Martin BauerDie Sozialisationsrallye |
Eine Methode nicht nur für Jugendgruppenleiterschulungen
Ein besonderer Aspekt im Bereich der Sozialisation ist die geschlechterspezifische Sichtweise. Von Geburt an ist das Geschlecht die zentrale Orientierungshilfe und Schaltzentrale, um menschliches Miteinander, Verhalten und Handeln zu deuten, einzuschätzen, zu bewerten und zu verstehen.
Entsprechend der zwei Lebenswelten (Virginia Woolf: "Obwohl wir dieselbe Welt erblicken, sehen wir sie mit anderen Augen"), entwerfen Mädchen und Jungen ihre spezifischen Lebenspläne. Neben der Aufgabe, sich selbst innerhalb der eigenen Lebensentwürfe zurecht zu finden, müssen junge Menschen auch lernen, einander die jeweilige Andersartigkeit mitzuteilen, sich wechselseitig auszutauschen und einander als gleichwertig zu akzeptieren. Nur so ist es für jeden Einzelnen möglich, den Lebensplan gewinnorientiert zu gestalten. Auch der Geschlechterdialog trägt hierzu wesentlich bei.
Um Mädchen und Jungen in der Entwicklung zu einer eigenen Persönlichkeit begleiten zu können, muss ich zudem selber wissen, wie Menschen sozialisiert werden und wie ich selber sozialisiert wurde.
• Welche Bezugspersonen haben zur Erziehung beigetragen?
• An welchen Personen hat sich der oder die Einzelne orientiert?
• Welche Erwartungen, Aufgaben wurden an den oder die Einzelne herangetragen?
• Welche Fähigkeiten hat der oder die Einzelne, um diesen Anforderungen gerecht zu werden?
• Welche Defizite bleiben übrig?
Vorbemerkungen zur Rallye
Die Idee der Rallye stammt von Christiane Meiners und Martin Bauer. Sie ist im Rahmen der Gruppenleitungsgrundausbildung auf Spiekeroog mehrmals erprobt und für eine gemischte Gruppe, die nach den Geschlechtern unterteilt wurde, entwickelt worden. Selbstverständlich kann sie auch mit einer reinen Mädchen- oder Jungengruppe durchgeführt werden. Da sehr persönliche Eindrücke und Erlebnisse, sowie "Visionen" zum Austausch kommen, ist eine gewisse Vertrautheit der Gruppenmitglieder untereinander eine Voraussetzung der Arbeit. Außerdem ist der Hinweis darauf wichtig, dass die Entscheidung bei jedem und jeder Einzelnen liegt, was er oder sie der Gruppe mitteilen möchte.
Durchführung der Rallye
Die Sozialisationsrallye selbst findet an einem Vormittag statt. Wie die Rallye für Mädchen (M 1) und Jungen (M 2) ablaufen kann, welche Stationen sie hat und welche Fragen möglich sind, wird auf den nachfolgenden Seiten beschrieben.
Im Anschluss daran geht die Arbeit in den Jungen- und Mädchengruppen am Nachmittag weiter: Die Mädchen gestalten den Lebensweg eines Mädchens, die Jungen den Lebensweg eines Jungen. Die Zeitvorgabe für die Gestaltung beträgt 45 Minuten (M 3).
Der nun folgende Austausch benötigt etwa zwei Stunden. Im ersten Schritt werden die Altersphasen durch die Jungen- und die Mädchengruppe jeweils im Wechsel vorgestellt. Nach einer Pause beginnt die Auswertung. Dazu sammeln die Jugendlichen zunächst die Parallelen aus dem Erarbeiteten. Anhand einer Altersleiste erläutern die Teamer theoretische Grundlagen zur geschlechtsspezifischen Sozialisation von Mädchen und Jungen (Arbeitsblätter!). Abschließend diskutiert die Gruppe die Frage: Wo erkenne ich Verhalten von Gruppenmitgliedern wieder?
Erfahrungen mit der Rallye
Besonders intensiv war für die Teilnehmenden die Erarbeitung des Lebensweges. Hier konnte noch einmal auf die persönlichen Gespräche vom Vormittag Bezug genommen werden. Spannend ist auch die gegenseitige Vorstellung der Lebenswege und das sich anschließende Gespräch untereinander.
Der Zusammenhalt und das Miteinander zwischen den Jugendlichen war nach dieser Übung häufig besonders intensiv.
M 1
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M 2
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M 3
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