Projektgruppe "Schulgottesdienste des Pädagogisch-Theologischen-Instituts Bonn-Bad Godesberg", die von der Evangelischen Kirche im Rheinland herausgegeben wurde. Werden dort "Vorlagen" geboten, die kreativ und in eigener Variation zu nutzen sind, soll es hier mehr um Anregungen zur eigenständigen Gestaltung gehen. Schulgottesdienste sind in klassischer Definition "Nebengottesdienste" wobei es in lutherischer strenger Lesart die Trennung zwischen Haupt? und Nebengottesdiensten nicht gibt. Trenne ich aber dennoch, so meine ich damit Gottesdienste, deren Schwerpunkt in der Wortverkündigung liegt. So ereignet sich auch im Schulgottesdienst Gottesdienst: Christen (getaufte) nehmen an ihm teil, gestalten ihn mündig, und die Verkündigung steht im Mittelpunkt. Jedoch ist jedermann zur Mitgestaltung eingeladen. Er steht der Schulstruktur vom Unterrichtsprinzip her entgegen und gehört eher in den Freizeitbereich von Feier, besonderen Anlässen und Andachten. Er ist ein Ort, an dem sich Christen in der Schule treffen, doch er ist offen für alle. Damit hat er gemeindebildende Funktion. Er ist dabei Begegnungsort von Kirche und Schule und er unterliegt eigenen Bedingungen:
Tipps zur Planung 10 Hinweise zum Erarbeiten eines Schulgottesdienstes 1. Ein Schulgottesdienst sollte ökumenisch sein. 2. Rechnen Sie zur Vorbereitung ein Vierteljahr. 3. Bereiten Sie einen Schulgottesdienst mit einer Schülergruppe und mit Lehrern beider 4. Bevor Sie mit der Planung beginnen, besprechen Sie den äußeren Rahmen mit dem Direktor der Schule. 5. Wenn die thematische Planung feststeht, sprechen Sie sie mit den in der Schule tätigen Musiklehrern ab. Versuchen Sie, den Schulchor und das Orchester, oder die Band oder sonstige Musikgruppen miteinzubeziehen. Je mehr mitmachen, um so besser für die Resonanz, d. h. Sie vermeiden den Theatereffekt, weil viele engagiert sind. 6. Nehmen Sie die Räume der Schule. Wenn keine Aula da ist, eignet sich die Pausenhalle. Wichtiger Lerneffekt eines Gottesdienstes in der Schule ist, daß Schüler erfahren, daß christlicher Glaube und Schulwirklichkeit zusammengehören können. 7. Erarbeiten Sie den Aufhau des Gottesdienstes mit Schülern, sonst können diese ihn nicht nachvollziehen. Texte und Musikstücke müssen von ihnen erarbeitet und akzeptiert werden, sonst ist es nicht ihr Gottesdienst. Nur wenn die Schüler sich selber damit gemüht haben, wird es ihr Gottesdienst sein. S. Schüler können für Empfindungen und Gedanken meist keine christlichen Formen und Symbole finden, weil sie ihnen unbekannt sind. Pastoren und Lehrer müssen sie ihnen anbieten und erläutern, dann sind sie ihnen eine Bereicherung und können für sie zu einer Ausdrucksmöglichkeit werden. 9. An der Mühe, die Sie daran wenden müssen, mit Schülern nach Ausdrucksformen zu suchen, die Sie noch als Gottesdienst bezeichnen können, werden Sie ablesen, wie nah oder fern zur kirchlichen Erfahrung diese Jugendlichen leben. 10. Verzweifeln Sie nicht an der Vorbereitung, die ein Gottesdienst mit Schülern fordert.
A) Ich kann suchen B) Besser ist es, auf das schulische Umfeld zurückzugreifen ? C) Noch besser ist es, mit Hilfe von Kollegen D) Ebenso wichtig kann es auch sein, den Gottesdienst durch Photos, Texte, Tonbandaufnahmen oder Videofilm zu dokumentieren. Die Freude der Teilnehmer ist jeweils groß, und die Schulgeschichtsschreibung hat später Quellen zur Verfügung.
Daß Frieden werde, 1984, Don Bosco Verlag, München |