Bernd AbesserlBrannte nicht unser Herz? |
Theologische und didaktische Anmerkungen zu Passion und Ostern1
Das Thema Passion und Ostern führt in das Zentrum christlichen Glaubens und in
diesem Zusammenhang zur Frage, wie dieser Glaube denn nun – zumal im Raum der
öffentlichen Schule – zu lehren (nicht: zu erzeugen!) sei. Wie lässt sich
etwas verständlich machen, was sich von seiner Eigenart her menschlicher
Verstehbarkeit entzieht? Wie etwas lehren, das doch ohne glaubende Einsicht
nicht zu haben ist? Einen möglichen Schlüssel für theologisches wie
didaktisches Vorgehen liefert meines Erachtens in besonderer Weise die von Lukas
überlieferte Erzählung von den Jüngern, die auf dem Weg von Jerusalem in das
Dorf Emmaus eine besondere Erfahrung machen: Der auferstandene Jesus geht
unerkannt mit ihnen und in dem Moment, in dem sie ihn erkennen, entzieht er sich
ihren Blicken. Durch diese Erfahrung werden die beiden auf den Zusammenhang von
Sehen und Nicht-Erkennen bzw. Nicht-(mehr)-Sehen und Erkennen gestoßen. Dass
aus dieser Erfahrung Glaube wird, entzieht sich natürlich der unterrichtlichen
Machbarkeit. Aber es lässt sich unterrichtlich anschauen, wie dieser Glaube bei
den Jüngern entsteht und ihr Erfahrungsweg lässt sich nachgehen. Am Anfang der
Geschichte christlichen Glaubens stehen eben nicht Tatsachen, sondern Deutungen
und Bedeutungen; nicht Gegebenheiten, sondern Zuschreibungen.2 Am Anfang dieser
Geschichte steht der kreative Versuch, die Erfahrung des alttestamentlichen
Gottes mit der frohen und heilsstiftenden Botschaft des Jesus von Nazareth und
mit dessen Foltertod zusammenzubringen.
Ich will im Folgenden gleichsam mit den Emmausjüngern einen gedanklichen Weg
gehen und dabei an drei Stationen Halt machen. Ich will zunächst fragen, was
eigentlich auf Golgatha und vor der Grabeshöhle geschehen ist; ich will dann
Deutungen dieses Geschehens im biblischen Zusammenhang skizzieren und ich will
schließlich fragen, wie sich dieses Geschehen angemessen kommunizieren lässt.
Bevor ich dies tue, muss ich noch eine Vorbemerkung machen: Passion und Ostern,
ihre Geschichte und Bedeutung lassen sich meines Erachtens nur unter drei
Prämissen angemessen verhandeln. Zum ersten: Kreuz und Auferstehung sind die
grundlegenden Ereignisse bzw. Erfahrungen des christlichen Glaubens und sie sind
unauflösbar miteinander verschränkt. Die theologische Deutung des Kreuzestodes
Jesu ist nicht ohne die Erfahrung der Auferstehung für die Deutenden zu
verstehen. Und die Auferstehung Jesu kann nicht ohne seinen wirklichen Tod
gedacht werden. Ohne die Auferstehung bliebe das Kreuz eine Folter unter
tausenden; bedauerlich, aber in weltlicher Perspektive konsequent. Unter dieser
Perspektive ist das Kreuz Zeichen eines Scheiterns – wenn man so will, des
Scheiterns Gottes in der Welt. Zum zweiten: Es gilt das "Zuerst" der
Auferstehung – wir feiern immer von Ostern her auf Ostern hin. Historisch
provoziert erst die Erfahrung der Auferstehung die Frage nach der Bedeutung des
Todes am Kreuz. Und historisch gesehen lässt sich diese Erfahrung nicht mehr
rückgängig machen. Jeder Karfreitag, der unter der Perspektive des Kreuzes
Jesu die Kreuze der Gegenwart thematisiert, steht schon im Licht dieser einen,
ein für alle Mal geschehenen Auferstehungserfahrung. Es ist also – drittens
– theologisch vom unumkehrbaren Handeln Gottes die Rede. Ohne die
"Hypothese", dass da Gott am Werke ist, ist die weitere Verhandlung
des Themas theologisch unsinnig. Wir könnten dann allenfalls Phänomene
betrachten; wir könnten eine frühe jüdische Sekte beobachten, die sich in
einem etwas absonderlichen Glauben und daraus resultierendem besonderen
Lebenswandel von ihren Ursprüngen ablöst. Aber verstehen lässt sich das nicht
ohne die Annahme, dass Gott selbst ins Geschehen eingegriffen hat. Diese drei
Hypothesen spielen auch bei der Konzipierung von Religionsunterricht zum Thema
eine Rolle; im Bereich der gymnasialen Oberstufe können, ja müssen sie auch
expliziert werden.
Die erste Station:
Was ist eigentlich geschehen?
Was ist geschehen in Jerusalem, auf Golgatha? Die beiden, die da nach Emmaus
unterwegs sind, lassen noch einmal Revue passieren, was sie erlebt haben. Sie
gleichen im Gespräch ab, was sie emotional so aufgewühlt hat; sie finden
heraus, wo sich ihre Erfahrungen und ihre Deutungen decken und wo nicht. Schon
wo zwei dasselbe erlebt haben, ist es nicht dasselbe, sondern bedarf der
Kommunikation, um zum kollektiven Ereignis zu werden. "Hast du das auch so
erlebt wie ich?" ist religionspädagogisch eine Schlüsselfrage. Als ein
Dritter hinzutritt, hat sich für die beiden schon einiges geklärt und sie
können Auskunft geben: Es geht um den Tod des Jesus von Nazareth, eines
"Propheten" mit einer besonderen Beziehung zu Gott und den Menschen.
Dieser Tod lässt sich präzise beschreiben: Es handelt sich um die vom
römischen Prokurator verhängte, entehrende und verabscheuungswürdige Folter
mit beabsichtigter Todesfolge. Verhängt wurde sie nach einem mehr oder weniger
rechtmäßigen Verfahren. Diese Methode wurde in Persien entwickelt und ist
besonders grausam und schmerzhaft. Sie wurde vor allem politischen Verbrechern
zwecks Abschreckung zuteil. Eine Kollaboration des Hohen Rates, des leitenden
Gremiums der organisierten jüdischen Religion, aus Gründen politischer
Opportunität ist nicht auszuschließen. Jedoch verfügte dieses Gremium nicht
über die Schwertgerichtsbarkeit. Und: diese nicht auszuschließende
Kollaboration kann keinesfalls zur Rechtfertigung jedweder antijüdischer
Polemik aus christlicher Perspektive dienen. Nach Gerd Theißen und Anette Merz
ist der Tod Jesu "eine Folge von Spannungen zwischen einem vom Lande
kommenden Charismatiker und einer städtischen Elite, zwischen einer jüdischen
Erneuerungsbewegung und römischer Fremdherrschaft, zwischen dem Verkünder
kosmischen Wandels ... und den Vertretern des status quo."3 Für die
Jünger immerhin stirbt die Hoffnung auf den, "der Israel erlösen
werde" (Lk 24,21). Sie haben – da noch ohne Auferstehungserfahrung –
keine Deutungsmöglichkeiten parat, den Tod Jesu in ein anderes Licht zu
rücken. Noch können sie sich keinen wirklichen Reim auf das Erlebte machen. Zu
diesem Erlebten gehört auch das leere Grab. Sie kennen erste, vage Berichte:
Frauen (!) haben das Grab leer gefunden und Engel-Erscheinungen gehabt; diese
sagten, dass Jesus lebe. Noch keine direkten Begegnungen, vielmehr Hörensagen.
Das beschreibt typisch, wie sich der Sachverhalt biblisch darstellt: Es war
niemand dabei, es gibt keine Zeugnisse über das "Wie" der
Auferstehung. Und erst recht gibt es keine außerbiblischen Quellen darüber.
Wir haben nur literarisch verarbeitete Zeugenaussagen. Auch wenn die
Auferstehung der unabdingbare Schlüssel zur Interpretation des Kreuzes ist,
besteht doch kein ausgeprägtes Interesse an ihrem "Wie". Wesentlich
ist insbesondere den ersten Christen nur das "Dass". Unbestreitbar hat
es Erscheinungen und Widerfahrnisse gegeben, die jede bisherige Erfahrung
sprengten und von den Betroffenen nicht anders beschrieben werden konnten als
mit dem Satz: Er ist auferstanden, Gott hat ihn auferweckt . Dabei haben diese
Beschreibungen zum einen die unbezweifelbare Identität des Auferstandenen mit
dem irdischen Jesus zum Inhalt; es ist Jesus und kein anderer in seiner Gestalt.
Zum zweiten halten sie die Komponente der Leiblichkeit hoch gegen ein rein
geistiges Geschehen. Und zum dritten gehen sie Hand in Hand mit Gemeinschafts-
bzw. Gemeindebildung. Als theologische Analogie zu diesem Ereignis kann
allenfalls noch die Schöpfung als creatio ex nihilo (Schaffung aus dem Nichts)
herangezogen werden; auch der Begriff der Verwandlung ist zur Beschreibung
geeignet. Die Erscheinungen des Auferstandenen sind offensichtlich auf
diejenigen bezogen, die bereits eine Jesus-Beziehung haben. Konstatierbar ist
also "nur" der im Kreis der erweiterten Jüngerschaft Leben und
Gemeinschaft stiftende Glaube an den Auferstandenen. Dieser Glaube aber ist in
jedem Fall feststellbar. Sein Ursprung hat in den Erscheinungen gelegen,
insbesondere der Frauen am Grab, im Jüngerkreis, vor Petrus und Paulus. Ebenso
aber entsteht dieser Glaube in der symbolischen Kommunikation, in der Feier der
Sakramente und in der Diakonie. Historisch gesehen kommen wir also allenfalls an
den "Rand" eines Ereignisses, das sich den Möglichkeiten menschlicher
Wirklichkeitsdeutung und -verarbeitung entzieht.4
Die zweite Station: Deutungen auf dem Weg
Der Perspektivwechsel der Jünger vollzieht sich – so der Evangelist Lukas
– durch den, der unerkannt ihnen zur Seite tritt, den Auferstandenen selbst.
Und zwar in zwei Schritten: in deutender Auslegung des Geschehenen und in der
symbolischen Kommunikation des Brotbrechens.5 Die Erzählung des Lukas nimmt
auf, was auch bei Paulus begegnet: Beide haben kein Interesse am "Wie"
der Kreuzigung, das Faktum reicht. Paulus knüpft an die hebräische Bibel an
("nach der Schrift", 1. Kor 15) und Jesus wird als der in Jes 53
beschriebene stellvertretend leidende Gottesknecht gesehen. Sein Tod wird in
doppelter Hinsicht "für uns" interpretiert: Jesus stirbt
stellvertretend für die, die aufgrund ihrer Differenz zu Gott, also aufgrund
ihrer "Sünde", eigentlich vor Gericht gehörten; "für uns"
meint also "an unserer Stelle". Und Jesus entlastet die so davon
Gekommenen. "Für uns" meint also: Sein Tod kommt "uns
zugute" und nimmt damit das Sündenbock-Motiv auf. Insgesamt erkennen wir
bei Paulus einen kreativen Umgang mit vorhandener Tradition, der uns zu
didaktischer Kreativität unter der Perspektive des "für uns"
ermutigen kann. Seine Interpretation des Geschehens von Kreuz und Auferstehung
ist dabei nur unter dem Aspekt existenziellen Betroffenseins verstehbar.
Ausführlichere Passionserzählungen mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung
und Deutung bieten die synoptischen Evangelien. Auch sie sind nur von der
Auferstehungserfahrung her lesbar. Schlüssel für ihr Verständnis können
dabei die differierenden Worte Jesu am Kreuz sein. Dies sei im Folgenden knapp
skizziert. "Mein Gott, warum hast du mich verlasen?" Das
Markusevangelium ist konzipiert als "Passionsgeschichte mit ausführlicher
Einleitung" (M. Kähler). Es ist bis zum Schluss vom Motiv des Geheimnisses
und des Paradoxon durchzogen: Der bis zur vollständigen Gottverlassenheit
Gemarterte – Jesu letzter Schrei als Zitat von Ps 22,2! – ist der
Gottessohn, den dann der römische Hauptmann bezeugt: Gott selber hängt am
Kreuz. Passion bedeutet demnach: Kein Leiden ist Gott fremd; Auferstehung
bedeutet: Kein Leiden ist mit Gottes Willen zu rechtfertigen. Mit Jesus hat sich
eine Zeitenwende vollzogen. Sie drückt sich am deutlichsten dadurch aus, dass
hier – theologisch gesprochen – Gottes liebevolle Selbstpreisgabe um der
Versöhnung willen geschieht. Ein Paradoxon, das sich jeder Rationalität
entzieht. Das Matthäusevangelium schließt an Markus an, betont aber stärker
Gottes Souveränität im Handeln: wunderbare Erscheinungen (Zerreißen des
Vorhangs, Erdbeben, Auferstehungen) sowie Jesu souveräner Verzicht auf
Machterweise. Deutlich treten seine antijudaistische Tendenz und zugleich die
Inanspruchnahme der alttestamentlichen Tradition hervor.
"Vater, vergib ihnen ..." Das Lukasevangelium überliefert drei
Worte Jesu am Kreuz: zum einen die Bitte um Vergebung für die Täter; dann den
Zuspruch an den einen Mitgekreuzigten ("... mit mir im Paradies"); und
schließlich die Übergabe in Gottes Hand ("In deine Hände...).6 Jesus
wird zum vorbildlich Leidenden und Gerechten, sein Tod ist nur
Durchgangsstadium. Wie in der Emmausgeschichte lässt sich die didaktische
Intention des Lukasevangeliums deutlich erkennen. Es lässt sich bei ihm gut
ablesen, wie der christliche Glaube an den Auferstandenen in Wort und Tat
"funktioniert".7
"Es ist vollbracht": Das Johannesevangelium schließlich legt den
Fokus auf die heilsgeschichtliche Vollendung. Schon die ganze Jesus- und
insbesondere die Passionsgeschichte ist vom österlichen Siegesmotiv durchzogen,
die Gethsemane-Erzählung fehlt. Der die Passion Erleidende ist derselbe, der
"Ich bin..." sagt, der heilt und Wunder wirkt.
In der Emmaus-Erzählung richtet Jesus Deutungen seines Todes an die Jünger.
Damit ist klar: Diese Deutungen sind ein Geschenk des Auferstandenen an seine
Gemeinde, sie sind nicht von Menschen "erfunden" worden. Die Sache so
zu sehen wie Jesus, ist schon die Perspektive von Ostern her. Die Jünger
begreifen an dieser Stelle (noch) nichts. Die Worte allein wecken den Glauben
noch nicht, auch wenn sie nachher zugeben, dass ihnen "ihr Herz
brannte". Zu den Worten tritt die symbolische Handlung, die über sich
hinaus weist. Jesus gibt sich zu erkennen in der Geste des Brotbrechens – und
entzieht sich zugleich weiterem Gesehen-Werden. Die Jünger bekommen also den
"Beweis" der Auferstehung in Form einer Erfahrung, die zum
"Wendepunkt" in ihrem Leben wird; sofort kehren sie um, zurück nach
Jerusalem.
Die dritte Station:
Feiern
"Erzählen" und "Symbolhandeln" beschreiben nach der
Auffassung des Lukas die dem Geschehen von Kreuz und Auferstehung angemessenen
Kommunikationsformen. Sie tragen einen Bedeutungsüberschuss mit sich, der
individuell erschlossen werden will. Im Erzählen und im Feiern geschieht immer
mehr als das, was unmittelbar vor Augen ist. Doch geschieht dieses nicht in
ontologischer Weise, als sei dieses "Mehr" objektiv gegeben. Eine –
womöglich kirchlich abgesicherte – "richtige" Erzählung oder der
"richtige" Vollzug des Abendmahls stellen ja bekanntermaßen keinen
Glauben her. Das "für mich" dieses Geschehens, seine existenzielle
Bedeutsamkeit, ist unhintergehbar. Erst wenn ich erkenne: was in Jerusalem rund
um die Tage des Passah geschehen ist, ist für die Welt und für mich
persönlich geschehen, dann wird dieses Geschehen für mich bedeutsam. Es ist im
Brotbrechen das inszenierte Wort, das den Jüngern Augen und Herzen öffnet und
die Gestalt Jesu verschwinden lässt. Das Erkennen ist ein Wiedererkennen in der
symbolischen Kommunikation, in der die Jünger die Identität von irdischem
Jesus und auferwecktem Christus wahrnehmen. An dieser Stelle verbinden sich
Himmel und Erde. Damit wird das Diesseits "durchsichtig" und
mehrdeutig. Der Zimmermannssohn Jesus von Nazareth ist eben nicht von dieser
Welt, aber ganz in dieser Welt. Das lässt sich angemessen nur sagen, wenn man
es zugleich feiert.
Die kirchlichen Inszenierungen der Passions- und Osterzeit greifen diese
eigentümliche Verbindung von Himmel und Erde auf. Karfreitag und Ostern sind
die herausragenden liturgischen Unternehmungen, die den Erkenntnisvorgang zu
Emmaus in feierndes "Spiel" umsetzen. Liefert der Karfreitag in seiner
"Sperrigkeit"8 jene Deutungen des Kreuzes, die das Herz brennen
lassen, so inszeniert die Gemeinde in der Osternacht die Wende, in der der
Auferstandene in Wort und Tat – "Der Herr ist auferstanden, er ist
wahrhaftig auferstanden" bzw. Friedensgruß und Abendmahl – leibhaftig
kommuniziert wird. Nota bene: In dieser Hinsicht wird in einem dem Thema
angemessenen Unterricht die Begegnung mit den biblischen Schlüsseltexten aus
den Passions- und Ostergeschichten und den Paulinischen Briefen wie mit den
entsprechenden liturgischen Formen nicht wegzudenken sein.9
Ausblick: Bibel-Didaktisches
Auch wenn die theologische Perspektive immer die (nach-) österliche ist,
wird doch die didaktische altersbedingt differieren. So wird für Kinder bis ins
Vorkonfirmandenalter die in der Auferstehung zutage tretende und Leben
hervorbringende Liebe Gottes der angemessene Zugang sein, während danach
zunehmend die Frage nach dem Sinn des Kreuzes und nach der Deutung
gegenwärtiger "Kreuze" die Oberhand gewinnt.
"Die besondere Spannung der Emmausgeschichte liegt in dem ‚Sehen-und-doch-nicht-Erkennen‘
der Jünger. Eine Erfahrung, die sich, wenn man sie nicht ausschließlich auf
das Erkennen Jesu bezieht, ... gut auf die Alltagswelt der Schüler und
Schülerinnen übertragen lässt. Sie kennen Situationen, in denen es ihnen ‚wie
Schuppen von den Augen fällt‘. Sie machen ständig neue Erfahrungen. Sie
lernen permanent etwas dazu, was das Bisherige verändert oder ‚in ein neues
Licht rückt."10 Mit dieser Spannung geht die Differenz der Gefühle vor
und nach dem Erkenntnisvorgang einher. Es handelt sich um den Schülerinnen und
Schülern bekannte elementare Gefühle (Angst, Trauer, Freude, Hoffnung), die
sich genau an dem Punkt von negativen in positive wandeln, an dem die physische
Gegenwart Jesu sich im Akt des Brotbrechens in die spirituelle Gegenwart wendet.
Die Kongruenz der Lernbewegung mit dem Weg der Emmausjünger eröffnet hier
grundlegende Einsichten in die Strukturen christlichen Glaubens, die auch von
Kindern altersangemessen formuliert werden können.
Anmerkungen
1 Überarbeiteter Vortrag beim Religionspädagogischen Tag des Kirchenkreises
Syke am 21. Februar 2004
2 Vgl.: Bernhard Dressler: Karfreitag – ein sperriger Feiertag aus
evangelischer Sicht, Loccumer Pelikan 1/2004, S. 3-9
3 Gerd Theißen/Anette Merz: Der historische Jesus, Göttingen 21997, S. 408
4 Hilfreicher theologischer Gedanke ist hier E. Jüngels Rede von Gott als
Geheimnis der Welt
5 Analog ereignet sich das übrigens bei Lukas ein zweites Mal in der
Erzählung vom Kämmerer aus Äthiopien in Apg 8; hier sind Auslegung der
Schrift (ebenfalls Jes 53!), Verstehen und Taufe aufeinander bezogen.
6 Es handelt sich hier um ein Sterbegebet nach Ps 31,6
7 Siehe dazu unten die Skizzierung einer Unterrichtsstunde zu Lk 24
8 Bernhard Dressler, a.a.O., S. 4
9 Anregungen dazu in: Bärbel Husmann/Thomas Klie: Gestalteter Glaube.
Liturgie lernen in Schule und Gemeinde, Göttingen 2005
10 Stefan Klöver, Emmaus (Lk 24, 13-35) – ein Unterrichtsentwurf für die
4. Klasse an der Grundschule am Mühlenberg. Unveröffentlichter Entwurf, 2003
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