Hartmut R. Berlinicke ist 1942 in Berlin geboren.
|
![]() |
|
vielfältig wie die Preise ist bei durchaus gleichbleibender Erkenn-barkeit des Stils die Vielfalt seiner Arbeiten. Sie reichen von darge-stellter Architektur über Bild/Textcollagen im Objektstil hin zu Zyklen über Judenverfolgung, über Auschwitz, ja bis hin zu zeitkritischer Dia-gnostik in seiner Druckgraphik, ja bis zur Gestaltung von Retabeln, Glasfenstern und Paramenten. |
Unüblich ist, dass er den Zwängen modischer
"Ismen" zu entgehen weiß, sich dem Novitätszug des gängigen Kunstmarktes
entzieht und dem allen die einmal gefundenen Linie in Inhalt und Form entgegenzustellen
weiß. Stilistisch ist er so einer von "gestern", der sich gern und lustvoll den
Mühen der Drucktechnik unterzieht: "da werden die Tiefdrucktechniken der
Strichätzung
und der flächenschaffenden Aquatinta mit der Hochdrucktechnik des
Prägedrucks kombiniert"(1), da wird mit gestanzten oder gebrannten Löchern
gearbeitet, da wird Marmor geätzt, da wird gerauht und poliert. Und da wird fast immer
die gegenständliche Welt ins Bild gesetzt, ironisch oft oder in stiller Klage,
realistisch oder symbolisch.
"Dabei sind seine Blätter durchaus nicht bloße Abschilderung, bei allem sinnlichen
Reiz nicht nur bloße Oberflächenwiedergabe. Sie sind alles andere als naiv, sondern im
Gegenteil häufig äußerst kompliziert und gegenläufig konstruiert."(2) Sie sind
Spiel und Infragestellung zugleich, technisch perfekt, oft vielleicht zu schön, aber da
täuscht in der Regel der erste Augenschein. Thematisch bleibt er in vielen Arbeiten dem
verbunden, was er durch die Vielzahl der Berufe hindurch eigentlich auch immer war: ein
Lehrer in Religion, dessen Arbeiten nicht von ungefähr in christlichen Zeitungen und auf
Religionsbüchern zu finden sind.
Gebrauchsgraphik vor dem persönlichen
Hintergrund ist ihm ein besonderes Anliegen gewesen und die Reihe der Drucke zu
christlichen und jüdischen Festen zeugte davon. So hat Hartmut R. Berlinicke die Wechsel
religionspädagogischer Konzeptionen
in den letzten 50 Jahren nicht nur bewusst erlebt,
sondern bildnerisch begleitet, ein nicht unwesentlicher Grund, zum 50jährigen Bestehen
des Religionspädagogischen Institutes in Loccum einen Überblick seiner Arbeiten sowohl
in der Evangelischen Akademie wie im Religionspädagogischen Institut zu zeigen.
1. Peter Junk, Kleine Vorrede zu diesen Bildern, in: Hartmut R.
Berlinicke, Annäherung, Bilder zum Judentum, Bramsche 1990, S. 9
2. a.a.O. ebenda

