3. März 2017

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Flüchtlingskoordinatorin: Helfer geraten unter Rechtfertigungsdruck

epd-Gespräch: Karen Miether

Springe/Reg. Hannover (epd). Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer stehen nach Beobachtung der kirchlichen Koordinatorin für Flüchtlingsarbeit, Friederike Hoffmann, bei ihrem Einsatz zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. "Sie haben es verstärkt mit Anfeindungen zu tun", sagte die Koordinatorin im evangelischen Kirchenkreis Laatzen-Springe bei Hannover im Gespräch mit dem "Evangelischen Pressedienst" (epd). Auch Sozialneid sei ein großes Thema. So werde etwa gefragt, warum die Geflüchteten eine Wohnungseinrichtung gestellt bekommen - ungeachtet der Tatsache, dass sie ja bei ihrer Flucht kaum Möbel hätten mitbringen können und auch andere Sozialhilfe-Empfänger Unterstützung wie etwa Möbel erhielten.


Die Angebote verschiedener Organisationen in Springe und Pattensen wie etwa eine Handarbeitswerkstatt, ein internationales Café oder eine Fahrradwerkstatt wendeten sich ausdrücklich nicht nur an Flüchtlinge, sondern an alle Interessierte, betonte Hoffmann. Von Geldern, die zum Beispiel die Kirche für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung stelle, profitierten so auch andere. "Aber das bewusstzumachen, ist eine Aufgabe, vor der wie immer wieder stehen."

Die Kulturwissenschaftlerin gehört zu den mittlerweile 21 Koordinatoren für die Flüchtlingsarbeit in den Kirchenkreisen, die von der hannoverschen Landeskirche gefördert werden. Die Landeskirche hatte in den beiden zurückliegenden Jahren jeweils rund vier Millionen Euro für Projekte zur Integration von Geflüchteten zur Verfügung gestellt. Unter anderem finanziert sie damit anteilig befristete Stellen der Kirchenkreise für die Koordinatorinnen und Koordinatoren.

Das Wichtigste dabei sei, Projekte und engagierte Menschen zu vernetzen, sagte Hoffmann. So habe sie zum Beispiel Vereine angesprochen, um auf Initiative eines Flüchtlingshelfers einen Schwimmkurs für jugendliche Flüchtlinge zu organisieren. Wenn Menschen sich engagieren wollten, könne sie diese an passende Initiativen vermitteln. Viele Hilfsprojekte habe es bereits vor Beginn ihrer Tätigkeit vor knapp einem Jahr gegeben. "Es wird viel getan, aber nicht immer miteinander geredet."

Auch in belastenden Situationen könnten sich Ehrenamtliche an sie wenden, erläuterte Hoffmann. Zunehmend bedrückten Abschiebungen von Menschen, zu denen die Flüchtlingshelfer Beziehungen aufgebaut hätten, die Ehrenamtlichen. "Das ist für alle ein Damoklesschwert."

epd lnb mir mig