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Evangelische Jugend will mit strikten Regeln Missbrauch vorbeugen
Hannover (epd). Mit strikten Verhaltensregeln für Mitarbeiter will die Evangelische Jugend der hannoverschen Landeskirche der Gefahr des sexuellen Missbrauchs auf Sommerfreizeiten vorbeugen. Derzeit seien wieder mehr als 10.000 Jugendliche zu etwa 400 Zeltlagern und Freizeiten von Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen unterwegs, sagte Landesjugendpastorin Cornelia Dassler am Mittwoch in Hannover im epd-Gespräch. Sie werden von Hauptamtlichen und rund 1.000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut.
Die Ehrenamtlichen erhalten eine Einführung über Kindeswohl und Kindesschutz und unterschreiben anschließend die Regeln, sagte Dassler. Dabei lege die Evangelische Jugend Wert darauf, dass zwischen Betreuern und Betreuten die notwendige Distanz gewahrt bleibe. „Wir stellen klar, dass Täter hier nichts zu suchen haben.“ Wenn alle Mitarbeiter für das Thema Missbrauch sensibel seien, fielen mögliche Täter rasch auf. Wer auf sexuellen Missbrauch aus sei, werde so abgeschreckt. Eine hundertprozentige Garantie gebe es allerdings niemals, sagte die Pastorin.
In den Regeln heißt es: „Wir gehen verantwortungsbewusst mit Nähe und Distanz um. Individuelle Grenzen der Kinder und Jugendlichen werden von uns respektiert.“ Das beziehe sich insbesondere auf die Intimsphäre und die persönliche Schamgrenze. Die Pflicht zur Distanz bedeute auch, dass Betreuer und Betreute keine intime Beziehung unterhalten dürften: „Die Grenze zwischen Gruppenleitung und Teilnehmern muss gewahrt bleiben.“ Andernfalls werde die Rolle als Aufsichtsperson missbraucht. Schon zweideutige Situationen müssten vermieden werden, erläuterte Dassler. So gehe es nicht an, dass ein männlicher Betreuer Konfirmandinnen in ihrem Zimmer Gute-Nacht-Geschichten vorlese.
Im Landkreis Schaumburg hatte die Kirche in diesem Frühjahr einen ehrenamtlichen Mitarbeiter im Alter von Mitte 20 von seinen Aufgaben entbunden, nachdem er bei einer Konfirmandenfreizeit einvernehmliche sexuelle Kontakte zu einer Jugendlichen hatte. 2008 wurde ein Diakon aus Apensen bei Buxtehude fristlos entlassen, der bei einem Pfadfinderlager zwei Jungen sexuell missbraucht hatte.
Mit ihren Freizeiten und anderen Angeboten erreiche die evangelische Jugend 10,9 Prozent der Jugendlichen, berichtete Dassler weiter. Sie gehöre damit zu den stärksten Jugendverbänden in Niedersachsen und auch bundesweit. Zu den Zielen gehörten derzeit Schweden und Kroatien, aber auch die Eifel oder der Vogelsberg. Vielerorts gebe es daneben Angebote für Ferien vor der Haustür.
Internet: www.ejh.de
(7022/7.7.10)